2014 - Das Chaos am Pfingstmontag

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Auf der Rückseite offenbarten sich erste Schäden - Foto: Gottfried Czepluch
 
Der Wetterbericht des Deutschen Wetterdienstes vom 9.4.2018 (Foto: Deutscher Wetterdienst, Dipl.- Met. C. Hartmann)
Pfingstunwetter 2014

Bald ist es wieder Pfingsten und somit Zeit, einige Erinnerungen an den Pfingstmontag, den 9. Juni 2014 aufzuschreiben, wo es zu dem verheerenden Unwetter kam:

Am Montag machte ich mich auf den Weg durch das Ruhrtal und die Hitze war für mich kaum zu ertragen. Dennoch wollte ich das Wetter für ein paar Impressionen ausnutzen. Das Licht war brutal hart und eigentlich nicht für gute Landschaftsfotos geeignet. Der Wetterbericht des Deutschen Wetterdienstes, den ich immer zur Mittagszeit erhalte, hatte das uns drohende Ungemach schon beschrieben. Das Rezept der Wetterküche hatte alle Zutaten bereit, die für schwere Gewitter erforderlich sind. Doch das der Koch in dieser Wetterküche wohl über wenigstens drei Sterne verfügte, wusste ich nicht.

Trotz einiger unguter Gefühle zog ich weiterhin durch das Ruhrtal, bis ich erschöpft durch die Hitze den Heimweg antrat. Zuhause hatte ich meine Bilderbeute auf den Rechner kopiert und dann gesichert. Das wir Ärger bekommen werden, war ja nun klar, aber wann kommt das Unwetter und wie intensiv wird es? Das alles war mir am Nachmittag noch unklar. Somit hatte ich einen Grund gefunden, um aktuelle Satelliten- und Radarbilder zu sichten. Ja, es wurde klar, dass es zur Sache gehen wird und nach einiger Zeit wurden dann auch konkrete Warnungen des DWD ausgegeben.

Dann wurden Wetterbeobachtungen „draußen“ möglich und ich schaltete den Computer aus. Die Luft wurde schwer wie Blei und ich spürte eine innere Unruhe aufkeimen. Immer und immer wieder blickte ich zum Himmel, der sich zunehmend verdunkelte. Wir erreichten die Abendstunden und lange konnte es nicht mehr dauern, bis es gefährlich wurde. Jetzt war es richtig dunkel und ich holte meine Kamera um erste Bilder zu machen. Ich blickte aus dem Dachfenster auf den bevorstehenden Angriff des Wetters. Dann änderte ich meinen Standort und ging auf die Straße.

Jetzt wohne ich inmitten großer Baumbestände, die mir teils die Sicht nahmen. Es war gegen 21 Uhr, als ich erste Blitze und Donnergrollen zu hören bekam und dann ging alles sehr schnell. Vor mir am Himmel war eine große Böenwalze zu sehen. Ich hatte sie noch nicht erkannt. Es war fast zu spät, als ich wusste, was da war. In genau diesem Moment kam es zu dem gefährlichen Downburst. Kalte Luft schlug mit voller Wucht auf der Vorderseite der Böenwalze zu Boden. Im Gefolge präsentierte sich die enorme Blitzfrequenz eines Gewitterclusters. Ich rannte so schnell mich meine Beine trugen ins Haus, denn die einzige Bergulme bei mir im Tal (mehrere Tonnen schwer) wurde wie ein Streichholz umgerissen.

Draußen war die Hölle los und es dröhnte im Haus. Die grellen Blitze offenbarten auch Schäden an den Bäumen auf dem Pachtgrundstück meiner Familie. Um 21:30 Uhr wurde die höchste Warnstufe (Stufe 4 von 4) vor extremen Unwetter ausgegeben. Das Radarbild zeigte ein brutales Szenario. Draußen war wegen der Dunkelheit und dem Stromausfall zunächst gar nichts zu erkennen. Als wir endlich auf der Rückseite waren, traute ich mich nach draußen, wo ich bis in die frühen Morgenstunden mit der Kamera unterwegs war und meinen Augen kaum trauen konnte. Doch erst bei Tageslicht waren die massiven Schäden für alle sichtbar geworden.

Während des Unwetters fielen 27 mm/m² Regen (Liter pro Quadratmeter) pro Stunde. Die Spitzenböe wurde vom Deutschen Wetterdienst mit 125 km/h in Essen ermittelt. An Schlaf war bei mir nicht zu denken. Ich musste die ganzen Ereignisse in Ruhe sacken lassen und lieferte erste Unwetterbilder bei den Print- und Onlinemedien ab. Wir alle kennen die Folgen, die sich längerfristig ergeben hatten. Der Erinnerungswert hat nun einen Status erreicht, der bei jedem, der es mit der Situation zu tun bekam, haften geblieben ist. Das Pfingstunwetter 2014 bekam dann den fachlich falschen Namen „Ela“ verliehen, der noch bis heute für jeden ein Begriff ist. Es handelte sich aber zu keiner Sekunde um einen Orkan, auch wenn die Böen Orkanstärke erreicht hatten. Vergleiche zu „Kyrill“ kann man nicht ziehen, denn hier handelte es sich wirklich um einen Orkan, der in ganz Deutschland tobte. „Ela“ war ein regionales Ereignis, wo Luftmassen unterschiedlicher Feuchte und Temperatur aufeinandergetroffen sind. Das ist eigentlich völlig normal während der Gewittersaison, nur die Intensität am 9. Juni 2014 wurde als außergewöhnlich eingestuft.

Das Fazit kann man kurz halten:
Niemand von uns wünscht sich eine Wiederholung! In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein schönes Pfingstfest 2018.
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33 Kommentare
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ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 16.05.2018 | 14:08  
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ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 16.05.2018 | 14:10  
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Peter van Rens aus Oberhausen | 16.05.2018 | 14:14  
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 16.05.2018 | 14:52  
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Peter van Rens aus Oberhausen | 16.05.2018 | 14:56  
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ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 16.05.2018 | 15:05  
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 16.05.2018 | 15:10  
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ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 16.05.2018 | 15:13  
Jens Steinmann aus Herne | 16.05.2018 | 15:38  
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 16.05.2018 | 16:35  
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Bodo Kannacher aus Essen-Süd | 16.05.2018 | 17:23  
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ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 16.05.2018 | 17:35  
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ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 16.05.2018 | 17:36  
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Bodo Kannacher aus Essen-Süd | 16.05.2018 | 17:41  
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ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 16.05.2018 | 17:45  
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Bodo Kannacher aus Essen-Süd | 16.05.2018 | 17:53  
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Anja Schmitz aus Essen-Süd | 16.05.2018 | 22:14  
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 16.05.2018 | 23:34  
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ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 17.05.2018 | 09:22  
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 17.05.2018 | 11:49  
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Bodo Kannacher aus Essen-Süd | 17.05.2018 | 12:16  
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 17.05.2018 | 12:34  
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Bodo Kannacher aus Essen-Süd | 17.05.2018 | 12:44  
Oliver Borgwardt aus Gladbeck | 17.05.2018 | 13:28  
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ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 17.05.2018 | 14:14  
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 17.05.2018 | 16:30  
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ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 17.05.2018 | 19:44  
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 18.05.2018 | 13:30  
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ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 18.05.2018 | 16:14  
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 19.05.2018 | 00:07  
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ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 19.05.2018 | 08:25  
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Christiane Bienemann aus Kleve | 20.05.2018 | 21:13  
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 20.05.2018 | 22:24  
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