Schutz vor dem Denkmalschutz

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Ein optisches Desaster an der Ruhr. (Foto: Foto: Peter Berszat)
Seit kurzer Zeit gibt es im Wichteltal ein Ereignis, dass man kaum noch glauben kann. Bislang waren in einem Abschnitt, der über die alte aus Stein gebaute Bogenbrücke am Holteyer-Hafen führt, alte Pflastersteine erkennbar. Es handelte sich nicht um „irgendwelche“ Pflastersteine, sondern um jene, die seit etwa 240 Jahren ein Dokument unserer Geschichte sind. Dort zogen Arbeitspferde die im Regelfall mit Kohle beladenen Ruhraaken (Schiffe) über den Fluss, der unserer Region ihren Namen gegeben hat.

Nun sind die Pflastersteine verschwunden und ein pechschwarzer, glatter Belag hat sie verdeckt. Hundebesitzer, Besucher und auch Radfahrer bleiben verwundert stehen und diskutieren, warum die unter Denkmalschutz stehenden Steine durch hässliches Material ersetzt wurden. Man war es gewohnt, vom Fahrrad abzusteigen, um ein paar Meter zu laufen. Auch das grobe Laufgefühl auf dem Gestein erinnerte an die alten Zeiten, wo der Mensch noch weit entfernt von den heutigen, modernen Hilfsmitteln war. Der Anwohner Peter Berszat zögerte keinen Augenblick und machte mit seinem Handy Fotos von dem, was er sehen musste und das keiner so recht glauben kann.

Schutz vor Abnutzung

Die Gespräche vor Ort dokumentieren ein klares Geschichtsbewusstsein und die Informationstafeln ergänzen das Bedürfnis der Bürger und Besucher über gelebte Geschichte zu diskutieren. Doch warum sieht man die Steine nicht mehr? Die Begründung wurde von der oberen Denkmalschutzbehörde in Düsseldorf genannt. Ziel dieser Maßnahme ist es, das Bodendenkmal vor Abnutzung zu schützen.

Die zahllosen Pferde aus damaligen Zeiten mit grobbeschlagene Hufe und das ebenso derbe Schuhwerk der Männer hatten den Pflastersteinen nichts antun können. Sie strotzen den Belastungen über Jahrhunderte und sind bis heute ein stabiles geschichtliches Fundament geblieben. Man munkelt, dass die Fahrradlobby eine Rolle spielen könnte, damit der Freizeitsport uneingeschränkt ausgeübt werden kann. Unfälle werden befürchtet, weil auch nun höhere Geschwindigkeiten möglich sind.

Norbert Mering (CDU), Vorsitzender der Bürgerschaft Überruhr sieht das oben erwähnte Geschichtsbewusstsein der Überruhrer als einzigen positiven Tropfen im Rahmen dieser beklagenswerten Vorgänge. Juristisch ist alles in trockenen Tüchern und der Beschluss ist, so wie Norbert Mering sagte, schon zwei Jahre alt. Die Belange der Überruhrer Bürger fanden keine Berücksichtigung. Die Folge ist nun ein für jedermann sichtbares optisches Desaster. Es ist auch von einem Attentat auf unsere Wurzeln die Rede!

Wenn die Denkmalschützer, so wie im Falle des Wichteltals, die Geschichte verstecken um sie zu schützen, dann muss man sich fragen, ob die „Abnutzung“ sich nur auf das Gestein reduziert, oder auch auf die Fähigkeit, sinnvolle Entscheidungen zu treffen.
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8 Kommentare
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 30.11.2017 | 20:46  
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 30.11.2017 | 20:49  
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 30.11.2017 | 21:19  
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 30.11.2017 | 22:00  
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 30.11.2017 | 23:54  
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 02.12.2017 | 13:56  
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 05.01.2018 | 13:19  
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Rolf Lepke aus Kamen | 03.03.2018 | 13:32  
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