DER STOFF AUS DEM "KUNST-TRÄUME" SIND - EDELGARD STRYZEWSKI-DULLIEN

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Es war nicht einfach, ein Treffen mit ihr zu verabreden. Gerade von einer Krankheit genesen, nun in den Vorbereitungen zu einer Gemeinschaftsausstellung in Paris, da lässt ihr der Terminkalender nicht mehr viel Spielraum.
So treffe ich nun Edelgard Stryzewski-Dullien in ihrem Haus in einer ruhigen Seitenstraße in Steele Rott. Die Vorderseite des Hauses mit viel Efeugrün und dunkelblauen Blumenkästen. Die Rückseite in hart gebranntem, roten Ziegel. Wir stehen im idyllischen Garten. Die Künstlerin hat mit professionellem Gespür für Präsentationen einige Arbeiten zwischen den Sträuchern in Szene gesetzt. Die tiefe Sonne strahlt grell, doch genau richtig um mit harten Schatten die Reliefartigkeit der Kunstwerke zu betonen.
Stoff ist ihr bevorzugtes Material. Durch Schnitte in Stofflagen, Nähte, die anschließend mit Watte gefüllt werden, entstehen weiche Reliefs, die ihre Installationen zum Leben erwecken.
“Ich bin sozusagen neben der Nähmaschine aufgewachsen“ erzählt die Tochter einer Schneiderin. In Bochum geboren und aufgewachsen. Studium der Kunstpädagogik in Dortmund, ein externes Studium in Münster. Weitere Studien in Bewegung- und Aktzeichen an der Folkwangschule bei Prof. Pieper folgten. 25 Jahre hat die Steeler Künstlerin angehende Kunsterzieher in Sachen Kunst unterrichtet und dabei nie ihre eigene künstlerische Arbeit vergessen, wie zahlreiche Ausstellungen in Deutschland und dem europäischen Ausland belegen.

Vor einigen Monaten hat sie ihr Atelier mit den hohen Räumen in Rüttenscheid aufgegeben um sich im Dachgeschoß ihres Hauses ein neues „Kreativzentrum“ einzurichten. Allerdings wird sie sich hier räumlich ein wenig einschränken müssen. “Mir fehlen die hohen Räume für größere Arbeiten „
An Ruhestand mit Anfang 70 denkt Sie nicht. Kunstschaffen kennt kein Pensionsalter.
Die letzten warmen Sonnenstrahlen wärmen diese Idylle im Garten und das Anfangs sachliche Gespräch wird emotionaler. Ich frage nach ihren Ideen und Gedanken ihrer Kunst.
„Ausgangspunkt meiner Arbeiten ist immer wieder der menschliche Körper mit seinen Formen und der Wahrnehmung von Körperlichkeit. Oft geschieht das mit textilen Materialien, die den Übergang von Fläche und Raum verschleiern, immer häufiger wähle ich jedoch die künstlerische Ausdrucksform der Performance, um in dem Spannungsfeld Körper und Raum den Tanz der Geschlechterrituale abzutasten, zu erforschen und sinnlich wahrnehmbar zu machen. Daraus hat sich in den letzten Jahren auch eine Ausweitung in den öffentlichen Raum entwickelt. Ich deute Außenräume durch Bezeichnungen, Überformungen und Polarisierung neu und verschiebe damit den Wahrnehmungsbereich. Somit entstehen poetische Szenen, die den Raum weit öffnen für die Entdeckung der eigenen Bilder in den Köpfen der Betrachter.“
Daraus hat sich im letzten Jahr ein neuer Schwerpunkt ergeben: die Dokumentation dieser Aktionen, Installationen und Inszenierungen. „Ich musste ein Medium finden, das den flüchtigen Moment der Aktionen festhält. Wichtige Bildträger sind das Foto und der Film.“ So hat sich aus der dokumentarischen Arbeit eine eigenständige künstlerische Ausdrucksform in stillen und bewegten digitalen Medien entwickelt bei der überraschende Interpretationen möglich werden.
Inzwischen ist die Sonne hinter den Häusergiebeln verschunden. Ein letzter Schluck Kaffee noch, und ich bin auf meiner Suche nach Kunst ein wenig reicher geworden.

Autor:

Dieter Kunst aus Essen-Steele

Webseite von Dieter Kunst
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