Machtlos

Haben Sie schon einmal versucht, Kinder oder Jugendliche zu ermahnen, die keinerlei Respekt oder Schuldbewusstsein besitzen? - Vergessen Sie's.

Es war bereits dunkel. Auf dem Weg durch die Siedlung zum nächsten Supermarkt hörte ich es vor dem nächsten Hauseingang klirren: Eine Flasche zerbrach. Anschließend gekicher. Als ich den Eingang erreichte, sah ich zwei Jugendliche im Alter von etwa 15, die sich an den Briefkästen zu schaffen machten und, als sie mich bemerkten, einfach davon gehen wollten. Ich sprach sie mit fester Stimme an. "Was sollte das denn? Was war das denn für eine Flasche?" Der größere sah mich frech an: "Wieso? Ich bin schon 16. War 'n Bier. Und?" Ich forderte sie auf, das Randalieren zu lassen und ging meines Weges. Völlig unbeeindruckt setzten auch die beiden Jungs ihren Weg fort.
Auf dem Rückweg vom Markt entlang der Freisenbruchstraße klirrte es schon wieder, dieses mal ein paar Häuser weiter. Um die Ecke zur Bushaltestelle gelaufen kamen zwei Halbstarke: Die bekannten Gesichter. Da ich auf der anderen Straßenseite ging, rief ich hinüber: "Hallo? Hört ihr mal auf, hier Flaschen herumzuwerfen? Was soll der Mist?" Man glaubt es kaum, aber der größere der beiden kam sogar über die Straße, baute sich vor mir auf und fragte frech: "Was ist? Haben Sie ein Problem?"
Wir wechselten ein paar Worte: Ich schimpfte, er hielt im Brustton der Überzeugung dagegen. Schon hatte ich das Handy in der Hand und drohte, die Polizei zu rufen: Er war unbeeindruckt.
Und dann? Was soll man dann noch tun?
Die möglichen Folgen einer Verletzung aufzeigen, falls jemand im Dunkeln auf den zerbrochenen Flaschenboden tritt? Das interessiert sie nicht.
Wirklich die Polizei rufen? Wegen einer zerbrochenen Flasche? Klasse. Dann brauchen sie nicht nach Hause laufen, sondern werden sogar gebracht.
Sie selbst zu den Eltern bringen? Beschimpfungen der Eltern wären wahrscheinlich das Mindeste, im Extremfall kann man sogar mit einer Anzeige wegen Nötigung rechnen.
Den Halbstarken auch nur anfassen? Bestimmt nicht: Jeder weiß schon im Alter von zehn Jahren, dass das Körperverletzung ist. Zudem denke ich, dass ich eine Menge Fans unter den Passanten gehabt hätte, wenn ich einen Minderjährigen angehen würde.
Früher sind wir noch zusammengezuckt, wenn wir von Erwachsenen ermahnt wurden. Im Extremfall wurden wir auch an den Ohren zu den Eltern gezogen und mussten uns anschließend entschuldigen. Da haben unsere Eltern auch noch dem Beschwerdeführer geglaubt.
Heute lernen die Kinder schon früh, dass es im Grunde - außer vielleicht ein wenig Gemecker der Eltern - keine Konsequenzen hat, wenn man als Kind bei irgendwelchem Unfug erwischt wird.
Als Erwachsener ist man da einfach machtlos. Man hat keine Möglichkeit, wirksam einzugreifen - es sei denn, man will sich anschließend vor einem wütenden Vater oder gar einem Richter verantworten. Und das wissen die Halbstarken.

Autor:

Ingo Behring aus Essen-Steele

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