Gesundheitsurlaub in Schleswig-Holstein

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Schleswig-Holstein, das Bundesland zwischen Nord- und Ostsee, setzt auf Gesundheitstourismus. Auch wenn immer weniger Gäste klassische Kuren machen, liegen Prävention, Wellness und Gesundheit klar im Trend. St. Peter-Ording, Amrum, Föhr und auch Rendsburg am Nord-Ostseekanal haben sich in den letzten Jahren herausgeputzt für die neue Gästeklientel. „Herzlich willkommen am schönsten Ort Schleswig-Holsteins“, heißt es allerorten. Obwohl alle Orte Gesundheitsangebote machen, hat jeder seinen ganz besonderen Charme.

St. Peter-Ording begeistert Jahr für Jahr mehr als 250.000 Gäste. Die freuen sich auf einen Spaziergang auf der neu gestalteten Strandpromenade oder erkunden die Themenradwege mit dem E-Bike. In der flachen Landschaft an der Küste rollen die mit Elektromotor unterstützten Drahtesel fast wie von selbst. Unterstützung durch den Motor bekommt nur, wer selbst in die Pedalen tritt. Bis maximal 25 km/h sorgt der Motor bei jeder Umdrehung für zusätzlichen Schwung. Das hilft bei kleinen Steigungen den Deich hinauf und sorgt dafür, dass man den Blick auch bei Gegenwind ganz entspannt in die Ferne schweifen lässt. Neben Elektro-Bikes gibt es beim Fahrradverleih auch andere Fährräder, Tandems, Quads und Segway-Roller. So ist jeder Besucher bestens gerüstet für seine Erkundungstouren. Wer es relaxter angehen möchte, löst ein Ticket für die Dünen-Therme. Schwimmen, Entspannen und eine Sauna mit Blick auf das Meer werden dort geboten. Anschließend bleibt Zeit für weite Spaziergänge, ungestörte Natur und Gemächlichkeit.

Das Meer liegt in St. Peter-Ording ein gutes Stück entfernt vom Ort. Eine 1.000 Meter lange Holzbrücke führt direkt von der Promenade zur Badestelle am Flutsaum. 12 km Strand bieten reichlich Platz für Strandkörbe, Wanderungen und auch für sportliche Ereignisse wie die Kitesurf-WM. Auch die Urlauber können zwischen zahlreichen sportlichen Aktivitäten wählen. Reiten, Golf, Tennis, Schwimmen, Surfen und Kite-Buggy-Fahren sind nur ein Ausschnitt aus dem umfangreichen Programm. Bei Schnupperkursen im Strandsegeln in speziellen Strandbereichen erreichen die Segler bis zu 150 km/h und erleben das Meer in wilder Fahrt. An anderen Orten auf dem Strand herrscht Ruhe. Dort ist Platz für Strandgymnastik und den entspannten Blick aufs Meer. Das Wasser hat im Sommer eine angenehme Temperatur. Der Durchschnitt liegt bei 18-19 Grad; in der Spitze erreicht das Wasserthermometer 25 Grad.

Das ganze Jahr über einen Besuch wert sind die deutschlandweit einzigartigen Pfahlbauten am Südstrand. Auf einer dem Ort vorgelagerten Sandbank haben sich fünf Strandrestaurants etabliert, die ihren Gästen Schutz vor Wind und Wetter und kulinarische Köstlichkeiten bieten. Erstmals errichtet im Jahr 1911 sind die Pfahlbauten heute moderne Restaurants mit allem Komfort. Das Seeheilbad St. Peter-Ording bietet den Gästen ein besonderes Reizklima. Während die einen ihre „Batterien“ aufladen, kurieren andere Atemwege, Haut, Bewegungssystem und beugen vor gegen Erschöpfungszustände. Gleich mehrere Anbieter setzen auf Thalasso-Anwendungen. Dabei kommen ortstypische Heilmittel wie Meerwasser und Schwefelsole zum Einsatz. Mit Brandung, Dünen und Wald können die Gäste an einem Tag verschiedene Klimazonen erleben. Eine ganz besondere Landschaft sind die weiten Salzwiesen zwischen dem Deich und dem Flutsaum. Einiges zu sehen gibt es auch im Ort selbst. Auf dem St. Clemens-Friedhof stehen alte Grabsteine von Seefahrern und Kapitänen. Über die Jahrhunderte sind die reich dekorierten Steine verwittert und von Flechten überwachsen, sodass die Kirchengemeinde nun auf der Suche nach Paten für den Erhalt der Steine ist. Einen Besuch wert ist auch „Dat Backhus“. Handwerker im Ruhestand haben in den letzten Jahren ein historisches Backhaus nachgebaut und backen dort regelmäßig für Gäste und Einheimische. Bis zu 200 Brote liegen in den Regalen, wenn im verklinkerten Holzhaus für einen guten Zweck Roggenmischbrot und Stuten gebacken werden. In direkter Nachbarschaft zum Backhus steht der Brunnen „Jan und Gret“. Künstler Claus Homfeld stellt mit dem Brunnen das alte St. Peter dar, in dem die Menschen von und mit dem Meer lebten.

Abwechslungsreich ist auch ein Besuch der Insel Amrum. 2.100 Einwohner verteilen sich auf fünf malerische Friesendörfer. Wahrzeichen der Insel ist der höchste begehbare Leuchtturm der Nordsee. Vom Rundbalkon des 41,8 Meter hohen Turms hat man einen hervorragenden Blick über die Insel. 295 Stufen führen zum Leuchtturm und anschließend die enge Wendeltreppe an seine Spitze. Vom Fuß des Leuchtturms ist es nicht weit zum 1,5 km breiten Kniepsand. Dort weht ein frischer Wind und bringt häufig den feinen Sand in Bewegung. Einen guten Eindruck von der Insel bietet eine Fahrt mit dem historischen Bus „Paula“. Der Busfahrer zeigt Urlaubern die ganze Insel und weckt Vorfreude auf die besonderen Sehenswürdigkeiten der kleinsten nordfriesischen Insel. Neben dem breiten Dünengürtel bietet Amrum ausgedehnte Wald- und Heideflächen. Am Strand zwischen den Gemeinden Nebel und Norddorf hat der Künstler Pancho seine Burg aus Strandgut gebaut. Nachdem die erste Burg bei einem schweren Sturm zerstört wurde, fand diese eine neue Heimat in einem Museum. In den Amrumer Dünen steht nun eine neue, nicht minder eindrucksvolle Burg. Reetgedeckte Häuser, eine Mühle und zahlreiche kleine Cafes und Restaurants machen Amrum zu einem sehr schönen Urlaubsziel. Ob man bei einer Teestunde frische Friesen-Waffeln genießt, Wald und Heide erkundet oder am Strand liegt: Das mit dem Schiff von Nordstrand oder Sylt erreichbare
Seebad hat viel zu bieten.

Eine besondere Attraktion ist eine Wattwanderung. Verschiedene Wattführer bieten Touren zur Nachbarinsel Föhr an. Da sich der Verlauf von Ebbe und Flut jeden Tag um 50 Minuten verschiebt, finden die Führungen jeden Tag zu einer anderen Uhrzeit statt. Ins Watt gehen sollte man generell nur mit einem ausgebildeten Wattführer. Die Flut kommt mit 200 m/s. Das Wasser steigt dabei um 2,5 Meter. Bei geführten Wattwanderungen werfen Kinder und Erwachsene einen Blick auf den vom Wasser freigelegten Meeresboden. Wattführer Dark Blome (48) begleitet seine Gäste schon seit einigen Jahren durch die faszinierende Welt des Wattenmeers. Im Gegensatz zu manchen seiner Kollegen, die mit mehr als hundert Gästen und Megaphon unterwegs sind, setzt er auf kleine Gruppen. Das macht Sinn, denn Wattwanderung und Massentourismus passen schlecht zusammen. Von „Ban Horn“ in Norddorf geht die Wattwanderung los. Nach einem kurzen Weg durch die Dünen werden die Schuhe in den Rucksack gepackt und die Barfußwanderung beginnt. Ein schmaler Priel wird durchwatet, Seesterne und Schollen entdeckt und Schlicklöcher umgangen. Bis zu den Oberschenkeln steht man bei der Wanderung im Wasser, doch das ist in der warmen Jahreszeit eine erfrischende Abwechslung. Im Nationalpark berichtet der Wattführer über Natur, Menschen und Ereignisse und auch über spektakuläre Strandungen. Mit der Grabforke werden Wattwürmer und Muscheln ausgraben und beobachtet. Die rund sechs Kilometer lange, gemütliche Wattwanderung auf dem ebenen Meeresboden ist in rund 2,5 Stunden gut zu bewältigen und für alle Amrum-Urlauber empfehlenswert. Die Kosten inkl. Taxifahrt und Fähre zurück nach Amrum liegen bei rund 30 Euro pro Person. Auch für Vogelfreunde gibt es auf Amrum ein Angebot. Der Verein Jordsand bietet regelmäßig spezielle Vogelführungen an.

Friesischen Charme genießen kann man auch auf Föhr. Speziell für Radfahrer hat die Insel viel zu bieten. Fünf Themenrouten, zum Beispiel zu Kultur und Kunst, sind entlang der 200 km Radwege ausgeschildert. Elf Dörfer und eine Stadt sorgen dafür, dass Radfahrer und Wanderer immer eine Gelegenheit finden einzukehren. Dank ihrer durch die Nachbarinseln windgeschützten Lage hat Föhr ein besonders mildes Klima. In der Nähe von Borgsum stehen die Überreste der Lembecksburg. Von der sächsischen Wallburg aus der Wikingerzeit ist heute ein Wall mit einem Durchmesser von 95 Metern und einer Höhe von 8-10 Metern erhalten. Weiße Sandstrände laden ein zum Baden, zum Spazieren gehen und auch zu einem Aktivprogramm. In der sanften Nordseebrise drehen sich fünf Windmühlen während Urlauber die erholsame Kraft des Meeres genießen. In bunten Strandkörben blicken die Gäste auf das Meer. Und während die einen auf dem nach der Flut unberührtem Boden Spuren hinterlassen, entscheiden sich andere für eine Runde Golf. Kleine verwinkelte Gassen im Stadtkern des Städtchens Wyk laden zu einem Rundgang ein. Von der Kurpromenade kann man bei gutem Wetter die Halligen erahnen. Eine besondere Art das Meer zu genießen bieten die Föhrer Fischer an. Vom Krabbenkutter wird täglich ein Teil des Fangs direkt an die Touristen verkauft. Auf Föhr können Gäste die Langsamkeit entdecken und sich Zeit nehmen für sich selbst.

Ganz ohne Fähre erreicht man die Stadt Rendsburg am Nord-Ostsee-Kanal. Die alte Garnisonsstadt ist ein guter Ausgangspunkt für eine Radtour am Kanal entlang. 120 Containerschiffe, Frachter und Kreuzfahrtschiffe passieren den Kanal zwischen Nord- und Ostsee jeden Tag, sodass Radfahrer und Wanderer auf den befestigten Uferwegen einiges zu sehen bekommen. 10 Brücken und 14 Fähren queren den 98,6 km langen Kanal und können jederzeit kostenfrei genutzt werden. Rund um den Kanal sind 325 km Radtouren ausgeschildert. Vorbei an Brücken, Schleusen und anderen technischen Meisterwerken und durch idyllische Naturlandschaften führen die Touren. Am Kanal ist die reizvolle Binnenlandschaft nahezu flach, sodass man mit Leihfahrrad, Lunchbox und Streckenkarte viele Kilometer machen kann. In der Nähe der mittelalterlichen Altstadt von Rendsburg gibt es gleich mehrere Sehenswürdigkeiten. In der Stadt führt vom Altstädter Markt aus eine blaue Linie auf dem Pflaster zu 30 sehenswerten Gebäuden.

Die Rendsburger Eisenbahnhochbrücke sorgt dafür, dass Züge den Kanal überqueren können. Das technische Meisterwerk wurde im Jahr 1913 eröffnet und hat mit den Zufahrtsviadukten eine Länge von 2.487 m. Unter der Brücke bleibt den Schiffen 42 Meter Platz, sodass auch große Schiffe den 250 Seemeilen weiten Umweg um die Nordspitze von Dänemark sparen und den Kanal durchfahren können. Das technische Denkmal verfügt über eine Aussichtsplattform in einem der Pfeiler. Über eine 187-stufige Wendeltreppe kann man diese erreichen und einen Blick über die Stadt und den Kanal werfen. Unter der Brücke hängt eine Schwebefähre. An Seilen getragen bringt die ungewöhnliche Fähre im Viertelstundentakt vier Autos und 60 Fußgänger über den Kanal. Gleich neben der Fähre liegt die Rendsburger Schiffsbegrüßungsanlage. Engagierte Schiffsfreunde ziehen dort für jedes vorbeiziehende Schiff die Fahne des Herkunftslandes auf.
Erkunden kann man den Kanal auch mit dem Raddampfer „Freya“ oder mit einem Börteboot. Bei der Fahrt kommt man vorbei an der Aalkate des letzten Kanalfischers Hans Brauer. Seit 1804 fischt seine Familie im Nord-Ostseekanal und serviert im eigenen Restaurant den Fang. Im Sommer können Urlauber beim Himbeerhof Steinwehr selbst ernten. Ab Juni reifen dort Erdbeeren, ab Mitte Juli Kirschen, Himbeeren und Johannisbeeren. Während in Sichtweite Schiffe vorbeiziehenden, kann die ganze Familie die reifsten Früchte ernten oder sich im Garten-Café des Gutshofs verwöhnen lassen. Schleswig-Holstein bietet Urlaubern Genuss, Entspannung und Gesundheit. Den schönsten Ort zwischen den zwei Meeren? Den darf jeder Urlauber selbst für sich entdecken.

Autor:

Christian Kolb aus Essen-Steele

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