Zwei Runden machen doppelt Spaß !
1. Baldeneysteig Ultratrail mit Traumstart

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Es tut sich wieder was in der Essener Ultralaufszene. Lange war Essen ein weißer Fleckauf der Karte der Ultralaufveranstaltungen. Das änderte sich mit dem Kaiserparkultra, der in diesem Jahr nun schon zum 9. Male statt fand. Gestern kam mit dem Baldeneysteig Ultratrail eine weitere Veranstaltung dazu. Und die hat durchaus das Zeug dazu, Kultstatus zu erreichen.

Zu verdanken ist das in erster Linie Marina Kollassa und Kati Schlüter. Sie sind en Steig schon des öfteren gelaufen und waren begeistert von der Runde. Hier kam ihnen dann die Idee, dass man mehr daraus machen könnte. Trotz ihres für Ultraläuferinnen jungen Alters brachten sie den Mut auf , selbst eine Veranstaltung zu organisieren. Der Lauf war geboren !

Für die aufwendige Planung und die Organisation mobilisierten sie ihr ganzes Umfeld. Und viele zogen begeistert mit. Da auch einige Sponsoren mit einstiegen, stand dem 1. Baldeneysteig Ultratrail nichts mehr im weg.
Das Rückrad einer solchen Veranstaltung sind aber die vielen freiwilligen Helfer. Ohne sie geht nichts. Am Starttag wurde schon im Dunkeln geschuftet, um alles vorzubereiten. Als Abends der Letzte Starter ins Ziel kam , war es schon lange wieder finster . Zwischendurch harrten sie bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt aus und gaben alles für die LäuferInnen. Die dankten immer wieder herzlich für die gute Betreuung .
Der Lauf war eigentlich auf Eigenverpflegung ausgelegt . Trotzdem gab es 2 üppig ausgestattete Verpflegungsstellen. Besonders Kuchen (auch Vegan) stand im Vordergrund und wurde gut angenommen. Da musste man mit seiner Eigenverpflegung nur noch auffüllen.
Nur 20 Startplätze gab es für den Ultratrail. Die waren innerhalb von Stunden ausgebucht und die Warteliste wuchs schnell auf über 30. Kein Wunder bei einem Startgeld von nur 5 Euro für für Zwei Runden von je 26 Kilometer. Um die große Nachfrage zu befriedigen, gab es noch einen Lauf über eine Runde und einen 10 Kilometer Lauf.
Trotz dieses äußerst knappen Startgeldes soll sogar noch Geld übrig bleiben. Wie das möglich ist, bleibt mir ein Rätsel. Über den Überschuss darf sich „Laufen gegen Leiden“ freuen.

Wunderschöner Baldeneysteig

Für mich ( Ralf Schuster, TC Kray 1892 e.V.) soll dieses Event ein Höhepunkt meines Laufjahres werden. Ich hatte mit Birgit Jahn den letzten Startplatz ergattert , mein erstes Ziel war erreicht. Ich wäre todtraurig gewesen, hätte ich hier in meiner Heimatstadt bei diesem Lauf zuschauen müssen. Auch ich liebe diesen Steig, habe immer wieder Teilstücke gelaufen. Jetzt will ich gleich zweimal rum.
Um kurz nach 9 geht es dann endlich los. Gestartet wird am JagdhausSchellenberg in Heisingen.Birgit ist leider ausgefallen. Darum mache ich mich mit Michael Derlich, mit dem ich schon letzte Woche in Steinfurt beim Steinhart 666 gelaufen bin, auf den Weg. Die Schnellen knallen gleich bergab los. Hinten bildet ich eine schöne Gruppe von etwa 8 Läuferinnen. Hier geht es ruhiger zu , meinem Alter entsprechend.
Die Strecke macht ihren Namen gleich Ehre. Es gibt viele Trailpassagen und ständig auf und ab. Wir sind meist im Wald unterwegs, der aber immer wieder herrliche Blicke auf den Baldeneysee freigibt. So werden bis zum Wildgehege Heissiwald schon einige Höhenmeter gefressen. Von hier aus geht es bis zum Stauwehr nur noch bergab . Jetzt wechseln wir ans Südufer des Sees und hier kommt dann gleich der VP 1. Mit viel Kuchen fülle ich meine Speicher und lasse meine Flasche auffüllen. Der Umwelt zu Liebe wird auf Becher verzichtet. Eine tolle Idee wie ich finde.
Danach geht es gleich wieder steil bergauf in Richtung Werden. Hier wird der Steig dann bewusst verlassen.Eigentlich führt er über den Friedhof , wird jetzt aber herum geführt. Auch das eine hervorragende Idee des Orgateams. Gleich dahinter änder sich die Landschaft total. Der Wald ist erstmal weg, wie laufen über Felder und an einigen Wohnhäusern vorbei. Hier fegt der eisige Wind über die freien Flächen. Als Entschädigung gibt es aber fantastische Weitblicke bis weit nach Essen hinein. Der Himmel ist übrigens stahlblau, fast keine Wolke ist zu sehen. Alle erstrahlt in kräftigen Farben . Saftige Grüntöne und das satte Rot, Belb und Braun der Blätter geben den Ton an. Das ist durchaus ungewöhnlich für diese Jahreszeit und ich freue mich riesig darüber . Das Profil ändert sich aber nicht. Es bleibt weiter hügelig.
Nach weiteren Kilometern geht es dann über Serpentinen Steil bergab zum See. Hier ist der Motorradtreff „Haus Scheppen“ . Hier kann die Toilette genutzt und Verpflegung gekauft werden. Parallel zum Baldeneysee geht es dann durch ein kleines Birkenwäldchen , dann knicken wir scharf rechts an Richtung Kupferdreh. Nach einigen Kilometern schaffen wir es tatsächlich uns zu verlaufen. Aber Dank der guten Orientierung von Marina Kolassa und des guten Technikverständnisses (Laufapp) von Katja Schwarzkopf kommen wir wieder auf den richtigen Pfad. Die 2 Extrakilometer lächeln wir weg. Eigentlich waren sie sogar schön.
Dann kommen wie auch schon in Kupferdreh an der alten Eisenbahnbrücke an uns gehen zurück auf die nördliche Seeseite. Hier laufen wir dann Slalom zwischen den vielen Spaziergängern. Vorbei an „Zeche Carl Funke“ erreichen wir den Schlussanstieg. Der hat nochmal richtig viele Steigungsprozente, aber oben ist zum Glück der VP 2.

Die fantastischen Vier

Für einige aus unserer Gruppe ist hier Schluss. Für mich geht es nach einer kurzen Pause zusammen mit Katja Schwarzkopf,Marina Kollassa und MichaelDerlich auf die zweite Runde. Auch wir spüren nun die 600 Höhenmeter , die wir in den Beinen haben. Aber die Gruppe läuft sehr harmonisch. „Bergauf gehen und bergab laufen“ ist unser Motto . Das wird auch meistens gut umgesetzt. Diskussionen gibt es selten und im Spaß. So fliegen die Kilometer nur so dahin. Wir werden auch langsamer und die Gehpausen werden länger. Aber immer im Gleichschritt. Unser Ziel , unter 8 Stunden zu bleiben und im Hellen zusammen zu finishen, nimmt realistische Formen an. Als wir auf das letzte flache Seestück einbiegen, dämmert es schon leicht. Der Mond seht schon am Himmel und wir kommen an einer großen Gruppe Kormorane vorbei, die schon ihre Schlafbäume aufgesucht haben. Dann ist der Fuß des Schlussanstiegs erreicht. Und wie bestellt überflutet ein Sonnenuntergang in Orange die ganze Szenerie in ein Stimmungsvolles Licht. Genau das haben wir jetzt gebraucht. Passend zum Orange wird mir warm ums Herz und die Rampe ist schneller geschafft als gedacht . Jetzt sind es nur noch 300 Meter bis zum Ziel. In Sichtweite hören wir schon Musik und lauten Jubel. Hand in Hand laufen wir über die Ziellinie. Ich kriege das grinsen nicht aus dem Gesicht. Bin überwältigt. Wir umarmen uns, Glückwünsche kommen von allen Seiten. Eine coole Medaille aus Holz und die Urkunde gibt es sofort. 7:30 Std. haben wir für die 52 Kilometer gebraucht. Aber das wäre beinahe untergegangen.
Mich überkommt das warme Gefühl von Dankbarkeit. Für die Menschen, die sich das alles ausgedacht haben, für alle Helfer, die mir diesen schönen Tag möglich gemacht haben und auch für meine Mitläufer. Schön das es euch gibt!
Es ist lägst dunkel geworden. Noch immer sind einige LäuferInnen unterwegs. Aber niemand geht, bis der letzte im Ziel ist, da bin ich sicher. Ich verabschiede mich mit einer Träne im Auge. Ich bin im nächsten Jahr wieder dabei. Ganz sicher !

Homepage :
https://baldeneysteig-ultratrail.jimdofree.com/

Autor:

Ralf Schuster aus Essen-Steele

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