"Das Lied des Lebens" auf der Leinwand - Eulenspiegel zeigt Dokumentation über einen Chor für alte Menschen

Alfred Adamczak, 90 hat seinen Bruder im zweiten Weltkrieg verloren. Die Erinnerung daran schmerzt ihn heute noch.
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  • Alfred Adamczak, 90 hat seinen Bruder im zweiten Weltkrieg verloren. Die Erinnerung daran schmerzt ihn heute noch.
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Regie: Irene Langemann | Deutschland 2012 | 89 Minuten
mit Bernhard König, Sigrid Thost, Magdalena Reisinger, Alfred Adamszak, Olga Petersen und den Sängerinnen und Sängern des "Experimentalchors" Alte Stimmen
Kinostart: 17.01.2013

Die Premiere am Donnerstag, 17. Januar (19 Uhr) mit dem Komponisten Bernhard König der Regisseurin Irene Langemann, die seine Arbeit über Monate begleitete und dokumentierte, sowie die Mitglieder des Kölner Chors - Protagonisten des Films und der Gruppe UWAGA hat mich begeistert und gleichzeitig berührt. Es gab viele Gänsehaut-Momente. Wiederholter Szenenapplaus und brausender Beifall am Schluss der Vorführung bewies, dass, das Publikum, meine emotionalen Gefühle teilte. Der Film hat meiner Ansicht nach alle Preise verdient, die in der Filmbranche zu vergeben sind. Ich gehe noch einen Schritt weiter: Der Film ist für mich Anwärter auf den Titel: "Film des Jahres 2013". Meine Stimme hat er jedenfalls.

Zentrales Thema sind die „Lieblings –und Lebenslieder“ von Menschen ab 70 Plus. Lieder, die in der eigenen Biographie verankert sind und für eine ganz besondere Geschichte oder Erinnerung stehen.

Bei der 78jährigen Magdalena Reisinger löst das Lied „Kann denn Liebe Sünde sein“ einen emotionalen Ausbruch aus. Mit vierzehn Jahren ist sie schwanger geworden. Geächtet von den Dorfbewohnern, täglich von ihrer Mutter verprügelt, brachte sie als fünfzehnjähriges Mädchen eine Tochter zur Welt. Dieses Erlebnis, das auf dramatische, aber auch beglückende Weise ihr Leben geprägt hat, ist für Bernhard König der Ausgangspunkt, das ‚Lied des Lebens’ von Magdalena Reisinger zu komponieren. Stärker als im bloßen Erzählen und Erinnern, kommen in solchen Lebensliedern sehr intensive Emotionen zum Ausdruck. In der Eintönigkeit des Altenheims werden aus bedrückten, erstarrten Senioren klingende und leuchtende Menschen.

Hier darf mitsingen wer mindestens 70 Jahre alt ist und Lust auf musikalische Experimente hat. Der älteste Chorsänger Alfred Adamszak ist 91, und kein bisschen müde - trotz der schlimmen Kriegserlebnisse und der schmerzhaften Abschiede von geliebten Menschen. Auch diese Biographie nimmt der Komponist zum Anlass, um zusammen mit dem Chor ein Lied von ergreifender und expressiver Stärke zu entwickeln.
Obwohl Bernhard König seit vielen Jahren Musik für die abenteuerlichsten Anlässe erfindet, hat er noch nie ein Projekt erlebt, das so viele Überraschungen bereithält und eine solche zwischenmenschliche Dynamik und emotionale Tiefe entwickelt. Die Autorin Irene Langemann hat seine Arbeit über Monate begleitet und dokumentiert, wie die Magie der Musik die Senioren am Neckar und Rhein beflügelt, wie aus ihren Liebesgeschichten, aus Leidgeschichten Lebenslieder einer Generation werden , die viel durchgemacht und viel zu erzählen hat.

Den größten Erzählbogen des Films bildet Königs Arbeit mit dem Kölner Chor, in dessen Mittelpunkt die Lust am Ausprobieren und der Spaß am musikalischen Experiment stehen. Das Entstehen der Stuttgarter „Lebenslieder“ wird in kleineren Episoden in die Filmerzählung eingebettet. Anders als ein Komponieren für den Konzertsaal hat für König die Zielsetzung nichts mit „Originalität“ oder künstlerischer Positionierung zu tun. Worum geht es, ist das einzelne Gegenüber: Sein in Jahrzehnten gewachsenes Ausdruckspotential, seine Biographie und seine körperlichen Handicaps.

Karten (8 Euro) und weitere Infos unter der Telefonnummer: 0201/27 55 55.
oder: www.essener-filmkunsttheater.de

Autor:

Ursula Hickmann aus Essen-Süd

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