Fausto Reinhart: Tenor auf dem Weg nach ganz oben

Hat Essen kennen- und lieben gelernt: Tenor Fausto Reinhart. Foto: maschu
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Kennen Sie noch Steeles Schiffer? Die heißt nicht Claudia, sondern Margarete und wohnt am Rauhölterberg. Hier vermietet sie auch Wohnungen, u.a. die, in der im Zweiten Weltkrieg der Komponist Eduard Künneke lebte, und mit diesem Hinweis hat sie den jungen Tenor Fausto Reinhart nach Steele locken können.
Fausto Reinhart steht derzeit in Gladbeck in der Maschinenhalle Zeche Zweckel als Gennaro in der neuesten Oper von Hans Werner Henze auf der Bühne. Das Werk heißt „Gisela! oder: Die merk- und denkwürdigen Wege des Glücks“ und ist nicht nur der Höhepunkt des großen Henze-Kulturhauptstadtprojektes. „Diese Opernproduktion ist alles andere als normal“, sagt Fausto Reinhart im Gespräch mit dem KURIER. Seit dem 16. August probte das Team in der Maschinenhalle, ein Bühnenbild wie am Film-Set wurde hier aufgebaut. Ein Ende, das hat die Oper aber auch rund zwei Wochen vor der Uraufführung noch nicht gehabt. „Hans Werner Henze hat die Oper während der Proben noch geschrieben“, erklärt Reinhart. „Das war alles ganz spannend und eine einmalige Erfahrung für mich als Sänger. Denn ich konnte die Rolle des Gennaro richtig leben. Das war wie im wahren Leben, ich wusste nicht, was mit ihm als nächstes geschieht." Und weil ihn die Frage zum Ausgang des Stückes stets beschäftigte, suchte er oft das Gespräch mit Margarete Schiffer. „Sie ist eine richtige Freundin für mich geworden. Wenn es der Proben-Stress zulässt, sitze ich gerne bei ihr und dann kommt auch oft die Frage, wie es mit Gennaro wohl ausgehen wird. Margareta, wie ich sie gerne nenne, sagt dann oft ‚Faustus, alles wird gut‘.“
Zum ersten Mal steht der erfolgreiche Jungtenor im Rahmen der Ruhrtriennale auf der Bühne. An die Rolle kam er ganz unverhofft - so wie an die Schiffersche Wohnung. „Meine Agentur hat mich zum Vorsingen in die Folkwang Hochschule nach Werden geschickt. Das Triennale-Team hat schon über ein halbes Jahr nach einem Gennaro gesucht. Ich wurde vom Fleck weg engagiert“, erinnert sich der Wahl-Wiener stolz. „Sofort nach dem Vorsingen kam nämlich der Schneider und hat mich vermessen! Die Wohnung bei Frau Schiffer wurde dann plötzlich frei, obwohl ich schon was anderes im Auge hatte. Als sie mir von Künneke erzählte, dass er in dieser Wohnung seine Operette ‚Hochzeit mit Erika‘ komponiert hat, habe ich alles andere abgesagt und bin an den Rauhölterberg gezogen. Ich wollte mehr erfahren!“ Während der spannenden Arbeit an „Gisela!“ konnte der 27-Jährige, der schon im zarten Alter von vier Jahren Geige und Klavier für sich entdeckte, sogar Henze selbst im Aalto-Musiktheater treffen. „Das war ein ganz besonderer Moment“, so Reinhart. „Hans Werner Henze hat nicht viel gesprochen, aber was er sagte, das war einfach mystisch.“
Jetzt freut sich der Tenor, der seit seinem sechsten Jahr singt und in Neapel Gesang studiert hat, u.a. beim bekannten Opernsänger Carlo Bergonzi, auf die Aufführungen. „Gisela!“, das sei „eine ganz moderne Oper, die zunächst in Oberhausen spielt“, erklärt Fausto Reinhart. Ein Mädchen, Gisela, reist nämlich mit ihrem Verlobten nach Neapel. Hier verguckt sie sich in Gennaro, den Fremdenführer, der auch Student der Germanistik ist. Gemeinsam flüchtet das Paar zurück nach Oberhausen.
Doch nicht allein vom Stück schwärmt der junge Musiker. Die Kollegen seien ebenfalls alle etwas ganz Besonderes. „Ich habe selten soviel Energie, Innovation und Freude gesehen“, bilanziert Fausto Reinhart. Die Produktion hat ihn aber nicht nur aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte bereits geprägt. „Ich arbeite hier mit lebenden Opernlegenden zusammen!“, sagt er. Denn kein geringerer als Pierre Audi führt bei „Gisela!“ Regie und Steven Sloane schwingt den Dirigentenstab für dieses einzigartige Projekt.
Aber wer soll sich „Gisela!“ denn nun anschauen? „Alle!“, formuliert es Fausto Reinhart knapp. Und wenn man keine Opern mag? „Dann mag man sie danach“, ist sich der Spross einer Musikerfamilie - sein Vater ist Jazzmusiker, die Mutter war Ballet-Tänzerin - sicher. „Man erlebt hier in Gladbeck wahre Emotionen, eine Geschichte, die im Hier und Jetzt spielt und vor allem: Man hat die Chance bei einer Welt-Uraufführung dabei zu sein, wie es früher z.B. bei ‚Tosca‘ der Fall war - das ist eine einmalige Chance!“. Zu sehen ist „Gisela!“ noch einmal am 2., 3., 6. und 8. Oktober. Karten-Tel.: 8 87 20 24 sowie an den bekannten VVK-Stellen. Nach den Aufführungen heißt es für Fausto Reinhart Abschied nehmen: „Ich verlasse Essen unmittelbar nach der letzten Vorstellung. Dann geht‘s für mich auf große Deutschland-Tour über drei Monate. Aber ich komme bestimmt wieder! Essen ist immer einen Besuch wert!“

Autor:

Mareike Schulz aus Essen-Steele

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