"Lasst uns nicht im Grün ersticken!"

Das Ehepaar Weyers zeigt, wo einst der Zugang zu ihrem Grundstück war. Foto: maschu
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  • Das Ehepaar Weyers zeigt, wo einst der Zugang zu ihrem Grundstück war. Foto: maschu
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Grün, so weit das Auge reicht. Ist doch schön, finden Sie? Wo findet man das schon noch in einer Großstadt wie Essen? In Horst am Rademachersweg! Hier wohnt das Rentner-Ehepaar Weyers, dessen Garten von wilden Brombeer-Ranken und grünen Überhängen vom Bahndamm zugewuchert wird. Sie baten den KURIER um Hilfe.
Es grünt so schön? Wenn man aus dem gemütlichen Esszimmer von Agnes und Hans-Georg Weyers sitzt und in ihren wilden Garten schaut, sieht der nach allem, aber nicht nach einer grünen Oase aus. „Wir würden so gerne wieder im Hof sitzen und auf unseren Ilex und Pflaumenbaum gucken“, seufzt Agnes Weyers. „Aber setzen Sie sich da mal hin - würde Ihnen das gefallen?“ Sicherlich nicht! Denn ehrlich gesagt, hatte ich einen Pflaumenbaum bis jetzt noch gar nicht ausgemacht. Der Gang hinaus ins Grüne zeigt: Zwischen all den Brombeerranken, die zum Teil über die Mauer wuchern, zum Teil aus den Blumenbeeten der Weyers emporklettern, kann man zarte blau-lila Pfläumchen ausmachen. Aber diese auch ernten? Fehlanzeige! Und das Bild wird nicht besser. Verlässt man den kleinen Hof und geht ums verwinkelte Häuschen herum, kommt man an der Garage vorbei, über deren Dach auch wieder - richtig! - die wilden Brombeeren ranken. In das wüste Grün deutet das Ehepaar nun. „Hier ist eigentlich der Weg, über den wir auf die andere Seite unseres Grundstücks kommen“, sagt Hans-Georg Weyers. Doch zu erkennen ist hier schon lange kein Weg mehr. Die Holzhütte, die das Ehepaar hier einst aufgebaut hat, liegt in unerreichbarer Ferne.
Einen Großteil des grünen Segens haben die Weyers der Deutschen Bundesbahn (DB9 zu verdanken. „Seit Jahren wird hier nichts mehr gemacht“, klagt Agnes Weyers. Seit zwei Jahren versuche sie nun schon, die Verantwortlichen nach Horst zu locken. „Es waren auch Gutachter hier, aber dann heißt es nur, für Schönheit oder Lichteinflüsse, da können wir nichts machen.“
Zum Gespräch gesellen sich auch weitere Anwohner hinzu. Ehepaar Trant klagt an, dass das nahe ihrem Grundstück gelegene alte Firmengelände Büscher jugendliche Randalierer anziehe, gegen die selbst die Polizei Essen nichts ausrichten könne, da das Gelände ebenfalls zu den Immobilien der Deutschen Bahn gehöre. Außerdem würden die Brombeeren nicht nur über das Grundstück der Weyers bis auf die Straße ranken, sondern vor allem über das DB-Gelände, das zwischen dem Grundstück der Familie Weyers und der Straße Hiegemannsgasse liegt, auf die Straße wachsen und den Autofahrern die Sicht nehmen. Tatsächlich: biegt man in den Rademachersweg ein, der nur über einen Tunnel von der Dahlhauser Straße aus befahren werden kann, ist das Hinweis-Schild „Tempo 30“ kaum noch zu lesen. Kommt einem hier ein anderes Fahrzeug entgegen, wird der eigene Lack wohl den Kürzeren ziehen. „Das interessiert bei der Bahn aber niemanden“, schimpft Horst Trant.
Dabei liegt die Lösung scheinbar so nahe. Dirk Pleger, Anwohner der Hiegemannsgasse, hat der DB bereits vor einiger Zeit ein Kaufangebot für das verschachtelte und verwilderte Grundstück gemacht. „Wir würden alles zurückschneiden und hier Parkplätze einrichten, denn die sind hier ohnehin Mangelware“, so Pleger. Über 4.000 Euro wollte er an DB Immobilien zahlen - „10 Euro pro Quadratmeter für einen Parkplatz? Das muss wohl reichen. Schließlich habe ich auch die ganze Arbeit und muss kontinuierlich für Sauberkeit sorgen.“

Jetzt wird gehandelt...

Nach meinem Ortstermin setze ich mich mit der DB in Verbindung. Mein Anliegen wird schnell bearbeitet und kurzfristig ein Vor-Ort-Termin mit Jörg Orth und Christian Fischer von der DB Netz AG eingerichtet. Darauf, dass die Verwilderung nicht allein auf Überwüchse vom Bahn-Gelände entstanden ist, weisen die DB-Mitarbeiter gleich zu Anfang hin. „Schauen Sie mal hier. Die Brombeeren wachsen hier im Blumenbeet von Herrn Weyers“, merkt Christian Fischer schon im Hof an. Hans-Georg Weyers entgegnet darauf, dass er aber nie Brombeeren gepflanzt habe und die­se sich schließlich auch wild aussäen, wenn sie jahrelang vom Bahndamm herunterranken.“ Den Hinweis, dass er selbst mehr für Ordnung auf seinem Grundstück sorgen müsse, lässt der Rentner unkommentiert. Schließlich hat man schon mehrfach im Vorfeld erklärt, dass man einen Gärtner beauftragt hat, den aber auf Dauer nicht bezahlen könne, wenn immer wieder die Überwüchse vom DB-Gelände von diesem bearbeitet werden müssten. „Wir bezahlen doch kein Geld für Aufgaben, die die Deutsche Bahn zu erfüllen hat“, hatte Agnes Weyers schon bei unserem ersten Treffen formuliert. 2007 hatte die DB hier zum letzten Mal Hand angelegt und einen rigorosen Rückschnitt vorgenommen. Kann man das nicht automatisch alle ein bis zwei Jahre durchführen, bevor man es immer wieder mit solchen „grünen Oasen“ zu tun hat? „Leider nein“, bedauert Jörg Orth. „Ich habe das schon oft bemängelt, denn es wäre für alle einfacher, wenn wir feste Termine hätten, an denen wir uns regelmäßig um solche Ecken kümmern könnten. Wir sind da einfach auf die Mithilfe der Grundstücksbesitzer angewiesen, dass man uns rechtzeitig informiert, wenn sich das Grün langsam wieder nähert.“
Das haben die Weyers versucht - zwei Jahre aber auf DB-Granit gebissen. Dass einiges falsch gelaufen ist, sieht schließlich auch vor Ort das DB-Duo ein und macht dem Ehepaar ein Angebot: Jörg Orth lässt sein Team bis zum 29. Oktober anrücken und nicht nur einen Rückschnitt auf dem DB-Gelände durchführen, sondern auch die Ranken auf dem Grundstück der Weyers entfernen. „Wir machen hier einmal alles gründlich sauber und ziehen einen dicken Strich unter die Angelegenheit“, bietet er Hans-Georg Weyers an. Dieser stimmt, noch leicht skeptisch, zu und reicht Orth die Hand.
In Zukunft soll es hier am Rademachersweg zwischen den Weyers und der DB friedvoll zugehen. Dass er sich rechtzeitig bei Jörg Orth melden wird, hat Hans-Georg Weyers gleich mit versprochen: „Da bleibe ich natürlich hartnäckig!“

Das Ehepaar Weyers zeigt, wo einst der Zugang zu ihrem Grundstück war. Foto: maschu
Es grünt so grün vom DB-Grundstück: Selbst die Straßenschilder sind am Rademachersweg kaum noch zu sehen. Foto: maschu
Autor:

Mareike Schulz aus Essen-Steele

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