Hilfe für heimische Wildtiere
Igel und Eichhörnchen in Not

Der kleine Pettersson leidet unter neuralgischen Schäden. Aber durch das unermüdliche Engagement von Christiane Kaspers würde das Hörnchen auf ein selbstständiges Leben in der Natur vorbereitet.
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  • Der kleine Pettersson leidet unter neuralgischen Schäden. Aber durch das unermüdliche Engagement von Christiane Kaspers würde das Hörnchen auf ein selbstständiges Leben in der Natur vorbereitet.
  • Foto: Georg Lukas
  • hochgeladen von Nina van Bevern

Mit Liebe und Know-how: Familie Kasper aus Freisenbruch hilft heimischen Wildtieren Es gibt Menschen, die haben ein großes Herz für Tiere. Und es gibt Menschen wie Christiane und Thomas Kasper, deren Tierliebe bestimmt das ganze Leben. Als Tierschützer leisten sie im Rahmen ihres eingetragenen und gemeinnützigen Vereins "Tierschutz-Werkstatt" einen wertvollen Beitrag zum Erhalt unserer heimischen Wildtiere, denn das Ehepaar aus Freisenbruch hat sich Hilfe und Pflege von Igeln und Eichhörnchen auf die Fahne geschrieben. Dafür haben sie vom Veterinäramt die offizielle Befugnis.

Liebevoll greift Christiane Kasper in die große, durchsichtige Kiste. "Das ist Thea", sagt die Tierschützerin und nimmt den jungen Igel routiniert auf den Arm "Thea hat eine Lungenentzündung." Ja, so etwas kommt auch bei Igeln vor und ist gar nicht so selten, wie sich im Gespräch mit der Expertin herausstellt.

Glück im Unglück

Das kleine Lebewesen hatte Glück im Unglück, als es zu Beginn des Jahres am Baldeneysee von Spaziergängern gefunden wurde und dann in die Obhut von Christiane und Thomas Kasper kam. Viel zu leicht, um in den Winterschlaf fallen zu können, irrte das Jungtier herum und wurde krank.
"Bei uns bekommt sie täglich Inhalationen und Medikamente, damit es ihr hoffentlich schnell besser geht", erzählt die engagierte Tierschützerin. Und dann? "Dann kommt Thea wie alle anderen Tiere, die wir zu Hause intensiv pflegen müssen, in unsere Wildtierstation am Rande eines Naturschutzgebietes. Dort werden sie so lange versorgt und medizinisch betreut, bis sie wieder in die Natur entlassen werden können. Das geschieht meistens am Ende des Frühjahrs."
Jeder vierbeinige Patient hat eine eigene Karteikarte, auf dem unter anderem Gewicht und die verordneten Medikamente verzeichnet sind. Die Kaspers arbeiten eng mit einer Tierarztpraxis zusammen und werden regelmäßig vom Veterinäramt überprüft.

Tierische Notfälle

Neben Thea wurden beim "Besuch der Presse" noch zwei weitere Igel im Haus der Familie gepflegt. Darunter auch ein Fall, der Christiane Kasper besonders ans Herz gewachsen ist: Barnie kam schon im vergangenen Oktober zu den Tierfreunden. "Er hatte das ganze Gesicht und die Seite voller Milbenbefall. Das wurde damals leider von einem unwissenden Tierarzt falsch behandelt, bevor er schließlich zu uns kam." Dem kleinen Barnie sind alle Stacheln ausgefallen und es bedarf vieler Monate der aufopfernden Hilfe aller Familienmitglieder (die Tierliebe wurde auch auf beide Töchter vererbt), dass der Igel heute wieder ein normales Leben führen kann. Auch er wartet in der Wildtierstation auf seine baldige Entlassung.
Verlorene Stachel und eine entzündete Lunge sind aber nichts im Vergleich zu dem, was die Kaspers sehen müssen, wenn wieder ein Mähroboter-Opfer zu ihnen gebracht wird.

Ein dringender Apell an alle Gartenbesitzer

Christiane Kasper: "Es ist so furchtbar. Den Tieren fehlt teilweise das halbe Gesicht oder sie sind durch die Sensen der Hälfte nach aufgeschnitten. Manche Wunden entzünden sich so stark und beginnen stinkend zu eitern, dass auch ich an meine Grenzen komme."
Daher hier an dieser Stelle noch einmal der dringende Apell an alle Gartenbesitzer: Den Mähroboter bitte niemals nachts oder unkontrolliert laufen lassen! Die Igel haben keine Chance zu entkommen, da sie sich bei Gefahr einrollen und dann regelrecht von den messerscharfen Klingen in Stücke zerfetzt werden.

Eigene Wildtierstation

Neben Igeln kümmern sich die Kaspers um Eichhörnchen in Not. Waisenkinder werden in der Wildtierstation auf ein selbstständiges Leben vorbereitet. Und das bedarf manchmal ausgesprochen viel Engagement und Mühe, wie der Fall von Petterson beweist: Das kleine Hörnchen war nur wenige Tage alt, als es zu den Kaspers kam. "Schnell war aber klar, dass mit ihm etwas nicht stimmte. Petterson hat neuralgische Schäden. Sein Kopf wackelte so stark hin und her, dass er kaum laufen und nicht alleine fressen konnte." Eine echte Herausforderung für Christiane Kasper: "Das hat mich natürlich besonders gefordert. Ich war überzeugt davon, dass es Petterson mit der richtigen Unterstützung irgendwann besser gehen würde, und so war es dann ja auch." Christiane Kaspers hatte nichts unversucht gelassen. Dem kleinen Hörnchen zum Beispiel immer wieder die Pfoten massiert oder es vorsichtig über wackelige Brücken laufen lassen. Mittlerweile geht es dem Tier so gut, dass es ebenfalls bald wieder ausgewildert werden kann.

Geschichten, die Kraft geben

Es sind die genau solche Geschichten wie die von Barnie und Petterson, die den Kaspers Kraft geben. Obwohl ihre passionierte Arbeit ein finanzieller Drahtseilakt für die Familie ist. Denn Unterstützung seitens Bund oder Land gibt es nicht. Der kleine Verein zählt gerade einmal 15 Mitglieder, ist auf Sach- und Geldspenden angewiesen. Über den Verkauf von Näharbeiten (über die Facebookseite des Vereins) wie zum Beispiel den Hundekringeln zum Reinkuscheln als Körbchen versuchen die Kaspers etwas zusätzliches Geld in die Kasse zu spülen. Daher stammt übrigens auch der vielleicht etwas ungewöhnlich anmutende Name "Tierschutz-Werkstatt", der sich auf die Handarbeiten bezieht.
Ein toller Weg, die Arbeit der Kaspers zu unterstützen, ist eine Tierpatenschaft. Für zehn Euro im Monat kann man kann man Pate eines Hörnchens oder eines Igels werden.

Die gemeinnützige Arbeit des Vereins "Tierschutz-Werkstatt" wird maßgeblich durch Spenden finanziert: Tierpatenschaften für Igel und Eichhörnchen können für 10 Euro im Monat übernommen werden; Spendenkonto bei der Sparkasse Essen: IBAN: DE02 3605 0105 0001 2160 43, BIC: SPESDE3EXXX; Auch Sachspenden wie Futter, Einstreu und Äste von heimischen Obstbäumen sind willkommen; Kontakt gibt es per Mail unter hilfe@tierschutz-werkstatt.de, alle weiteren Infos stehen auf der Homepage des Vereins unter www.tierschutz-werkstatt.de. 

Autor:

Nina van Bevern aus Essen-Werden

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