Das Team von Aqua-Tinta - Heute stellt sich Jannine Koch vor

Auch die Werke von Jannine Koch hängen in der Radierwerkstatt.
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In der Reihe über Künstler aus dem Essener Westen geht es nun mit Jannine Koch weiter. Sie ist seit 2014 Mitglied der Radierwerkstatt Aqua-Tinta aus Frohnhausen und bereichert diese nicht nur durch ihre Herkunft.

Jannine Koch stammt aus dem Osten Deutschlands. 1981 in Cottbus geboren, studierte sie von 2003 bis 2009 an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, kurz HGB. Nach dem Diplom folgte der Meisterschüler, eine zweijähriges Aufbaustudium, das sie 2012 erfolgreich abschloss. Seitdem lebt, arbeitet und wirkt sie im Westen Deutschlands. In ihrem neuen Wohnort Gelsenkirchen lernte sie 2013 schließlich nicht nur Nancy E. Watt, ein ehemaliges Mitglied der Radierwerkstatt kennen, sondern kam über die VHS auch in Kontakt mit Peter Drolshagen, der heute zu einem ihrer fünf weiteren Kollegen von Aqua-Tinta gehört.
„Ich bin voll der konservative Typ, was die Radiertechnik angeht“, erklärt Koch, wodurch sie sich von einigen anderen Mitgliedern unterscheidet. Experimente mit unterschiedlichen Materialien oder dem Hochdruck macht sie eher selten, vielmehr schätzt sie die ursprünglichen Materialien und Vorgehensweisen. So arbeitet sie üblicherweise mit einer Zinkplatte, welche zunächst mit Ätzgrund bestrichen wird. Feine Linien werden dann mit einer Radiernadel eingeritzt und ins Säurebad gelegt. Die Säure frisst sich an den bezeichneten Stellen in die Tiefe und sorgt dafür, dass das Motiv in der Platte verankert ist. Flächige Darstellungen werden durch die Verwendung von Aquatinta erzeugt, hierbei ist die Ätzdauer entscheidend für die spätere Ausprägung. „Auch wenn man Vieles technisch genau steuern kann, passieren immer wieder Zufälle, bei denen etwas ganz Tolles und Überraschendes entsteht. Genau das macht den Reiz für mich aus“, erklärt die Künstlerin. „Ich finde es aber auch unglaublich, dass die Radiertechnik aus dem 15. Jahrhundert stammt und bis heute überdauert hat. Das ist doch wahnsinnig faszinierend.“ Angetrieben wird sie von der Überlegung, wie sie durch das historische Handwerk Inhalte, die heute gesellschaftlich relevant sind, kommunizieren und vermitteln kann. „Ich möchte nicht noch mehr Medien nutzen, sondern das gebrauchen, was es bereits gibt. Als Ausgangsmaterial ihrer Radierungen dienen der Künstlerin alte Stadtpläne und Karten, welche sie neu interpretiert. Laut eigener Aussage sollen ihre Werke dazu einladen, den Kopf anzustrengen. Durch ihre Farbwahl und den versierten Umgang mit Formen beeinflusst Koch die Wahrnehmung des Betrachters und erzeugt Emotionen, Irritationen und Resonanz.
„Neben der Auseinandersetzung mit Radierung beschäftige ich mich aber auch intensiv mit Malerei. Hier ist mir ebenso wichtig, dass dieses klassische Medium einen Bezug zum Heute herzustellen vermag und Form und Inhalt zusammenpassen“, gibt Koch preis. Zur Kunst kam sie übrigens erst als Jugendliche, im Alter von 15 Jahren. Als Austauschschülerin war sie für ein Jahr auf Island und suchte nach einer Möglichkeit, ihre Eindrücke festzuhalten, was in der Landessprache Isländisch zunächst nicht möglich war. „Damals habe ich erkannt, dass es mir ein inneres Bedürfnis ist mich auszudrücken.“ Diese Erkenntnis wurde nach ihrem Studium und vor allem durch die Geburt ihres Sohnes und den Umzug nach NRW noch einmal auf eine harte Probe gestellt. Nach Anfangsschwierigkeiten erkannte die Künstlerin darin jedoch Herausforderung und Chance zugleich. „Niemand kannte mich hier. Das war eine Möglichkeit, Altes hinter mir zu lassen und das Bild, welches Andere von mir gewonnen hatten, neu zu gestalten“, erzählt Koch, „Aber es war auch sehr hart und manchmal sehr einsam. Nochmal brauche ich das nicht.“ Als junge Mutter ist die Etablierung als Künstlerin eine große Herausforderung, denn die zeitliche Flexibilität fehlt. Laut Koch führte das dazu, dass sie heute sehr diszipliniert und effizient mit ihrer Zeit umgeht und sich die Zeiten für die künstlerische Weiterentwicklung bewusst schafft. In der Vergangenheit konnte Koch dies wesentlich durch die Teilnahme an Stipendien gewährleisten. „Einmal im Jahr versuche ich, einen solchen Arbeitsaufenthalt finanziert zu bekommen. Da schaffe ich extrem viel in kurzer Zeit“, erläutert sie. Die Stipendien sind in der Regel mit einem Aufenthalt vor Ort verbunden, sodass es nur wenig Ablenkung gibt. „Es ist außerdem wichtig für den künstlerischen Lebenslauf, Stipendien zu erhalten und wahrzunehmen“, erklärt Koch.
Derzeit verbringt sie jedoch viel Zeit in der Werkstatt, denn der Kalender wird bald veröffentlicht. „Außerdem steht die Kunstspur vor der Tür und auch daran wirken wir mit“, macht Koch Werbung für das Angebot von Aqua –Tinta. Die Kunstspur im Essener Westen findet am kommenden Wochenende statt.

Auch die Werke von Jannine Koch hängen in der Radierwerkstatt.
Für Ausstellungen trifft die Künstlerin eine Auswahl ihrer Werke.
Autor:

Meike Coenders aus Essen-West

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