Ein gewundener Weg führte Schihmus Schadi nach Essen
Der Philosoph hinter dem Kioskfenster

Kein Wunder, dass der Inhaber strahlt: "Der Laden läuft gut!"
2Bilder
  • Kein Wunder, dass der Inhaber strahlt: "Der Laden läuft gut!"
  • Foto: Meike Coenders
  • hochgeladen von Meike Coenders

Welche Geschichten stecken hinter unseren Kiosken im Essener Westen? Dieser Frage widmen wir uns in einigen Beiträgen. Heute geht es um eine Bude an der Altendorfer Straße. Unsere Geschichte liefert der Inhaber, Schihmus Schadi.

Es ist seine Geschichte. In Syrien geboren, kam der 35-Jährige vor vier Jahren nach Deutschland. Mit ihm reisten seine Eltern, sein Bruder und seine Schwester nach Deutschland und fanden in Essen ein neues Zuhause. “In Syrien war alles schlecht”, erzählt Schadi. Es habe keine Arbeit gegeben und die politische Situation sei ja bekannt, so der gelernte Maler. In Syrien hat er nach seiner Ausbildung studiert und einen Abschluss in Elektrotechnik und Philosophie. Doch die Anerkennung seiner akademischen Titel sowie der Ausbildung in Deutschland sei aufwändig: ”Ich wollte aber schnell arbeiten und eigenes Geld verdienen. Daher habe ich den Kiosk übernommen. Deutschland hat mich unterstützt, nun muss und will ich etwas beitragen.”
Immer wieder betont Schadi, wie wichtig es ihm sei, nicht mehr auf staatliche Leistungen angewiesen zu sein: “Ich bin ehrlich - mein Laden läuft gut, ich bin zufrieden.” Übernommen hat er ihn vor mehr als einem Jahr, Anfang 2018.
Doch die Sprache sei schwierig. In den ersten Monaten in Deutschland habe er an Sprachkursen teilgenommen. In den Kursen hätten jedoch viele Menschen gesessen und es sei oft schwierig gewesen, dem Unterricht zu folgen, da alle durcheinander sprachen. Nach einigen Monaten beendete der Syrer daher den Unterricht.
Heute lernt der junge Mann die Sprache hinter seinem Kioskfenster. Gleich neben sich liegen ein Deutschbuch und seitenweise Notizen. Das Gelernte versucht Schadi direkt umzusetzen, indem er mit seinen Kunden spricht: “Ich liebe Deutschlernen. Aber nicht alle hier sprechen die Sprache.” Tatsächlich ist der Kundenstamm international, so wie der Stadtteil. Viele Menschen kommen schon seit Jahren an den Kiosk, den es schon lange gibt und der bis heute “Trinkhalle” als Überschrift hat. Diesen Titel trägt er wohl nicht umsonst, denn die Antwort auf die Frage, was er am häufigsten verkaufe, leitet sich unmittelbar davon ab.
Schihmus Schadi ist merklich stolz auf sein kleines Geschäft und froh, dass er sich in Deutschland eine Existenz aufbauen konnte. Doch Zeit, diese Freude zu genießen hat er kaum, denn fast minütlich stehen Kunden vor dem kleinen Fenster, an dem man den Besitzer mit einer kleinen Klingel rufen kann, falls er sich im Hinterzimmer befindet. Wenn es stressig wird im Geschäft oder Schihmus Schadi selbst Termine hat, unterstützt ihn seine Familie: “Mein Bruder springt manchmal ein. Aber eigentlich hat er einen eigenen Job und muss sich um seine Familie kümmern.”

Kein Wunder, dass der Inhaber strahlt: "Der Laden läuft gut!"
Schadis Laden gehört seit Jahren zum Stadtteil.
Autor:

Meike Coenders aus Essen-Süd

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.