Essener Domsingknaben rüsten sich zum Fest

Auch die Essener Domsingknaben freuen sich Jahr für Jahr in ganz besonderer Weise auf die Feiertage.
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  • Foto: Achim Pohl
  • hochgeladen von Petra de Lanck

"Bei der Mozartmesse am ersten Weihnachtsfeiertag herrscht fast schon Popkonzertatmosphäre", schwärmt Harald Martini von den Auftritten mit seinen Domsängern. Die Advents- und Weihnachtszeit ist für die insgesamt 120 Jungen im Alter von acht bis 25 Jahren nach wie vor etwas ganz Besonderes: "In dieser Zeit wird bei uns doppelt so oft geprobt", erklärt der Leiter der Essener Domsingknaben. Als Ausnahmetalente sind derzeit sogar zwei Sechsjährige mit an Bord.

Dass die Begeisterung für Musik und die Gemeinschaft lange nachwirkt, beweist die Vita des Chorleiters, der gebürtiger Essener ist. 1983 im Alter von acht Jahren hat Martini selbst als Domsingknabe bei seinem Amtsvorgänger Georg Sump seine musikalische Ausbildung begonnen. Nach dem Abitur studierte er dann Gesang an der Folkwang Hochschule Essen, heute Folkwang Uni, und der Universität der Künste in Graz.
Im Jahre 2015 arbeitete er gerade beim WDR, als er vom Bistum Essen gebeten wurde, nach dem Ausscheiden von Georg Sump aus dem Amt bei der Suche nach einem neuen Leiter für die Domsingknaben behilflich zu sein, zumal Martini ohnehin schon als Stimmbildner dort tätig war. Als sich schließlich niemand für das Amt fand, sprang er zunächst interimsmäßig für fünf Monate ein - und blieb. "Und das werde ich wohl auch bis zur Rente", lacht der heute 42-Jährige.
In Kray aufgewachsen weiß Martini, wie das Ruhrgebiet "tickt" und freut sich, mit Kindern völlig unterschiedlicher Herkunft arbeiten zu können. 2015 haben wir eine Initiative gestartet und sind auf der Suche nach Nachwuchs durch die Essener Grundschulen gegangen", erinnert sich der Chorleiter. Auf diese Weise fanden sich 19 neue Vorschüler für den Domchor, 2017 konnten sogar 28 "Neue" aufgenommen werden.
Dabei sind längst nicht alle Domsingknaben katholisch - "es ist sogar ein muslimisches Kind dabei", berichtet Harald Martini. Die Freude an der Gemeinschaft und dem gemeinsamen Singen soll im Vordergrund stehen. Ferienfreizeiten stehen im Sommer regelmäßig auf dem Programm, Chorreisen mit Auftritten in anderen Städten und Intensiv-Probenwochenenden, z.B. im Haus Altfrid in Essen-Kettwig.
Natürlich bleibt die Weihnachtszeit für alle etwas ganz Besonderes: "Dann ist es immer ganz besonders wuselig hier bei uns! Es stehen Konzerte mit bekannten Solisten auf dem Programm und der feierliche Einzug in die Kirche - und selbst in der Mappe der Kleinsten befinden sich 24 Werke, die sie schon beherrschen", erklärt Martini.
Generell wird zweimal pro Woche à zwei Stunden geprobt, dies variiert mit Einzel- oder Gesamtproben. Stimmbildungsunterricht inklusive. "Die Kirche übernimmt die gesamte Ausbildung, es entstehen keine Kosten", fügt der Chorleiter hinzu.
Auch in Sachen Hausaufgabenbetreuung soll es künftig Angebote geben, die Domsingschule gleich neben dem Rathaus wird kernsaniert.
"Es ist uns ein Anliegen, den Kindern eine musische und kulturelle Bildung mit auf den Weg zu geben - auch fernab der Kirche", betont Harald Martini.
Dazu gehört auch eine gewisse Disziplin seitens der Kinder: "Urlaub ist zum Beispiel erst ab dem ersten Weihnachtstag, 12 Uhr, möglich", lacht er. Und davor heißt es proben, proben, proben - und die Weihnachtsauftritte meistern. "Das ist schon ein wenig Leistungssport im Kulturbereich. Wir wollen ja auch schon gern in der Bundesliga der Knabenchöre mitspielen..."
So viele gemeinsame Aktivitäten oft über Jahre hinweg schweißen zusammen: Nicht selten enstehen Freundschaften, die ein Leben lang halten. "Viele Ehemalige treffen sich noch heute regelmäßig", weiß Harald Martini.
Neue Sänger werden ganz feierlich in die Gemeinschaft aufgenommen. "Sie erhalten vom Domprobst eine Plakette mit der goldenen Madonna darauf und müssen versprechen, "pünktlich, ehrfürchtig und sorgfältig ihren Dienst zu verrichten, zum Wohle Gottes und zur Freude der Menschen".

Zur Probe aus der Disco

Dank dem Engagement der Eltern klappt das in jüngeren Jahren auch mit der Pünktlichkeit. Bei den 15 bis 25-jährigen Sängern kann das am Wochenende schon mal zu Problemen führen. "Wir hatten Fälle, die kamen quasi direkt aus der Disco zur Probe am Sonntagvormittag", lacht Martini, "aber sie kamen!"
Wer Martini und seine "ganz normalen Jungs" im Dom in Aktion erleben möchte, der sollte sich den dritten Adventssonntag, 10 Uhr, vormerken. Dann stehen Adventsmotetten auf dem Programm. Und am ersten Feiertag dann die Mozartmesse.

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