Immer gut in Form - Helge im Interview

Der Entertainer ist zurück, nach einem abgebrochenen Konzert und ausgefallenen Terminen aus gesundheitlichen Gründen. Helge Schneider hat es sich auf einer antiquierten Sitzgelegenheit gemütlich gemacht und empfängt uns zum Interview in einem Hotel in seiner Heimatstadt Mülheim, entspannt, fit und auskunftsfreudig. Und schlägt auch ernstere Töne an.

Wenn du mit der zweiten Hälfte deiner „Buxe-voll“-Tournee startest, hast Du wieder jemand Neues dabei. Wie weißt du, ob jemand gut ist?

Helge: Das kristallisiert sich bei den Proben heraus. Und auch bei den Auftritten. Es wäre ganz falsch, wenn ich Weltmeister engagieren würde. Also es ginge auch, aber es ist nicht zwingend notwendig. Zum Beispiel Sergej Gleithmann, mit dem ich schon ganz früh angefangen habe und der zunächst nur Technik gemacht hat, hat sich das Saxophonspielen selbst beigebracht. Und wenn der jetzt ein Solo spielt, dann heißt das nicht, dass er in einer Band spielen könnte. Ich richte mich danach, was er so auf der Bühne daraus macht. Das kann auch richtig fürchterlich sein, aber die Leute sehen einfach, dass er sich total Mühe gibt und das kommt gut an. Und wenn da jetzt einer wäre, der total gewieft spielen würde, wäre dieser Effekt nicht da.

(Anm.d.Red.: Der „Neue“ ist Tyree Glenn Junior und für Helge kein Unbekannter. Die beiden kennen sich schon seit über 30 Jahren).

Also braucht es grenzenloses Vertrauen in deine Leute...

Auch umgekehrt, Vertrauen zu mir, dass ich das so gestalte, dass meine Leute auch ihren Platz bekommen und ihn auch wirklich ausfüllen können und ein Solo in einem Stück gut wirken kann. Und wenn einer nur zwei Töne spielen kann, würde ich das drumherum so konstruieren, dass es gar nicht auffällt, dass der nur zwei Töne spielen kann.

Gibt es Momente, an denen die anderen dich noch überraschen können auf der Bühne?

Das merke ich sofort. Einmal hat die Gruppe einen Rhythmus weitergespielt, der aber nicht zu dem passte, was ich danach machen wollte, und dann habe ich das abgebrochen. Lustig. War aber nicht böse gemeint.

Du machst Musik und bist lustig. Was ist Dein Schwerpunkt? Oder bildet beides eine Einheit für dich?

Ich bin ja auch Musiker und freue mich besonders, wenn die Leute meine Musik mögen. Man kann auch über längere Strecken Musik machen und die so darbieten, dass das Publikum erfreut ist. Man muss nicht immer lachen. Es ist wichtig, dass die Leute merken, dass es befreit ist, was ich tue.

Und dass alles gut zusammenpasst...

Ja, dass alle Spaß haben. Das ist wichtig.

Ein perfekter Abend?

Den gibt es nicht. Irgendwann müssen die Leute ja auch gehen. Wenn es besonders schön war, dann fällt es den Leuten schwer und mir auch. Und dann wird das so zerfahren.

Wie rettest du dich durch den Abend, wenn du vielleicht mal eine schlechte Tagesform hast?

Ich habe nie eine schlechte Tagesform.Wenn ich auf Tournee bin, freue ich mich immer unheimlich, dass ich das Glück habe, dass so viele Leute gekommen sind. Nur doof ist, wenn du merkst, dass du körperlich nicht in der Lage bist, bestimmte Sachen zu machen. Ich tanze viel auf der Bühne, ich springe herum, rede viel, singe und mache Dinge, die motorisch sehr schnell sind. Das sind Dinge,die körperlich sehr anstrengend sind.
Ich hatte in Salzburg gespielt und war nach zwei Stunden erschöpft. Ich habe dann abgebrochen, kurz vor Schluss und musste Konzerte verlegen, weil es mir zu riskant war. Ich wusste nicht, was mit mir los war und habe mich untersuchen lassen. Ich dachte schon, ich hätte was am Herzen oder so. Wenn man 56 ist und andere in dem Alter schon einen Schlaganfall gehabt haben, dann denkt man an so was.

(Das Diktiergerät streikt. Helge hilft. Kaum hält er es in Händen und packt es wieder auf den Tisch, läuft es wie geschmiert.)

Manch einer hält Dich für einen Gott. Atze Schröder zum Beispiel.

Den finde ich auch gut.

Gibt es eigentlich jemanden, zu dem du aufblickst?

Ich blicke auf zu Jacques Tati oder Peter Sellers, Peter Falk, Jerry Lewis oder...

Marcel Marceau?

Ja auch, von dem habe ich zwei Schallplatten.

Wer Helge Schneider sehen will: In unserem Verbreitungsgebiet ist er in folgenden Städten zu sehen:

- Dienstag, 30. und Mittwoch, 31. August: Bochum, Zeltfestival Ruhr
- Freitag, 2. September, Dinslaken, Freilichtbühne
- Mittwoch, 21. und Donnerstag, 22. September, Düsseldorf, Tonhalle
- Sonntag, 25. September, Duisburg , Mercatorhalle
- Sonntag, 2. Oktober, Essen, Grugahalle

Karten gibt es an den bekannten Vorverkaufsstellen.

Autor:

Michael Hoch aus Düsseldorf

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