Bühnenbildner Aurel Lenfert setzt auf Opulenz bei Oscar Wildes "Bunbury"
Schauspiel Essen: "In Pandemiezeiten muss es groß sein"

Opulent zeigt sich zum Schluss der Komödie vor allem auch das Bühnenbild von Aurel Lenfert. Überdimensional große Blumen wachsen empor.
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  • Opulent zeigt sich zum Schluss der Komödie vor allem auch das Bühnenbild von Aurel Lenfert. Überdimensional große Blumen wachsen empor.
  • Foto: Birgit Hupfeld
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Die Premiere von Oscar Wildes "Bunbury" im Grillo-Theater muss bis auf Weiteres verschoben werden. Die aktuellen Inzidenzwerte lassen nicht unbedingt den Glauben an baldige Premieren im Theaterbetrieb zu. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Und so bleibt auch Bühnen- und Kostümbildner Aurel Lenfert optimistisch und freut sich, "wenn es irgendwann weitergeht und alle geimpft sind". Bis dahin verbleibt sein Bühnenentwurf für Oscar Wildes "Bunbury - Ernst ist das Leben" in den Werkstätten des Grillo-Theaters.

Dort stehen sie und warten auf ihren Einsatz: das englische Sofa, Sinnbild der Stadt, und die überdimensional großen Blumen, die Lenfert für das große Finale hat bauen lassen. "Am Schluss der Komödie von Oscar Wilde steht dann die Hochzeit, die große Liebe - gerade in Pandemiezeiten sollte man es groß machen", verrät der in Recklinghausen geborene Bühnenbildner, der nach einer Tischlerlehre in Köln Bühnenbild an der Kunstakademie Düsseldorf studiert hat. Seit 2004 ist er freischaffend tätig und arbeitete unter anderem am Wiener Burgtheater, dem Thalia Theater Hamburg und für Produktionen der Bregenzer- und Salzburger Festspiele.

Deutsche Fassung von Elfriede Jelinek

In der Komödie Bunbury, die 1895 uraufgeführt wurde, rechnet Oscar Wilde komisch aber auch bitterböse mit Heuchelei und charakterlicher Oberflächlichkeit ab. Die Hauptfiguren im Stück, Jack und Algernon, denken sich jeweils eine fiktive Person aus, um ihre Eskapaden geheim zu halten. Algernon erfindet einen Freund namens Bunbury, um dem Stadttrubel entfliehen und aufs Land fahren zu können, Jack einen Bruder namens Ernst, um vom Land in die Stadt reisen zu können.
Oscar Wildes Stück - in der deutschen Fassung von Elfriede Jelinek - setzt sich mit den für das viktorianische Zeitalter typischen strengen Moralstandards auseinander: Geld, Äußeres und Abstammung sind wichtig - und eine große Portion Dekadenz. "Bunbury" wird zum Synonym für ein Doppelleben, das geführt wird. Das Finale enttarnt schließlich alle Lügner und birgt zudem Überraschungen.
"Wildes Komödie steckt voller Wortwitz, die Sprache ist messerscharf", betont Aurel Lenfert. Das Stück beginnt mit einer sparsam ausgestatteten Bühne, die sich langsam füllt. Am Schluss stehen und singen die Darsteller schließlich vor einem opulenten überdimensionierten Blumenmeer.
"Wir brauchen Liebe in diesen komischen Zeiten", ist Aurel Lenfert überzeugt. Und natürlich brauchen die Menschen auch Theater. Doch zunächst heißt es: bis auf Weiteres verschoben. "Nicht nur Bunbury hat es getroffen, generell mussten viele Stücke gleich ins nächste Jahr gelegt werden oder sind generell ganz weggefallen." Lenfert vermisst die Arbeit vor Ort:
"Ich war sehr gerne in Essen, so ein großes Bühnenbild in dieser Zeit zu bauen, das war schon eine Leistung. Mein Kompliment an die Werkstätten in Essen." Seit fünf Monaten ist er nun bereits zuhause und seine Sehnsucht nach Theater ist groß: "Grundsätzlich halte ich Theater für sehr sichere Orte, doch es ist schwierig, in dieser Zeit die richtigen Maßnahmen zu treffen, denke ich." Auf Biegen und Brechen den Betrieb offen zu halten, sei sicher nicht der richtige Weg. "Grundsätzlich bin ich aber optimistisch", schließt er. Zum Glück können Theaterblumen nicht welken.

Autor:

Petra de Lanck aus Essen-Süd

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