Seltene Kunst Theaterplakat

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Plakate müssen Aufsehen erregend sein, Plakate für Kultur müssen umso mehr werben, um Interessenten anzulocken. Plakate für Theater dürfen keinesfalls Leute mit optischen Mitteln auf die subventionierten Plätze locken, die dann am Abend nicht eingelöst werden.
An führenden Bühnen Deutschlands und darüber hinaus arbeitet seit langem einer, der aus einem einfachen Grunde für ästhetische Einheit von Theaterabend und Plakat steht: Der renommierte Ex-DDR-Hauptstadt-Bühnenbildner und szenische Partner von Regiegrößen wie Alexander Lang und Thomas Langhoff namens Volker Pfüller macht seine berühmten Theaterplakate stets selbst – Essens Plakatmuseum hat sie seit den Siebzigern gesammelt.
Das Plakatmuseum wurde rettend ins neue Folkwang übernommen und dort werden nun – (leider) im Verbund mit anderen Plakatmachern und daher nur 55 Pfüller-Originale – wahre Plakat-Prachtexemplare in den unglaublichen Pfüller-Farben bis zum 26. Juni ausgestellt. Ein Besuch lohnt sich für jeden Theater- und/oder Plakat-Fan und solche, die es werden wollen. Meister-Bühnenbildner Pfüller ist der Erfinder seines eigenen unverwechselbaren Stils, ist aber als Bühnenbildner /Ausstatter auch immer dramaturgischer Regie-Partner und zumindest Mit- wenn nicht gar Entwickler der jeweiligen Inszenierungs-Ästhetik. Bei der meist seine Formgewalt optisch soviel vorgibt, dass es Regie wie Schauspieler zu Höchstleistungen herausfordert. Schon vor der Premiere werben seine Plakat-Originale vorprägend im Stil der kommenden Inszenierung für den Theaterbesuch und daher selten enttäuschend.

Von Plakatsäulen weggeklaut

Pfüllers Plakate wurden nicht nur in Berlin wie München sondern auch beim Florentiner Opern-Festival von der Litfass-Säule weggeklaut – so begehrt sind diese Originale. Grund: Der Meister (Pfüller war Universitäts- und Akademie-Lehrer) ist ein Kenner und Vermittler vergangener Plakat-Techniken, entwickelte aus den früheren Steindrucken in Einzelfarben zusammen mit Könner-Lithografen eigene Verfahren auf das moderne Offset übertragen, die ihm Formgebung als Litho-Bearbeitung und -Übermalung fast noch im Druckprozess selbst ermöglichte. Und Nachdruck wie Kopieren fast verunmöglichte, jede Klein-Auflage kostbar und einmalig. Daher fand Pfüller – auch ein gesuchter Buch-Illustrator – vor allem im eigentlich Unverwechselbaren seiner Formsprache Nachahmer und gar einen dreisten Kopisten, aber auch ehrlich-bewundernde Schüler. Druckmethoden, die aus Kostengründen heute leider bei immer weniger Theatern möglich bleiben.
Pfüller zitiert gekonnt im eigenen Stil u.a. das sogenannte Star-Plakat der zehner- und zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts, druckte gar im Format 28 mal 81 enorm wirksame schmale Streifen, die an Boxer-Werbung im Sportpalast erinnern. Kann er sich auf den Bekanntheitsgrad der Hauptdarsteller wie beim Deutschen Theater Berlin verlassen, prägt oft das karikierte Porträt des oder der Protagonisten das Theaterplakat-Motiv, oft mit den „gepfüllerten“ ornamentalen Polystyrol-Landschafts-Felsen des Bühnenbildners im Hintergrund.

Schauspieler im Mittelpunkt

Volker Pfüllers Theaterplakate im Essener Folkwang-Museum sind eine Sehenswürdigkeit und selten zu erleben. Sie sind unter Glas, werden bewacht und können nicht mehr abgerissen werden…. Weil von den geringen Auflagen aus drei Jahrzehnten nur wenige Exemplare überlebt haben, kann man im Folkwang-Museum nur einige Nachdrucke oder den Katalog erwerben. Theatergeschichte pur zu Lebzeiten, mitten in der Schaffenszeit – als Bühnenbildner, Plakatgestalter und Illustrator. Weitere Infos: Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen, Tel.
0 201- 8845 444. (www.museum-folkwang.de)

(Erschienen im Niederrhein Anzeiger Kw 16/11 cd)

Autor:

Caro Dai aus Essen-Werden

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