In 20 Jahren keine Besserung: Feldlerche wird erneut Vogel des Jahres

Angesichts intensiver Landwirtschaft, hilft der Feldlerche auch ihre gute Tarnfarbe nicht mehr. Wer das Glück hat, sie aus der Nähe zu sehen, erkennt sie gut an der kleinen Federhaube.
  • Angesichts intensiver Landwirtschaft, hilft der Feldlerche auch ihre gute Tarnfarbe nicht mehr. Wer das Glück hat, sie aus der Nähe zu sehen, erkennt sie gut an der kleinen Federhaube.
  • Foto: Nabu/Peter Lindel
  • hochgeladen von Sabine Pfeffer

Ein Vogel, der es in Essen und Mülheim in diesem Jahr zur Berühmtheit gebracht hat, wird Vogel des Jahres 2019: die Feldlerche. Aber ihr Sieg im Kampf mit Ed Sheeran ist nicht der Grund für ihre Nominierung.

Die erfolgte bundesweit durch den Naturschutzbund (Nabu) sowie seinen bayerischen Partner LBV, Landesbund für Vogelschutz. Die Organisationen ernennen seit Jahrzehnten eine Vogelart zum Jahresvogel, um auf den zumeist bedrohten Status hinzuweisen. Die Feldlerche (Alauda arvensis) wurde schon 1998 gekürt, was auch zeigt, dass sich ihre Lebensbedingungen in 20 Jahren nicht gebessert haben. Im Gegenteil.
Deshalb kombinieren die Verbände die Wahl mit der Forderung nach einer grundlegenden Änderung der Agrarpolitik, denn die Feldlerche ist ein sogenannter Agrarvogel. Kultiviert der Mensch Felder und Wiesen, kommt ihr das im Prinzip gerade recht, es bietet ihr offene Flächen zum Brüten und Insekten als Nahrung. Daher war sie auch ein Allerweltsvogel, aber das ist sie nicht mehr. Die heutige intensiv betriebene Landwirtschaft macht der Feldlerche das (Über-)Leben schwer.

Bekannt wurde ihr Revier am Flughafen Essen/Mülheim

Wer den berühmten Gesang der Lerche hören möchte, fährt zur Brutzeit im Frühjahr zum Gelände des Essen/Mülheimer Flughafens. Dort erklingt sogar über den Autoverkehr hinweg das Trillern der Männchen: im Steigflug aus einer Höhe von 50 bis 200 Metern. Mit Glück entdeckt man den dunklen Punkt am Himmel, der diese enorme Kraftanstrengung aufbringt.
Zwar bilanziert der Dachverband Deutscher Avifaunisten immer noch bis zu zwei Millionen Reviere in Deutschland. Diese Zahl befindet sich jedoch im Sinkflug. Allein von 1990 bis 2015 gab es einen Bestandsrückgang um 38 Prozent. Und so ist auch das Flughafengelände Essen/Mülheim eines der wenigen Reviere weit und breit, weshalb sich der hiesige Nabu Ruhr und andere Umweltschützer so vehement gegen Ed Sheerans Konzert mit 80.000 Besuchern eben dort aussprachen.

Abstimmung für neue EU-Agrarpolitik

Da die heutige Agrarlandschaft auch anderen Feldvögeln das Leben schwer macht, verbinden Nabu und LBV die Jahresvogel-Wahl mit einer Kampagne. "Derzeit fließen jährlich 58 Milliarden Euro Agrarsubventionen überwiegend als pauschale Flächenprämien an Landwirte. Das sind 114 Euro pro EU-Bürger. Diese Gelder müssen statt in Massenproduktion gezielt für eine naturverträgliche Landwirtschaft investiert werden", fordern sie und rufen zur Mitmach-Aktion „Meine 114 Euro“ auf. Bürger sollen ihre Wünsche an eine Agrarreform den EU-Parlamentariern aus ihrem Wahlkreis übermitteln. Wer das tun möchte, findet ein Formular auf https://mitmachen.nabu.de/meine114euro

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