Das Thema „Frauen in Führung“ ist und bleibt ein Dauerbrenner.
Flieg doch zum Mond, wenn du das möchtest! Weibliche Führungskräfte diskutieren über den Weg nach oben.

27.09.2021 - Flieg doch zum Mond, wenn du das möchtest!
Weibliche Führungskräfte diskutieren über den Weg nach oben.
Das Thema „Frauen in Führung“ ist und bleibt ein Dauerbrenner.

Nach wir vor sind zu wenige Frauen in den Chefsesseln. In der Online-Podiumsdiskussion „Mit Vollgas nach oben. Oder: Wie bringen wir mehr Frauen in die Chefetagen?“ haben weibliche Führungskräfte über Hindernisse, Herausforderungen und Höhenflüge auf dem Weg in die Führungsetage gesprochen.Das Kompetenzzentrum Frau & Beruf hatte gemeinsam mit dem BPW Essen e. V. zur Podiumsdiskussion eingeladen. Silke Grüner, 1. Vorsitzende des BPW Essen e.V., stellte ihr Netzwerk zu Beginn vor. Alle Podiumsfrauen waren Mitglieder des BPW Essen e.V.

Kaum ein Thema landet so regelmäßig und beständig auf der Agenda, wie „Frauen in Führung“. Kein Wunder, denn das Thema hat nicht nur vielfältige Facetten, sondern wird seit jeher kontrovers und leidenschaftlich diskutiert. Dabei sind die Zahlen eindeutig: Frauen sind in den Führungsetagen in der Minderheit. Der Aufstieg in höhere Gefilde kratzt an hartnäckigen Rollenklischees.

Viele Frauen sind noch in Familien groß geworden, in denen die Väter stolz verkündeten, dass ihre Frau es nicht nötig hat zu arbeiten. Daran erinnert sich beispielsweise Simone Herzmanatus von Koch Immobilien und Schatzmeisterin beim BPW Essen e. V.: „Wenn ich auf meine Eltern gehört hätte, wäre ich bis zur Heirat irgendwo als kaufmännische Angestellte in der Verwaltung gelandet. Gott sei Dank ist das Spektrum für Frauen viel, viel größer geworden. Mir hätte damals nie jemand vorgeschlagen: ‚Flieg doch zum Mond‘. Heute werden Töchter von ihren Eltern ganz anders ermutigt, sich etwas zuzutrauen.“

So unterschiedlich die Lebensgeschichten der Podiumsfrauen auch sind, alle brauchten eine gute Portion Mut, Trotz und Unzufriedenheit mit dem eigenen Status Quo, um ihren Weg in die Führungsetagen zu gehen. Vor allem haben sie aber die Gelegenheiten genutzt, die ihnen der Zufall bot. Und noch eine Fähigkeit haben sie gemeinsam: die Fähigkeit, Widerständen zu trotzen und mit Scheitern umzugehen.

Widerstände überwinden: „Die Zicke vom Dienst“
Denn von Widerständen, mit denen vornehmlich Frauen zu kämpfen haben, können alle berichten. Immer wieder geht es in der Diskussion um vermeintlich typisch weibliche Attribute, die zu einem echten Dilemma werden. Erfüllt frau diese, suggeriert das Führungsschwäche. Erfüllt sie die Anforderungen an Weiblichkeit nicht, irritiert das. Ilka Müller-Weber, Gründerin und Inhaberin der PILGRIM Personal GmbH, erläutert, wie solche Stereotype den Blick auf sie massiv beeinflusst haben: „Ich hatte lange Zeit einen extremen Kurzhaarschnitt. Es sorgte immer wieder für Irritationen, dass ich als Frau klare Kante gezeigt habe und noch dazu maskulin aussah. Viele haben nicht verstanden, dass Frauen auch andere Facetten haben können.“

Solche Erwartungshaltungen bringen insbesondere junge Frauen in Schwierigkeiten. Ulla Kroll, die nach vielen Jahren in Führungsaufgaben inzwischen im Ruhestand ist, erinnert sich: „Ich habe mich anfangs mit 1,58 Meter und langen blonden Haaren oft nicht ernst genommen gefühlt. Da ging die Schublade sofort auf. Ich habe es dann bewusst über Kompetenz und viel Reden hinbekommen, dass ich doch ernst genommen wurde. Aber das hat gedauert.“

Und so stehen Frauen immer wieder vor dem unlösbaren Konflikt: Ist sie hartnäckig, nervt das und gilt als zickig. Ist ein Mann hartnäckig, so ist er durchsetzungsstark. Amrei Hilthorst ist Maschinenbauerin und damit oft alleine in einer Männerdomäne: „Wenn man Kontra gibt, gilt man als zickig. Aber man sollte das auch einfach mal aushalten.“

Was hilft sind weibliche Vorbilder. Zwar kann frau auch von Männern viel in Sachen Führung lernen, aber Männer haben einen anderen Erfahrungshorizont und kennen weder sexistische Sticheleien, noch werden sie in Vorstellungsgesprächen nach ihrer Familienplanung gefragt.

Die Qual der Quote? Oder: Thomas ist schuld!
Aber die Zeichen stehen auf Veränderung, das ist bei allen Beiträgen der Podiumsdiskussion spürbar. Allerdings und das ist das große Manko: Veränderung dauert. Und so stellt sich wieder die ungeliebte Frage nach der Quote. Muss das, oder gibt es bessere Mittel? Denn klar ist, niemand will Quotenfrau sein, da sind sich alle einig.

Die Suche nach Ursachen führt zu den Berichten der AllBright Stiftung. 2017 sprach sie vom ewigen Thomas-Kreislauf, als die Vorstände zu 93 Prozent aus Männern bestehen, die sich in Alter, Herkunft und Ausbildung stark gleichen. Es gab mehr Vorstandsmitglieder, die Thomas oder Michael heißen, als Frauen. Und diese Männer umgeben sich am liebsten mit Spiegelbildern ihrer selbst. Heute heißt der Vorstand häufiger Christian, nicht mehr Thomas, aber das Prinzip bleibt. Das ist nur menschlich, wie auch Tina Risse-Stock, Geschäftsführerin von Blumen Risse GmbH & Co. KG bestätigt: „Wir haben in unserem Unternehmen gemischte Führungsteams. Vermutlich, weil ich auch eine Frau bin. Mein Vater hatte allerdings noch andere Führungsteams. Man sucht sich eben Gleichgesinnte. Da müssen wir Frauen reinkommen.“

Fahrt aufnehmen auf dem Weg nach oben
Doch die Diskussion blieb zu keiner Zeit beim Analysieren und Kritisieren bestehender Missstände stehen. Im Kern ging es immer wieder um die Frage, wie es gelingt, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen? Mit Vorbildern, Mut, mit gegenseitiger Unterstützung und indem wir uns das ein oder andere von männlichen Kollegen abschauen. Stefanie Neumann, Stv. Fachbereichsleiterin Gebäudewirtschaft der Stadt Recklinghausen und Businesscoach betont: „Frauen sollten sich gegenseitig unterstützen. Und Frauen brauchen viel Gelassenheit, das können wir uns oft von den Männern abschauen, denn das führt zu Souveränität.“

Wie alle rund dreißig Teilnehmerinnen erlebte auch Laura Kanthak vom Kompetenzzentrum Frau & Beruf eine mitreißende Gesprächsrunde und zog dementsprechend ein positives Fazit: „Unsere Podiumsdiskussion hat gezeigt, wie wichtig es ist, die weibliche Führung in den Vordergrund zu stellen. Führung wird nicht von männlichen Attributen bestimmt. Deshalb brauchen wir mehr weibliche Vorbilder.“

Moderatorin Sabine Ziemke führte charmant und humorvoll durch die Veranstaltung, holte immer wieder Gäste aus dem Publikum, das ebenfalls mit hochkarätigen Führungsfrauen besetzt war, gezielt in die Diskussion, fasste zusammen, brachte auf den Punkt und entwickelte das Thema dabei um neue Facetten weiter. Damit sorgte sie für eine kurzweilige Veranstaltung, bei der viele spannende Aspekte diskutiert wurden. Veranstaltungen wie diese sorgen dafür, dass diese Vorbilder eine Bühne finden und Frauen ermutigen, sich auch mit Vollgas auf den Weg zur Mondfahrt und in die Chefinnenetagen zu machen.

Bei weiteren Fragen rund um den BPW Essen e.V.:
Silke Grüner
Business & Professional WomenGermany Club Essen
(1. Vorsitzende)

Mail gruener@bpw-essen.de
Fon 0172 20 315 84
https://www.bpw-essen.de oder
Ulla Kroll
(2. Vorsitzende)

Mail kroll@bpw-essen.de

Autor:

Silke Grüner geb. Schöneberg aus Essen-Süd

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