Kommunikation in rauen Zeiten

Atilla Yüncüoglu, Abdullah Ucak, Mustafa Okur, Mehmet Kekec, Kadir Daglar, Muhammet Balaban, Ahmet Aktas (von links) hoffen auf die Gründung weiterer Initiativen. Fotos: Hubernagel
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"Aktion für Fairness" verurteilt negative Berichterstattung über Ditib

Der Ditib begegnet man in diesen Tagen häufig. Zuhauf finden sich negative Schlagzeilen in den Medien, die extremistische Strukturen, Spitzel-Skandale und Erdo-gantreue melden. Zu Unrecht, findet Mehmet Kekec, und will dagegen vorgehen.
Die "Aktion für Fairness" wird gegründet, eine Initiative, die, wie Kekec mehrfach betont, sich außerhalb jeglicher Institutionen und Vereine bewegt. "Wir sind einfach Essener", so der Integrationsbeauftragte, "Menschen aus der Mitte der Gesellschaft." Menschen mit einem selbsterteilten Auftrag: zu informieren, institutionslos, aus dem Herzen der türkischstämmigen Gemeinde. Denn als zu einseitig empfinde man die Berichterstattung der Medien, eine Verunglimpfung der Ditib werde zelebriert. "In der deutschen Presse wird behauptet, dass einige Ditib-Religionsbeauftragte über einige Personen Berichte angefertigt hätten", drückt es Atilla Yüncüoglu aus, "daraus ist fälschlicherweise abgeleitet worden, dass der Ditib als Verband in diese Affäre verwickelt sein soll." Zu Unrecht würde der Ditib mit dem Fehlverhalten Einzelner gleichgesetzt, irrtümlicherweise der Ditib als politische Organisation dargestellt. Dabei sei die Gemeinschaft vor allem eins: die Hauptsäule des deutsch-türkischen Lebens, das "von der Geburt bis zum Tod in Anspruch genommen wird", erklärt Initiativensprecher Mehmet Kekec. Außer Acht gelassen würden die zahlreichen Betreuungsangebote, die der Ditib Muslimen in Deutschland bietet: von Sport- und Jugendarbeit, Errichtung von Moscheen, Förderung von Bildung, Hilfsaktionen oder der Förderung des interreligiösen Dialoges profitierten Interessierte seit Jahrzehnten – auch ohne eine Mitgliedschaft in der Gemeinde.

Denunzieren von Ditib als Verband sei falsch

Doch warum ist eine neue vermittelnde Instanz zwischen Medien und Deutschtürken dann von Nöten? Ist der Vertrauensverlust, vor allem nach der Spitzel-Affäre, vielleicht doch gerechtfertigt? Als unglücklich bezeichnet Ahmet Aktas die Distanzierung der NRW-Landesregierung von Ditib. Eine Kurzschlussreaktion sei es gewesen, die "die jahrzehntelange Leistung der Ditib nicht mit ins Kalkül" ziehen würde. Auch Atilla Yüncüoglu hält die Beschuldigungen für verfrüht. "In Deutschland gilt als unschuldig, wer noch nicht verurteilt ist", so der Diplom-Ingenieur und Berufsschullehrer, "die juristische Frage ist in diesem Fall noch nicht einmal geklärt." Schließlich beschwichtigt Muhammet Balaban, der Vorsitzende der Kommission Islam und Moscheen in Essen und betont, niemand bestreite, dass falsches Handeln, sei es denn gesetzwidrig, bestraft werden soll. Doch das Vorgehen der Polizei sei zu drastisch und vermittle eine falsche Botschaft. "Das Bild der Polizei mit Sturmmasken und Maschinenpistolen schmerzt", so der Integrationsbeauftragte, "als ob Al-Kaida persönlich in den Moscheen sitze und ein solches Aufgebot nötig wäre."

"Falsches Bild wird vermittelt"

Es geht also um die Medien, Bilder, die sie vermitteln und die deutsch-türkischen Beziehungen im Land belasten. "Wir wollen einen Dialog führen", betont Kadir Daglar, der 1993 den Deutsch-Türkischen Elternbund gründete, "doch bei pauschalen Verdächtigungen ist keine Personenbindung möglich."
Wie geht es nun also weiter mit der "Aktion für Fairness"? Welche Schritte werden getan? "Wir werden jetzt mit Ihnen (den Medien, Anm. d. Red.) immer Kontakt aufnehmen", so der einstweilige Sprecher Mehmet Kekec, "wir sind kurzfristig entstanden und noch die einzige Initiative, von der wir wissen." Hoffen tun die Mitglieder auf die Gründung ähnlicher Initiativen in weiteren Städten. Aufeinander zugehen sei das Motto der Stunde, "Integration", schallt es aus dem Integrationsrat.

Atilla Yüncüoglu, Abdullah Ucak, Mustafa Okur, Mehmet Kekec, Kadir Daglar, Muhammet Balaban, Ahmet Aktas (von links) hoffen auf die Gründung weiterer Initiativen. Fotos: Hubernagel
Kadir Daglar (rechts) betont die Wichtigkeit von gegenseitigem Vertrauen.

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