Verwaltung schlägt Fahrradstraße vor - Die Linke unterstützt die Idee
Kritik von der IG Rüttenscheid an Sperrung der RÜ für den Autoverkehr

Freie Fahrt für Fahrräder auf der RÜ? Der Vorschlag der Verwaltung sorgt für Zündstoff.
  • Freie Fahrt für Fahrräder auf der RÜ? Der Vorschlag der Verwaltung sorgt für Zündstoff.
  • Foto: lokalkompass.de/WA-Archiv (Symbolfoto)
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Die Idee lässt die Gemüter hochkochen. Die Interessengemeinschaft Rüttenscheid (IGR) stößt sich am möglichen Wegfall von Parkplätzen, befürchtet durch Umwandlung von Teilbereichen der Rü in eine Fahrradstraße Nachteile für Handel und Anwohner. Die FDP-Fraktion im Rat der Stadt Essen meint, in der angedachten Sperrung ein Schreckgespenst aus der Vergangenheit zu erkennen. Und zwar eines, was sich schon einmal als Rohrkrepierer erwiesen hat. Einzig  die Linken finden Gefallen an dem Vorschlag der Verwaltung. 

Und der sieht vor, die Rüttenscheider Straße zwischen Martinstraße und Rüttenscheider Stern für den Autoverkehr zu sperren. Der Durchgangsverkehr soll in erster Linie über die Alfredstraße geleitet werden.

Schon in den 1990er Jahren gescheitert

„Wieder einmal gerät die Rüttenscheider Straße ins Visier der Verkehrsumerzieher in unserer Stadt“, erklärt Hans-Peter Schöneweiß, Fraktionsvorsitzender der Essener FDP. „Dabei ist die Debatte deutlich älter als alle Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen in Essen.“ Die Liberalen erinnern an die gescheiterte Sperrung in den 1990er Jahren. „Das Reallabor auf der Alfredstraße mit der Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 km/h ist gerade gestartet, da möchten Einzelne in der Stadtverwaltung weiteren Verkehr dorthin dirigieren. Von den Auswirkungen auf die Nebenstraßen der Rü ganz zu schweigen. Eine funktionierende Gastronomie- und Einkaufsstraße in Essen darf nicht zur Spielwiese für ideologisierte Verkehrspolitik werden, wir haben nämlich nicht mehr viele davon“, so Schöneweiß.

25 Prozent weniger Autoverkehr

Die Ratsfraktion DIE LINKE unterstützt das Vorhaben der Verwaltung. Damit könnte laut Berechnungen der Experten der Autoverkehr auf der Rü um mindestens 25 Prozent gesenkt werden. Allein dadurch würde sich die Sicherheit für die Fahrradfahrenden verbessern.
„Wir könnten uns durchaus auch vorstellen, aus der Rüttenscheider Straße eine Einbahnstraße zu machen,“ so Ratsmitglied Wolfgang Freye, für DIE LINKE im Planungsausschuss. „Eine solche Lösung würde den Verkehr insgesamt entlasten und mehr Platz für einen reibungslosen Fahrradverkehr auf der Fahrbahn schaffen."

Erfahrungen in anderen Städten zerstreuen Bedenken des Handels 

Eine Einbahnstraßenregelung wäre auch nicht so leicht zu umgehen, wie das jetzt geplante Verbot des Geradeausfahrens zwischen Rüttenscheider Stern und Martinstrasse. "Aber die von der Verwaltung vorgeschlagene Lösung wird immerhin einige Verbesserungen für das Fahrrad als Verkehrsmittel bringen, und das ist ja auch das Ziel bei der Einrichtung von Fahrradstraßen. “
Dass ein verringerter Autoverkehr nachteilig wäre für den Einzelhandel, ist aus Sicht der Ratsfraktion DIE LINKE nicht belegt. "Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass der Einzelhandel von weniger Autoverkehr oft deutlich profitiert, weil sich die Aufenthaltsqualität für Fußgänger und Radfahrer verbessert", ist sich Freye sicher. Umfragen hätten ergeben, dass die Verkehrssituation auf der Rüttenscheider Straße von vielen als dringend verbesserungswürdig eingestuft wird.

Neuordnung des Verkehrs dringend notwendig

„Die Konkurrenz von Fahrrad und Fußgängern auf den Bürgersteigen der Rü ist  mehr als unglücklich. Deswegen brauchen wir dort eine Neuordnung des Verkehrs. Für uns ist dabei nicht nachvollziehbar, wieso die Zukunft der Geschäfte an der Rüttenscheider Straße am Autoverkehr in beiden Richtungen hängen soll. Gerade die eher kleinen Geschäfte leben vom Flair des Stadtteils, das sich durch einen entlasteten Autoverkehr und mehr Fahrradverkehr sogar verbessern kann“, so Wolfgang Freye abschließend.

IG Rüttenscheid fürchtet Folgen für Anwohner und Handel

Das sieht die Interessengemeinschaft Rüttenscheid (IGR) mit ihrem Vorsitzenden Dr. Rolf Krane völlig anders. Sie fürchtet vor allem den Wegfall von Parkplätzen. "Im Rahmen der Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs sollen Fahrrad-Hauptrouten zu Fahrradstraßen ausgebaut werden, von denen die Rüttenscheider Straße eine ist. Erst kürzlich wurde eine Route von Witteringstraße bis Frohnhausen beschlossen, die  Parkplätze kosten wir'", heißt es in dem aktuellen Info-Brief der IGR. In Rüttenscheid sollen es laut Schätzung Kranes rund 20 Parkplätze sein, die wegfallen würden.

Eignet sich die Rü überhaupt zur Fahrradstraße?

Die Kritik der Interessengemeinschaft bezieht sich zudem auf die Auswahlkriterien potzenzieller Fahrradstraße: "Die Rü soll nun zur Fahrradstraße werden, unabhängig davon, ob sie mit all ihren Ampeln, Zebrastreifen, Kreuzungen, Fußgängern, Bushaltestellen, Ladeverkehren etc. für eine Radschnellstraße überhaupt geeignet ist. " 

Verkehr weicht in die Wohngebiete des Mädchenviertels aus

Den Preis zahlen laut Krane vor allem die Anwohner des Mädchenviertels und der Alfredstraße.  
Werde die Durchfahrt auf der Rü von Süden kommend an der Martinstraße und von Norden am Rüttenscheider Stern für den Autoverkehr unmöglich, dann weichen die Autofahrer aus. "Der Verkehr wird in die Wohngebiete  gedrängt", kritisiert Krane. Zusätzlicher Umweg- und kreisender Verkehr seien die Folge. "Auch, wenn jedes Geschäft natürlich erreichbar bleibt, wird dies deutlich eingeschränkt und teilweise kompliziert."

Autor:

Lokalkompass Essen-Süd aus Essen-Süd

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