STREIK am UKE (Universitäts Klinikum Essen) aus der Perspektive von:

Wo: Universitätsklinikum Essen , Hufelandstraße, 45147 Essen auf Karte anzeigen

Das Recht auf Streik um jeden Preis? Im Zweifel sogar contra LEBEN???!!!

Eine Gesundheits- und Krankenpflegerin über den Streik und Folgen am
Uniklinikum Essen



Vorwort: 
Mit der Idee Menschen zu helfen, Menschen zu pflegen und Gesundheitsprävention zu betreiben, startet man nach der Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpflegerin in das Berufsleben und stellt fest, dass der demographische Wandel vor allem in der Pflege seine Spuren hinterlässt. Die Menschen werden älter und kränker. Die Therapiemöglichkeiten werden exklusiver, aber auch aufwendiger. In fast allen Häusern herrscht Personalmangel, denn schnell stellt man fest: einen Knochenjob im Schichtdienst mit vielen Schicksalen zu verkraften ist nicht ganz leicht (von dem Lohn mal ganz zu schweigen). Für junge Menschen mit vielen Möglichkeiten, ist die Pflege nicht unbedingt ein attraktiver Job, kann man doch auch von 9-17.00 Uhr an einem Schreibtisch sitzen, und das Wochenende mit der Crew verbringen. Diejenigen, die es durchhalten, werden häufig- früher oder später- durch die hohe Arbeitsbelastung krank. Erst einige Male im Jahr, dann immer öfter. Und das ist nicht nur am UKE so.
Die Pflege ist frustriert über ein zu hohes Arbeitsaufkommen, zu viele Patienten, zu wenig Geld. Und das zu Recht: es ist kein gutes Gefühl, nach getaner Arbeit trotzdem nicht alles geschafft zu haben- und das- obwohl man sich doch den Allerwertesten aufgerissen hat.

Nun kommt diese Gewerkschaft Verdi daher, besucht jede Station und bombardiert mit Emails: „wir brauchen mehr Entlastung!
Lasst uns Streiken und für einen Tarifvertrag Entlastung kämpfen“.
„Genau das ist es, was wir jetzt brauchen“ denkt sich ein Teil des Pflegepersonals, ohne genau zu wissen, worum es eigentlich geht.

Betrachtet man das Ganze aus Sozialpsychologischer Sicht, ist klar, was jetzt passiert:

eine (unwissende) Gruppe zieht andere, frustrierte mit. Die Teams auf den Stationen arbeiten z.T. Jahre- oder jahrzehntelang zusammen, natürlich hält man da zusammen, wenn es darum geht, für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen.
Also wird aus einer kleinen Gruppe, eine immer größere und schnell steht fest: „wir werden streiken (für was auch immer)“.
Einige Tage später geht es dann los: der Streik beginnt mit einigen Followern und denen, die es noch werden wollen, oder müssen… Denn alle diejenigen, die nicht streiken, werden morgens auf dem Weg zum Frühdienst abgefangen und davon überzeugt, auch hinter dieser Sache zu stehen.
Und so kommt es, dass nicht mehr 3 Personen auf einer Station sind, sondern nur noch eine. Diese „Eine“ steht nun da, mit einer Station, auf der zum Großteil schwer-kranke Personen liegen, die versorgt werden wollen, Medikamente und Untersuchungen brauchen. Sie denkt sich: „naja, die wichtigsten Dinge schaffe ich schon“ und das ist auch das, was sie den Gewerkschaftlern sagt, die sie kurz auf der Station besuchen, um ihr mitzuteilen, dass heute gestreikt wird. AHAH....

Und so geht es nun weiter, erst einige Tage, dann einige Wochen und diese eine Person, ist immer noch da.
Sie macht keine Pausen mehr, denn dazu hat sie keine Zeit. Die geplante „Mindestbesetzung“ kommt ihr doch reichlich mickrig vor. Natürlich kennt auch sie es, einmal keine Pause zu machen, oder Tage zu haben, an denen sich die andere Krankenschwester krank gemeldet hat und sie somit alleine da steht.
Aber das nun für Wochen- open End?

Natürlich möchte auch diese eine Person mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen, aber nicht um jeden Preis!
 

Für diese eine Person ist es schwer auszuhalten, wenn für eine Patientin, in einem wirklich schlechten Allgemeinzustand ein notfallmäßiges CT angemeldet wird und dieses erst 6 Stunden später stattfindet, denn auch der Transportdienst streikt und steht rauchend in einer Gruppe vor einem anderen Gebäude, denn es wird ja gestreikt.

Irgendwann wird die Station dieser Einen geschlossen und sie arbeitet auf einer anderen Station weiter. Hier ist eine Mindestbesetzung von Dreien absolut notwendig, aber zu Streikzeiten reichen auch mal Zwei.
Faszinierend findet sie, wie immer mehr der „Verbliebenen“ krank werden. Und da krank sein ja ein normaler Zustand ist, wird hier niemand vom Streik zurück gezogen, sondern die Dienste werden von denen übernommen, die bereits die ganze Zeit gearbeitet haben und sich eigentlich einige Tage frei verdient haben.
Sie arbeiten also in ihrem Frei auf z.T. fremden Stationen- als einzige Examinierte im Dienst und werden bestimmt bald auch krank. Aber da sind ja noch die Anderen, die nicht streiken, die aus ihrem Dienstfrei kommen können, um einzuspringen, denn die Patienten möchten ja versorgt werden.

Und so schauen die Verbliebenen den Followern zu, wie sie fröhlich pfeifend über das Gelände laufen und die Sonne genießen- aber sie haben ja ein Ziel (worum ging es eigentlich noch mal?)

Und da sind wir jetzt:
bei noch unzufriedenerem Personal und dadurch bedingten unzufriedenen Patienten.
Was ist das Ziel? – Mehr Personal.
Wo kommt das her? Aus dem Ausland?- Ach stimmt ja, das z.T. besser ausgebildete Personal aus dem Ausland, bekommt ihre Ausbildung hier nicht anerkannt, und darf  deshalb gar nicht arbeiten!
Diejenigen, die überhaupt noch Lust auf die Ausbildung der Pflege haben, merken spätestens jetzt, dass das alles doch nicht so eine gute Idee war.
Diejenigen, die jetzt noch arbeiten, sind bald im Langzeit krank, aber Verdi verteilt dann bestimmt auch ein paar Waffeln für die Verbliebenen, damit diese ihre (nichtvorhandenen) Pausen genießen können.

Ein Bericht einer examinierten Gesundheits- und Krankenpflegerin, die nicht mit Namen genannt werden möchte. 
Verfassung und Veröffentlichung: Kirsten Uhl 

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