Essens OB Thomas Kufen im Gespräch mit dem Süd Anzeiger
Verkehrskonzept und Gastronomie - ein Plädoyer für Vielfalt

Süd Anzeiger Redakteurin Petra de Lanck traf in der Funke-Lounge Oberbürgermeister Thomas Kufen und sprach mit ihm unter anderem über die Verkehrssituation und die Gastronomie im Essener Süden.
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  • Süd Anzeiger Redakteurin Petra de Lanck traf in der Funke-Lounge Oberbürgermeister Thomas Kufen und sprach mit ihm unter anderem über die Verkehrssituation und die Gastronomie im Essener Süden.
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Thomas Kufen sitzt auf der Rü im Eiscafé und liest Zeitung. Lange bleibt er dort nicht allein, schon hat ihn jemand entdeckt und nutzt die Gunst der Stunde für Bürgerfragen. Genervt ist Kufen davon nicht. Ist ja schließlich sein Job, sich für die Bürger seiner Stadt einzusetzen - oder, wie er es formuliert: "Als Oberbürgermeister ist man rund um die Uhr sieben Tage in der Woche erreichbar!" Zum Süd Anzeiger Interview in der Funke-Lounge kommt er dann am frühen Morgen ganz entspannt, obwohl sein Tagesplan voll ist.

"OB muss man auch wollen", betont Kufen. Die Nähe zum Bürger ist ihm wichtig. "Schützen und dienen" ist sein Credo. Diesen Wahlspruch der amerikanischen Feuerwehr versucht Kufen täglich in die Tat umzusetzen. Das mag pathetisch klingen, ist ihm aber eine Herzensangelegenheit, wie er betont. Dieser Anspruch gelte natürlich auch für die gesamte Stadtverwaltung, fügt er hinzu.
Nicht immer ist die Nähe zum Bürger allerdings für Stadtvertreter gefahrlos und ein Gespräch über Fahrradstraßen unterscheidet sich von einem Ortstermin in Sachen Clankriminalität. Kufen, der übrigens im Städtetag neben Kölns Stadtoberhaupt Henriette Reker sitzt, bekundet aber, als OB bisher keine Situation erlebt zu haben, "wo ich mich unwohl gefühlt habe oder ängstlich war".
Dennoch sieht er generell die zunehmende Tendenz der Verrohung der Debattenkultur, was ihn nachdenklich stimmt. Auch die Radikalität in der Sprache habe zugenommen - vor allem in den sozialen Medien.
Wo auch immer Menschen mit gegensätzlicher Meinung zusammenkommen, besteht Konfliktpotenzial. Derzeit bewegt vor allem der Verkehrsplan den Essener Süden und das gesamte Stadtgebiet. So hat der Stadtrat im vergangenen Jahr beschlossen, dass spätestens 2035 in Essen nur noch 25 Prozent aller Verkehrswege mit dem Auto zurückgelegt werden sollen.
Kufens Unterstützung dieses Vorhabens und sein Statement, sich gegebenenfalls für Restriktionen auszusprechen, wurde kontrovers diskutiert. Im Süd Anzeiger Interview betont er, dass ein Gegeneinander der einzelnen Verkehrsteilnehmer nicht seine Politik sei. Jeder solle die Verkehrsart wählen, die in der jeweiligen Situation die beste sei.
Dabei gibt er aber zu bedenken, dass man in Essen jahrelang auf das Auto fixiert gewesen sei und über die Hälfte aller Strecken damit zurückgelegt habe. In den vergangenen 30 Jahren sei die Einwohnerzahl der Stadt um fünf Prozent zurückgegangen, der Anteil der Kraftfahrzeuge habe aber um 25 Prozent zugenommen.
Den ÖPNV in Essen sieht Kufen aktuell nicht als großstadttauglich: "Mit dem ÖPNV kommt man zwar überall hin - aber gegebenenfalls nicht wieder zurück", scherzt der OB, der sich im vergangenen Jahr privat ein E-Bike angeschafft hat. Den Ruhrtalradweg hält er für einen der schönsten Deutschlands.

Das bewegt den Essener Süden

"Vor allem auch durch Corona sind immer mehr Radfahrer auf Essens Straßen und den Routen im Essener Süden unterwegs. Das bedeutet, dass Autofahrer und Radfahrer sich den vorhandenen Raum teilen. Die Frankenstraße auf Höhe des Stadtwaldplatzes in Richtung Bredeney ist ein Beispiel - aber auch aktuell die Rü.
Auch privat ist der Oberbürgermeister gerne in seiner Stadt unterwegs und schätzt die Vielfalt der Gastronomie. Vor allem entlang der Rü. Corona bedeute für alle Gastronomen eine tiefe Zäsur. So ist Kufen schließlich auch zu einem Aktionär der Rüttenscheider Kultkneipe "Drehscheibe" des Schlagersängers René Pascal geworden.
"Hotellerie, Gastronomie, Clubs und Discos gehören zu einer lebenswerten Stadt dazu. Schließungen und finanzielle Einbußen bedeuten auch einen Verlust von Lebensqualiät", ist er sich sicher. Das weitere Infektionsgeschehen bereitet ihm Sorgen: "Im Winter kann man nicht mehr draußen sitzen..." Dann würde auch ein Stück Stadtkultur verschwinden.

Autor:

Petra de Lanck aus Essen-Süd

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