Zwei Stunden weniger Arbeit

Angestellte im Gastronomiebetrieb müssen sogar mehr als den gesetzlichen Mindestlohn von 8,84 Euro verdienen. Oft halten sich die Chefs jedoch nicht daran. (Foto: LK/ NGG)
  • Angestellte im Gastronomiebetrieb müssen sogar mehr als den gesetzlichen Mindestlohn von 8,84 Euro verdienen. Oft halten sich die Chefs jedoch nicht daran. (Foto: LK/ NGG)
  • hochgeladen von Julia Hubernagel

Minijobber profitieren vom gestiegenen Mindestlohn

Augen auf beim Mindestlohn: Wer in Essen einen Minijob hat und dabei den Mindestlohn bekommt, soll die letzte Lohnabrechnung besonders genau prüfen. Dazu rät die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Der Grund: Zum Januar ist der gesetzliche Mindestlohn um 34 Cent auf jetzt 8,84 Euro gestiegen. „Für geringfügig Beschäftigte heißt das: entweder weniger arbeiten – oder mehr verdienen“, erklärt NGG-Geschäftsführerin Yvonne Sachtje. Eine 450-Euro-Kraft müsse zwei Stunden pro Monat weniger arbeiten, um auf den gleichen Verdienst zu kommen, so Sachtje. Mindestlohn-Verdienern mit zehn Wochenstunden stünden am Monatsende knapp 14 Euro mehr zu.

Regelung gilt seit Januar

Nach Angaben der Arbeitsagentur gab es in Essen zuletzt rund 59.900 geringfügig Beschäftigte – 6.390 davon allein im Gastgewerbe. „Die Gastro-Beschäftigten müssen jedoch mehr als die gesetzlichen 8,84 Euro bekommen. Ihnen stehen neun Euro pro Stunde zu“, betont Sachtje. Denn für das nordrhein-westfälische Gastgewerbe hat die NGG im vergangenen Jahr einen speziellen Branchenmindestlohn durchgesetzt. Köche, Kellner & Co. sollten ihre letzte Lohnabrechnung daher besonders genau prüfen, rät die Gewerkschaft.

Mindestlohn existiert oft nur auf dem Papier

„Allzu oft gilt der Mindestlohn leider nur auf dem Papier“, sagt Sachtje. „Noch immer tricksen viele Chefs, obwohl das illegal ist.“ So kam eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung zum Ergebnis: Im Jahr 2015, als der gesetzliche Mindestlohn eingeführt wurde, verdiente knapp die Hälfte der Minijobber weniger als die damals vorgeschriebenen 8,50 Euro.
„Es kann nicht sein, dass die Lohnuntergrenze von so vielen Firmen umgangen wird“, bemängelt die NGG Ruhrgebiet. Dies sei nicht nur ein Verstoß gegen das Mindestlohngesetz, sondern auch ein „Schlag ins Gesicht“ vieler Beschäftigter, deren Einkommen damit erstmals spürbar steigen sollten. Die NGG hatte sich seit vielen Jahren für die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns eingesetzt.

Gesetze müssen auch umgesetzt werden

Zusätzlich zum Lohn-Check plädiert die Gewerkschaft für mehr Mindestlohn-Kontrollen in den Betrieben. Die zuständige Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim Zoll müsse ihr Personal dafür kräftig aufstocken, fordert Sachtje: „Wer ein Gesetz verabschiedet, muss auch dafür sorgen, dass es umgesetzt wird. Nur so kann man schwarzen Schafen wirksam das Handwerk legen.“

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