Ein Leben auf Rollen

Noch immer gut zum Fahren: Der Parkplatz des Autohaus Reintges. Foto: Gohl
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Autohaus Reintges-Betreiber Klaus-Peter Reintges über die Liebe zum Skateboard

Direkt um die Ecke liegt die Wiege des Skateboardings im Ruhrgebiet. Auf der Eschenstraße rollten ab Ende der 70er-Jahre die Bretter. Von Anfang an mit dabei – gar Gründer des Ganzen – Ford Reintges-Inhaber Klaus-Peter Reintges.

Der Ursprungsort in Rellinghausen ist naheliegend, stand doch auf dem damals elterlichen Autohaus-Hof eine Halfpipe, eine aus Beton gefertigte Halbröhre. "Die habe ich damals aus Belgien geholt", erinnert sich Klaus-Peter Reintges. "In Deutschland war Skaten noch kein großes Ding." Der deutsche Skateboard-Pate Titus Dittmann brachte Mitte der 70er-Jahre die ersten Bretter nach Deutschland. Von Münster aus baute der Unternehmer ein regelrechtes Skateboard-Imperium auf, war der erste deutsche Hersteller von Skateboards. Die Marke Titus ist heute europäisch marktführend und ziert immer noch die T-Shirts junger Skate-Enthusiasten.

Meisterschaften und Punk

Auch Klaus-Peter Reintges kam früh zu den Rollbrettern. "Weihnachten 76 hat sich mein Bruder Skier gewünscht", erzählt er. "Ich wollte lieber ein Skateboard haben."
Von da an sind er und sein Skateboard nicht mehr zu trennen. Zwei Jahre später nimmt er an den Westdeutschen Meisterschaften teil. Die Deutsche- und die Europameisterschaft lassen nicht auf sich warten. Das erste deutsche Skatemagazin druckt in der ersten Ausgabe sogar ein Interview ab. "Was ich damals so gesagt habe ...", blickt er zurück – denn Skater sein bedeutete, Punk zu sein. "Da hatte man ja schon andere Ansichten als heute." Schon immer war der kalifornische Sport mit der Musik verwoben. Damals eben mit dem Punk der späten 70er- und frühen 80er-Jahre. Weniger punkig fand Reintges Mutter den Sport. In der eigens gegründeten Skateboard-Abteilung des TUSEM wollte die Mutter sportbegeisterter Kinder ein wenig Ordnung in die Szene bringen. "Was wir vorhatten und was meine Mutter wollte, ging aber wohl ein bisschen auseinander", lacht Reintges.

"Bank und Skateboard passen nicht zusammen"

1984 war es für ihn vorerst vorbei mit dem Skaten. "Als Auszubildender bei der Bank fühlte ich mich dafür zu alt", sagt der 53-Jährige. Mit einem Betriebswissenschaften-Studium und einer anschließenden Promotion schien der Weg ins Erwachsenenleben unumkehrbar. Auch hat sich der Spaß am Punk mittlerweile in Spaß am Karneval verwandelt.
Ganz vom Skateboard lassen konnte der Manager aber doch nicht. Privat, nur für sich, cruist er manchmal durch die Gegend. Mittlerweile altersgemäß, wie er sagt. "Ich habe mir ein Elektroskateboard zugelegt", erzählt Klaus-Peter Reintges und fährt mühelos um seine Fords herum. "Damit hört der Berg nie auf."

Mit Skate Aid in Afghanistan helfen

Aber nicht nur auf dem Brett ist Klaus-Peter Reintges noch aktiv. Mit Titus Dittmann verbindet ihn eine lange Bekanntschaft. Als die beiden Skatefreunde sich vor sechs Jahren zufällig auf der Essen Motor Show wiedertrafen, erzählte der Münsteraner dem Essener von seinem Projekt. "Skate Aid ist ein Sporthilfsprojekt", erklärt Klaus-Peter Reintges, der die Initiative seitdem tatkräftig unterstützt. "Unter dem Motto 'Skateboard fahren statt kämpfen' sind wir in Afghanistan tätig und bringen den Jugendlichen das Skaten näher." Eine Charity-Veranstaltung in Kooperation mit dem GOP Varieté-Theater und der Deutsch-Afghanischen Gesellschaft ist in Planung.

Obwohl Ende der 70er-Jahre von der Selbstinszenierungskultur, die rund um das Internet entstand, noch nichts zu spüren war, wirkt Klaus-Peter Reintges noch heute in der Skateszene nach. Jugendliche aus aller Welt stellen sich auf die Längskante des Boards, springen in die Luft und landen beim 101sten Versuch mit Glück auf dem Brett. Reintges-Flip nennt sich der Trick und geht auf den Rollbrettfahrer der steilen Eschenstraße zurück. 

Autor:

Julia Hubernagel aus Essen-Süd

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