Erik Stoffelshaus über den BVB: „Lucien Favre muss authentisch bleiben“

Erik Stoffelshaus arbeitete unter anderem für den FC Schalke 04 und Lokomotive Moskau. Diese Saison ist er neben Marcel Maltritz prominenter Tipper beim Steilpass.
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  • Foto: Oliver Schaper
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Zwischen 2006 und 2009 arbeitete Erik Stoffelshaus (48) einst als Teammanager beim FC Schalke 04. Wie beurteilt der heutige Steilpass-Tipper die Situation ausgerechnet beim großen S04-Rivalen Borussia Dortmund?

Für Erik Stoffelshaus hat die aktuell scheinbar heikle Situation beim BVB zwei Seiten. Auf der einen ist die Erwartungshaltung der Schwarz-Gelben, diese Saison Deutscher Meister werden zu wollen. „Es ist ein offensiv formuliertes Ziel vor der Saison gewesen, aber in meinen Augen nicht zu offensiv. Der BVB hat bereits in der vergangenen Spielzeit gezeigt, wozu er fähig ist und hat dann im Sommer deutliche Zeichen an die Konkurrenz gesendet. Wer so viel Geld für Spieler wie Mats Hummels, Julian Brandt und Thorgan Hazard ausgibt, der will auch frontal angreifen. Alles andere wäre Augenwischerei. Daher war das Statement nur logisch.“

Erik Stoffelshaus sieht schwierigen Balanceakt beim BVB

Doch für den 48-Jährigen gibt es auch noch eine andere Seite. „Durch Reden gewinnt man keine Titel. Die Neuzugänge müssen integriert werden. Es wird - unabhängig von den Neuzugängen - Spieler geben, die auf der Bank oder der Tribüne Platz nehmen müssen. Die musst du auch bei Laune halten.“

Es sei ein „Balanceakt für die Verantwortlichen die richtige Mischung zu finden. Es ist keine Floskel, dass mehr als nur elf Spieler gebraucht werden. Nur müssen alle dann auch ihr Ego hinten anstellen und alle sich auf dasselbe Ziel einschwören“, so Stoffelshaus gegenüber der Steilpass-Redaktion weiter.

BVB hat laut Erik Stoffelshaus kein Mentalitätsproblem

Der ehemalige Sportdirektor von Lokomotive Moskau glaubt nicht, dass die Nerven bei Borussia Dortmund schon blank liegen. Auch nicht bei Kapitän Marco Reus (30), der nach dem 2:2 bei Eintracht Frankfurt in einem TV-Interview gereizt reagierte. „Der BVB hat kein Mentalitätsproblem. In dem speziellen Fall war Marco Reus noch emotional direkt nach dem Spiel aufgeladen und genervt, das Spiel nicht gewonnen zu haben“, betont Stoffelshaus. „Eines ist doch Fakt: Der BVB ist eine Top-Mannschaft, die dafür aber auch entsprechend mikroskopisch beäugt wird. Nicht nur regional, sondern deutschlandweit.“

Liegt es dann aber am Trainer Lucien Favre (61), der eventuell in entscheidenen Momenten taktische oder personelle Fehler begehrt? „Ich kenne Lucien Favre viel zu wenig, um mir ein Urteil bilden zu können“, so Stoffelshaus. „Ich habe ihn einmal gesehen, als wir mit Lokomotive Moskau in der Europa League gegen OGC Nizza gespielt haben. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass er bei seinen Teams erfolgreich gearbeitet hat.“

Ist Lucien Favre der richtige Trainer für Borussia Dortmund, um Titel zu gewinnen?

Doch nie so erfolgreich, als dass es für Titel reichte. Einen Titel, wie der BVB ihn nun ergattern will. „Der Grat ist schmal, sich zu früh zufrieden zu geben. Daher ist es schwierig für mich zu beurteilen, weil ich zu wenig Berührungspunkte hatte. Aber klar, Erfahrungswerte wie Titel sind Gold wert.“

Für Stoffelshaus ist es zu einfach, es nur auf den Trainer zu schieben. „Da stehen so viele intelligente Spieler auf dem Platz, die intrinsisch motiviert sind. Wenn es mal nicht läuft, können sie selbst auch Dinge regeln.“ Der Steilpass-Tipper könnte sich eher vorstellen, dass es bei der „gemeinsamen Herangehensweise an das Projekt Unterschiede auftun könnten. Die Kunst ist, dass keiner sich zu wichtig nimmt. Starke Charaktere sind trotzdem wichtig, schließlich können Streitgespräche auch positiv sein.“

Jürgen Klopp hat es Erik Stoffelshaus angetan

Der Kader und alle seine Mitarbeiter drum herum sei aber so groß, dass „es 25 bis 40 unterschiedliche Charaktere gibt. Das ist nicht einfach. Die muss man unterschiedlich emotional packen.“

Automatisch schwebt in dem Zusammenhang der Name Jürgen Klopp (52) durch den Raum. Sind seine erfolgreiche Art und Weise rückblickend ein Problem beim BVB? „Das weiß ich nicht. Jeder Trainer wirft seine eigenen Vorteile in die Waagschale.“

Schalke verspielte 2008 eine 3:0-Führung bei Borussia Dortmund

Trotzdem muss Stoffelshaus in dem Zusammenhang an das Derby im September 2008 denken. Der S04 führte bereits mit 3:0 - in Dortmund! Sogar bis zur 67. Spielminute. Am Ende aber ging es 3:3 unentschieden aus. Klopp trieb sein Team mit seiner Art nach vorn. Bei den vergangenen Derbys sowie bei gewissen Spielen gegen vermeintliche Underdogs tat sich Borussia Dortmund mit kämpferischen Gegnern aber immer schwer. „Es gibt Zeiten, da ist es unabdingbar, spielerische Lösungen zu suchen. Aber es gibt auch solche, in denen knallharte Zweikämpfe geführt werden müssen. Es gibt jetzt noch immer Klopp-Spiele mit einem Wow-Effekt, so wie der FC Liverpool spielt. Aber ebenso solche, wo mehrmals harte Zeichen gesetzt werden.“

Für Stoffelshaus müsse der BVB beides können. „Es ist eine ganz, ganz andere Nummer, wenn man oben mitspielt oder auch tatsächlich einen Titel holt. Die Erfahrung habe ich schon mit Lokomotive Moskau machen dürfen.“

Profis haben ein ganz feines Gespür

Das hieße aber nicht, dass Favre sich deswegen ändern müsse. Weder bei Pressekonferenzen oder am Spielfeldrand, wenn ein Millionen-Publikum zuschaut. „Er muss authentisch bleiben. Es bringt nichts, wenn er den Hampelmann spielt, nur weil andere das fordern. Die Spieler haben ein ganz feines Gespür dafür, wenn sich jemand nicht so verhält, wie er tatsächlich ist. Das Gesamtpaket muss einfach stimmen. Ob Trainer, andere Verantwortliche oder die Spieler müssen spüren, dass jeder den Meistertitel mit jeder Faser will.“

Welches Gesicht Borussia Dortmund wohl am 7. Bundesliga-Spieltag zeigt? Erik Stoffelshaus tippt, dass der BVB beim SC Freiburg 3:1 gewinnen wird. Selbiges tippt übrigens auch Marcel Maltritz, der zweite prominente Steilpass-Tipper in dieser Saison.Hier geht es zum Tippspiel!

Autor:

Redaktion Steilpass aus Essen-Süd

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