Das Ruhr-Kolleg – eine Schule ohne Rassismus – eine Schule mit Courage

Montag, 13.06.2016, 12:15 Uhr, Aula das Ruhr-Kollegs: Oberbürgermeister Thomas Kufen spricht zu den Studierenden des Ruhr-Kollegs über Verantwortung und Vertrauen, über couragierte Studierende, die freundschaftlich und respektvoll miteinander umgehen. Er mahnt, dass ein Leben ohne Rassismus selbstverständlich sein sollte, es aber doch leider gerade in der Brisanz der aktuellen Flüchtlingskrise immer wieder Negativbeispiele gibt. Doch nicht am Ruhr-Kolleg….
Drehen wir die Uhr ein halbes Jahr zurück. Leyla Isilkli, Studierende des 5. Semesters besucht den Projektkurs „soziale Schule“ des Ruhr-Kollegs. Sie möchte sich engagieren, am liebsten für geflüchtete Menschen der Stadt Essen.
Schnell ist der Zusammenhang hergestellt zu den Vorkursen für Geflüchtete, die das Ruhr-Kolleg anbietet. Die Schule möchte jungen Erwachsenen aus Syrien, Iran, Eritrea oder Guinea die Möglichkeit geben Deutsch zu lernen und sich ins Schulsystem zu integrieren, um das Abitur zu erwerben. Denn gerade für erwachsene Geflüchtete, die nicht mehr der Schulpflicht unterliegen, besteht ein Mangel an Sprachkursen und Bildungsmöglichkeiten. Die Studierenden des Ruhr-Kollegs können durch Sprachpatenschaften das Projekt unterstützen und den Geflüchteten das Einleben in der Schule erleichtern.
Doch Leyla möchte sich mit dem punktuellen Engagement einzelner Studierender nicht zufrieden geben. „Jeder sollte sich verpflichten, zu einem positiven, sozialen Miteinander beizutragen“. Sie findet im Netz die Möglichkeit, sich als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zertifizieren zu lassen. Dazu müssen sich mindestens 70% aller Studierenden, Lehrer und Mitarbeiter der Schule durch Unterschrift dazu verpflichten, sich gegen Rassismus und Diskriminierungen jeglicher Art zur Wehr zu setzen. Leyla macht sich an die Arbeit und bekommt die Unterschrift von fast Allen. Mit denjenigen, die sich nicht sofort bereit erklären zu unterschreiben, führt sie hitzige Debatten und leistet Überzeugungsarbeit.
Dann ist es fast geschafft. Für den Festakt, an dem das Zertifikat offiziell überreicht werden soll, muss noch ein Pate gefunden werden. Auch hier hat Leyla hohe Ansprüche: Der Oberbürgermeister der Stadt Essen Herr Thomas Kufen, der vor seinem Amtsantritt Integrationsbeauftragter war, soll es sein. Und auch hier ist Leyla erfolgreich. Bei seiner Ansprache am Montag sagt Herr Kufen, er war stolz, dass er ausgewählt wurde. Er mahnt gleichzeitig, dass das Zertifikat, nicht als einmalige Auszeichnung zu verstehen ist, sondern eine Verpflichtung darstellt, die auch über die Schulzeit hinausgehen soll. In einer Schule, in der Studierende mit verschiedensten Lebenswegen zusammenkommen, und in der das Klima geprägt ist von Toleranz und Respekt hegen wir daran jedoch keinen Zweifel.
Zum Gelingen des Festaktes haben Studierende verschiedener Semester mit Musik und Projektvorstellungen beigetragen. Alle unterstützten das Engagement von Leyla bereitwillig und gerne.
Mit dem Höhepunkt der Veranstaltung – der Zertifikatsverleihung durch Herrn Tanju Dilekli vom kommunalen Integrationszentrum ist das Ruhr-Kolleg nun ausgezeichnet als eine von bundesweit 2000 Schulen, die sich gegen Rassismus einsetzen.
Und auch wenn uns bewusst ist, dass es keine einmalige Auszeichnung ist, sondern eine Verantwortung, die wir auch für die Zukunft übernommen haben, sind wir doch ein bisschen stolz.
Wer ebenfalls Teil unserer Schulgemeinschaft werden möchte, hat noch die Möglichkeit sich dienstags von 17:00 bis 18:30 Uhr und donnerstags von 9:40 bis 11:00 Uhr für das kommende Semester, das am 24.08.2016 startet, anzumelden. Die Lehrgänge, die zum Abitur oder Fachabitur führen, sind durch elternunabhängiges BAföG, das nicht zurückgezahlt werden muss, gefördert. Nähere Informationen gibt es unter www.ruhr-kolleg.de und unter 0201/263640.

Autor:

Silke Kreft aus Essen-Nord

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