Der Verein "Naturheilpraxis ohne Grenzen e.V." behandelt Bedürftige kostenfrei
Ehrenamtliche Helfer mit Herz ermöglichen naturheilkundliche medizinische Versorgung

An verschieden Behandlungsstationen helfen die ehrenamtlichen "Helfer mit Herz"
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Jeden Mittwoch von 18-20 Uhr öffnet die „Naturheilpraxis ohne Grenzen“ im Saal der Kirchengemeinde St. Gertrud in der Essener Innenstadt ihre Pforten. Das Angebot des gleichnamigen Vereins richtet sich vor allem an Obdachlose und Menschen, die unterhalb des Existenzminimums leben. Zu den Sprechzeiten erhalten sie dort kostenlose naturheilkundliche Behandlung und psychologische Beratung. Am 5. März eröffnet eine weitere Praxis in der Villa Rü in Rüttenscheid – Zielgruppe dort sollen vor allem bedürftige Senioren und Kinder sein.

„Die sind nett und machen heile – das sagen die Leute über uns“, berichtet Dr.-Ing. Heike Göbel, Initiatorin und Gründerin des Vereins "Naturheilpraxis ohne Grenzen – care for health e. V.". Über die positive Resonanz freut sie sich sehr: „Die meisten kommen wieder und bringen direkt den nächsten mit. Wir sind im September 2018 gestartet und haben schon über 70 Patienten.“ Dank Mund-zu-Mund-Propaganda und der Nähe zur ehrenamtlichen Obdachlosenhilfe „FairSorger Essen e.V.“, die an der Kirche mehrmals in der Woche Essen für Bedürftige ausgibt, habe sich die Kunde über das Angebot schnell verbreitet.

Von Erkältungen über Hautprobleme bis hin zu Schmerzen reicht das Beschwerdespektrum in den meisten Fällen - oft brennt es auch auf der Seele. Mit viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl tasten sich die ehrenamtlichen Therapeuten an die Patienten heran und helfen, wo sie können - mit naturheilkundlicher Medizin, manuellen Behandlungen, Massagen, Fußpflege oder durch psychologische Beratung. Im großen Saal sind die verschiedenen Behandlungsstationen aufgebaut. Paravents sorgen für Sichtschutz und – so gut wie möglich – für Privatsphäre. Hier finden die Bedürftigen das, was sie sonst in ihrem Alltag schmerzlich vermissen: Herzlichkeit und ein offenes Ohr. „Das Reden und Zuhören bei einem warmen Tee oder Kaffee ist ebenso wichtig“, ist sich Heike Göbel sicher. „Viele leben auf Straße oder in Höhlen in teils haltlosen zuständen. Sie sind es gar nicht mehr gewohnt, dass sich jemand um sie sorgt oder sie gar berührt. Hier begegnen wir den Menschen auf Augenhöhe.“ Die Atmosphäre währen der Sprechstunde ist locker und herzlich, es wird viel gelacht.

Ergänzung zur Schulmedizin

Als Konkurrenz zur Schulmedizin sieht sich der Verein nicht: „Unser Ansatz ist ganzheitlich und wir sehen uns als Ergänzung zu bestehenden medizinischen Angeboten. Es besteht eine enge Vernetzung mit den örtlichen sozialen Initiativen und medizinischen Einrichtungen - zum Beispiel dem Arztmobil der GSE“, so Heike Göbel. Der Verein und alle mitwirkenden Therapeuten sind ordnungsgemäß beim Gesundheitsamt gemeldet. „Die Medikamente sind Spenden von naturheilkundlichen Unternehmen und die Praxisausstattung haben wir uns im wahrsten Sinne des Wortes zusammengebettelt“, verrät Heike Göbel, die nach Aussage ihrer Kollegen „jederzeit unermüdlich für ihren Verein im Einsatz ist“. Für ihr Herzensprojekt verzichtet sich auch gerne mal auf freie Wochenenden. „Es ist viel zu tun aber die Arbeit hier macht mir so viel Freude“, versichert sie mit strahlenden Augen.

Der Startschuss für ihr Engagement war ein Praktikum, das die Ingenieurin von einigen Jahren im Arztmobil in Essen absolvierte: „Da war ich hin und weg und wollte unbedingt weiter ehrenamtlich mitmachen.“ Es folgten Weiterbildungen zur Rettungsassistentin und Heilpraktikerin. Vier Jahre lang fuhr sie ehrenamtlich beim Arztmobil in Wuppertal mit. „Irgendwann wollte ich mein eigenes Ding machen und habe den Verein gegründet“, erinnert sich Heike Göbel, die schnell Unterstützung fand und qualifizierte Mitstreiter gewinnen konnte.

Zukunftspläne

Was zunächst als Einzelprojekt geplant war, habe alle ihre Erwartungen übertroffen. „Über 20 ehrenamtliche Heilpraktiker, Berater und Therapeuten sind es allein schon in Essen. Und es melden sich immer noch mehr“, freut sich die Initiatorin. Auch aus Frankfurt und Berlin kamen Anfragen – dort sollen nun weitere Praxen entstehen. Eine Praxiseröffnung in Köln ist in naher Zukunft geplant und auch in Essen steht eine weitere Anlaufstelle im Bürgerzentrum der Villa Rü in den Startlöchern: Ab dem 5. März sollen dort vor allem bedürftige Kinder und Senioren kostenfrei behandelt werden. „Wir machen es auf Vertrauensbasis und hoffen, dass es nicht ausgenutzt wird“, so Heike Göbel.

Auch die Zukunftspläne sind ambitioniert: „Unsere Vision ist eine eigene niedergelassene Praxis, an denen die unterschiedlichen Zielgruppen an mehreren Tagen in der Woche behandelt werden können“, verrät Heike Göbel. Auch wenn die aktuellen Räumlichkeiten sehr zur Freude des Vereins kostenfrei genutzt werden dürfen, muss doch der größte Teil des Equipments stets mühselig auf- und wieder abgebaut werden. „Wenn jemand Praxisräume in Innenstadtnähe für einen guten Zweck und einen guten Kurs anzubieten hat, würden wir uns sehr freuen. Und natürlich auch über Spenden – wir könnten noch eine ganze Menge an Praxisausstattung brauchen.“

Standorte in Essen und Öffnungszeiten:

Für Hilfebedürftige unterhalb des Existenzminimums oder Obdachlose: Kirchengemeinde St. Gertrud (Innenstadt), jeden Mittwoch von 18-20 Uhr

Für Kinder und Senioren in Armut (ab dem 5.3): Bürgerzentrum Villa Rü (Rüttenscheid), jeden Dienstag von 16-18 Uhr

Kontakt- und Spendenmöglichkeit:
www.naturheilpraxis-ohne-grenzen.de

Autor:

Claudia Kornicki aus Essen-Borbeck

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