Ein Besuch bei der Essener Aidshilfe in Corona-Zeiten
Wenn Hilfe plötzlich schwierig wird!

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Für Menschen, die sich in einer Notlage oder Sondersituation befinden, sind sie ein wichtiger „Fels in der Brandung“ – die verschiedenen Hilfs- und Beratungsangebote der Stadt sowie von Vereinen und Hilfsorganisationen. Sie stehen mit Rat und Tat zur Seite, vermitteln weiterführende Unterstützung und schaffen Kontakte zu anderen Menschen in ähnlicher Lage! Die Essener Aidshilfe beispielsweise tut dies ausgesprochen erfolgreich – und das bereits seit über 35 Jahren… Die Corona Pandemie stellt hier alle - Mitarbeiter und Klienten - vor ganz neue Herausforderungen.

VON JULIA COLMSEE

„Das ist schon eine sehr spezielle Situation – keine Frage!“ Geschäftsführerin Daniela Flötgen und Maik Schütz aus dem Vorstand des Vereins haben den Stadtspiegel eingeladen, um genau darüber zu sprechen. 1985 ging die Aidshilfe in Essen an den Start – in einer Zeit als das Wissen über das HI Virus noch gering war, die Angst davor allerdings sehr groß und die Diagnose HIV-positiv einem Todesurteil gleichkam. Eine erste Selbsthilfegruppe gründete sich im „Café Pink Flamingo“ im Erdgeschoss der Varnhorststraße 17 und als Sterbebegleitung auf der M8 des Universitätsklinikums. Heute füllt das Angebot des Vereins ganze fünf Etagen und ist ausgesprochen vielfältig. Von der Beratungsstelle „Anker“, die Jugendliche und junge Erwachsene zu den Themen „Coming Out“ oder Transsexualität berät über den „Nachtfalken“, der Fachberatung für primär männliche Prostituierte, bis zu unterschiedlichen Wohnprojekten. „Wenn wir in den Anfängen eher eine Sterbebegleitung waren, dann verstehen wir uns jetzt als Lebensbegleiter für alle Altersgruppen. Auch Altenwohnheime und Betreutes Wohnen sind jetzt Thema!“, erklärt Maik Schütz zufrieden.
Heute – dank der medizinischen Weiterentwicklung – kommen 80Prozent der Menschen mit HIV mit ihrer Infektion gut zurecht und benötigen in ihrem Alltag keine Hilfe. Doch Angst, Vorurteile und Verunsicherung in der Bevölkerung führen auch heute noch dazu, dass Menschen aufgrund ihrer HIV-Infektion ausgegrenzt werden. „Machen Sie doch einmal selbst den Test: Wenn Sie das erste Mal bei einem Arzt sind kreuzen Sie das Kästchen HIV-positiv auf dem Anmeldebogen an. Die Reaktionen sind immer noch mehr als deutlich zu spüren! Die Angst vor Diskriminierung ist ein wesentlicher Faktor, warum Menschen sich nicht auf HIV testen lassen.“

"Nur wer von seiner Infektion weiß, kann von den Behandlunsgmethoden profitieren!"

Ein Drittel der HIV-Infektionen werden daher erst erkannt, wenn das Immunsystem schon stark geschädigt ist – wenn Aids also bereits ausgebrochen ist. „Nur wer von seiner HIV-Infektion weiß, kann von den Behandlungsfortschritten der Medizin profitieren“, fasst Daniela Flötgen zusammen.
Die Corona Pandemie und ihre Folgen treffen HIV-Infizierte an einem sehr empfindlichen Punkt. „Die Isolation, die Einsamkeit durch die Kontaktbeschränkungen sind für viele wie ein Déjà Vu. ‚Isoliert wurde ich schon einmal‘ – das hören wir sehr oft“, erklärt Maik Schütz. Gleichzeitig fallen die zwanglosen und dadurch auch sehr anonymen regelmäßigen Treffen weg. „Durch die gemachten Erfahrungen sind HIV-Erkrankte sehr auf ihre Anonymität bedacht – das kann man nachvollziehen! Das hat uns bei den erlaubten Treffen im Rahmen der Corona- und Hygienevorschriften vor Probleme gestellt. Alle Teilnehmer müssen auf Listen mit Namen und Anschrift eingetragen werden… das umzusetzen war nicht immer einfach! Aber auch dafür haben wir Lösungen gefunden – wichtig war sicherlich auch, dass alle Mitarbeiter die Regeln sehr klar und einheitlich kommuniziert haben.“ Trotzdem kämen natürlich deutlich weniger Menschen zu ihnen.

"Wir sind da und werden es auch nach der Pandemie sein!"

Eines ist Daniela Flötgen und Maik Schütz zum Abschluss des Gespräches wichtig: „Bereits vor der Pandemie hatten wir das Gefühl, dass das Thema HIV und Aids in der Öffentlichkeit immer weniger wahrgenommen wird. Klar – wir haben sehr große Fortschritte im Bereich der Behandlung und Medikation gemacht – das große Sterben hat aufgehört. Was wir aber nicht vergessen dürfen ist die Tatsache, dass in Deutschland immer noch weit über 80.000 Menschen HIV-positiv sind. Für die müssen wir da sein. Wir sind das und werden das sein – auch noch wenn diese Pandemie vorbei ist! Darauf können Sie sich verlassen!“

Autor:

Julia Colmsee aus Essen-Süd

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