Szenen einer Geburt

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Die Jesusfamilie aus der Toscana: Diese Krippenfiguren wurden aus gepresstem Alabastermehl hergestellt und handbemalt. Fotos: Debus-Gohl
 
Nicht immer muss die Geburtsszene still und erhaben dargestellt werden: Bei der Krippenlandschaft aus Palermo wird sizilianisch gefeiert.
Krippendarstellungen aus aller Welt auf dem Essener Krippenweg 2017

Zwischen Weihnachtsmarkt, Einkaufsstress und Lichterglanz zieht sich ein unsichbarer Weg durch die Innenstadt. Versteckt in Schaufenstern, draußen illuminiert oder mitten in den City-Kirchen warten unterschiedlichste Krippen darauf, von aufmerksamen Besuchern entdeckt zu werden. Eine Schatzsuche mit Anleitung.

Als Ausgangspunkt für den vom Arbeitskreis ESSEN.KRIPPENLAND entwickelten Krippenweg bietet sich der Willy-Brandt-Platz an. Vorbei an zwei traditionellen Krippenensembles gelangt der Krippenpilgerer dann zum Ausstellungszentrum rund um die Domkirche. Eine lebensgroße Open-Air-Krippendarstellung ruft die wichtigste Geschichte des Neuen Testaments neben Glühweinstand und Adveniathaus in Erinnerung. Gleich fünf Stalllandschaften sind in und um den Dom zu besichtigen.

Zentrum rund um die Domkirche

Die Volkshochschule, wenige Meter weiter, feiert das Weihnachtsfest auf internationale Art. Eine aus dunklem Holz geschnitzte Maconde-Krippe steht mitten im Foyer der VHS. Maconde nennt sich eines der über 400 Bantuvölker Süd- und Mittelafrikas, deren Schnitzkunst internationale Bekanntheit genießt. In den Krippen des im Grenzgebiet von Tansania und Mosambik lebenden Volkes sind neben der Jesusfamilie Antilopen und Schweine, Bananenstauden und Palmen zu finden.

Ungewöhnliches in der Nordstadt

Sehenswert sind des Weiteren die kreativen Krippenlandschaften in der nördlichen Innenstadt. So hat die Upcycling-Werkstatt der Wiederbrauchbar aus vermeintlichem Müll eine nachhaltige Krippenlandschaft gestaltet, in der die aus dem Keller des Franz-Sales-Hauses zum Vorschein gekommenen Krippenfiguren die Geburt des Heilands feiern.
Eine aus Naturhölzern gebastelte Krippe im Schaufenster des Unperfekthauses dürfte für einen ungewohnten Blick auf die Weihnachtsgeschichte sorgen. So werden Josef und Maria von einem Zauberer und einem Kapuzenmantel tragenden Figürchen ohne Gesicht verkörpert. Das Jesuskind liegt gar als rothaariger, vergnügt grinsender Troll im hölzernen Bettchen. Und ist das ein Fragezeichen aus gelbem Pfeifenputzer, das aus dem richtigen Blickwinkel betrachtet über der Krippe schwebt? Antwort können auch die vorbeischauenden heiligen Könige, Waldelf, Chamäleon und Einhorn, nicht geben.

Ausstellung in der Marktkirche

Eine gute Alternative zum Krippenweg, der bei Wind und Wetter durch Menschenmassen und Weihnachtsschlager führt, bietet die Marktkirche. Krippenlandschaften aus Malta, Nahost, Nordafrika oder Südeuropa treffen aufeinander in der Ausstellung "Kreuzfahrt rund ums Mittelmeer". Ägyptische Papyruskunst, eine perlmuttene Darstellung aus Bethlehem oder eine gut gelaunte Jesus-Gesellschaft in einem steinernen sizilianischen Hinterhof zeigen die Vielfalt, die die Geschichte des abendlichen 24. Dezember künstlerisch bietet.

"Vielseitig wie das Ruhrgebiet"

Einen schönen Gegensatz zur oft konsumdominierten Vorweihnachtszeit stellt der Essener Krippenpfad dar, der kostenlos besucht und erkundet werden kann. Dabei spiegelt der Krippenweg auch die Gesellschaft des Ruhrgebiets perfekt wider, ist sich Pfarrer Bernhard Alshut sicher. "Das Ruhrgebiet kann in dieser "Krippenlandschaft“ keineswegs fest eingeordnet werden wie andere Bereiche unseres Landes, etwa das Rheinland, Westfalen, Schwaben oder Bayern", meint der 70-Jährige. "Zu unterschiedlich sind die Bräuche, Gewohnheiten und Traditionen, die hier zusammengeflossen sind, bunt gemischt wie die Kulturen der Bevölkerung dieses Raumes."
Bis zum 6. Januar kann der aufmerksame Besucher noch 20 verschiedene Krippen in der Innenstadt erspähen. Oder er geht nach Plan vor, mit der Krippenwegkarte des Arbeitskreises, zu finden unter www.essen-krippenland.de
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