Endlich frei: Erst Kloster, jetzt Bühne!

Johannes Brinkmann so, wie man ihn kennt: bunt und fröhlich! | Foto: SBE
  • Johannes Brinkmann so, wie man ihn kennt: bunt und fröhlich!
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Bei einem Tässchen Kaffee lässt‘s sich gut plauschen? Wenn das Gegenüber Schauspieler Johannes Brinkmann heißt und aus seinem bewegenden (Schauspieler-)Leben erzählt, ist das aber viel mehr als ein Plausch.
Geradlinig war der bisherige Werdegang von Johannes Brinkmann bei weitem nicht. Mit seinem eigenen Stück „Ich, Michael, Hausfrau und Mutter“ begeisterte der Mime bis 2010 das „Studio“-Publikum und verrät in dem Theater-Solo ganz nebenbei viel von sich selbst.
Erste Schritte auf den Brettern, die für manchen die Welt bedeuten, macht Brinkmann schon in jungen Jahren. Denn nach seiner Ausbildung zum technischen Zeichner drückt er noch einmal die Schulbank und „baut“ auf dem zweiten Bildungsweg sein Abitur. Es folgt ein Theologiestudium, das ihn u.a. nach Rom führt. Nachdem er die ersten Gelübde abgelegt hat, überdenkt er aber nochmals seinen Entschluss, Ordenspriester zu werden. Zwar hat er im Kloster Hünfeld bereits auf der Bühne schauspielerisches Talent im Rahmen der Herbstfeste bewiesen, doch Schauspieler ist erst einmal nicht der Wunschberuf von Johannes Brinkmann. Er beginnt noch ein weiteres Studium - diesmal ein weltliches. Sozialpädagogik soll es nun sein und nachdem er jahrelang eine Behinderten-WG geleitet hat, ist er auch heute noch, neben seinem künstlerischen Wirken als Autor und Schauspieler, in diesem Bereich tätig. „Mit den Worten: Ich heiße Johannes, ich wasche Füße, begrüße ich meine Patienten heute“, lacht der sympathische Mime, der bei der Katholischen Pflegehilfe Essen arbeitet. Seine nun schon langjährige künstlerische Periode begann 1996 am Rüttenscheider „Theater Courage“.
Im Jahr 2000, nach seiner Courage-Zeit, schreibt er sein bislang größtes Werk, nämlich „Am Anfang war die Einheit“ - Uraufführung war 2001 in der Marktkirche.
2007 kommt Brinkmann schließlich an die Studio-Bühne Essen. „Kerstin Plewa-Brodam kannte ich schon lange. Wir hatten mal mehr und mal weniger Kontakt. Und eines Tages schrieb ich einfach eine E-Mail und erzählte, was ich gerade so mache - ich wollte die Kollegen hier einfach auf dem Laufenden halten.“ Dass dieses Lebenszeichen zeitlich nicht besser hätte kommen können, weiß der Blondschopf da noch nicht. „Hier wurde gerade ‚Bent - Rosa Winkel‘ inszeniert und man bot mir eine Rolle an“, erinnert sich Brinkmann. Er kam, spielte und blieb.
Bei den aktuell anstehenden Premieren lugt er wieder hinter dem Vorhang vor. In der schwedischen Komödie „Patrick Anderthalb“ ist er ganz in seinem Element. „Ich spiele einen Sozialarbeiter, der homosexuell ist. Das Paar bemüht sich um ein Pflegekind und bekommt Patrick. Der soll 1,5 Jahre alt sein, doch leider ist da in den Akten ein Komma verrutscht“, lacht Brinkmann. Bevor sich der Vorhang aber erstmals für „Patrick“ öffnet, hat Johannes Brinkmann einen weiteren großen Auftritt. Gemeinsam mit Kerstin Plewa-Brodam will er in „Noah“ vor allem Kinder mit auf eine abenteuerliche Reise nehmen. „Es ist für mich die schönste Art und Weise, einen Stoff so anzugehen, wie wir diese Thematik erarbeitet haben. Etwas kindgerecht aufzuarbeiten, macht wahnsinnig viel Spaß und wirft plötzlich auch ganz simple Fragen auf“, so Brinkmann. Gemeinsam mit Kerstin Plewa-Brodam verkörpert er das Ehepaar Noah, das auch mal in die Rolle von „Gott“ schlüpfen muss. Premiere feiert das Sprechtheater-Stück am kommenden Sonntag, 6. Februar, um 15 Uhr im „Studio“ an der Korumhöhe 11. Karten können unter Tel.: 55 15 05 reserviert werden.
Doch zurück zu Johannes Brinkmann: Ein Missionar wollte er einst sein - im theologischen Sinne. Ein Missionar ist er geworden, im unterhaltsamen Sinne. „Ich weiß, dass ich einen eigensinnigen Weg gegangen bin. Ich habe mich aber immer für wichtige Themen eingesetzt. Wenn ich irgendwann einmal von meinem künstlerischen Schaffen leben könnte, wäre ich wirklich dankbar“, resümiert er. Neben dem schauspielerischen Talent hat der bekennende Homosexuelle auch seine musikalische Ader bereits ausgelebt. Singen, Sprechen, Schreiben und Spielen sind sein Leben und das kann er nun ausleben, denn: „Ich bin endlich ganz frei!“, sagt Brinkmann. „Ich bin im positiven Sinne eben ein Till Eulenspiegel unserer Zeit!“

Autor:

Mareike Schulz aus Essen-Steele

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