Früher!

Unser Wohnzimmer mit Mutter und Tante, man beachte Radio, Lampe und Zigaretten Sputnik, damals der letzte Schrei
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  • Unser Wohnzimmer mit Mutter und Tante, man beachte Radio, Lampe und Zigaretten Sputnik, damals der letzte Schrei
  • hochgeladen von Gitte Hedderich

Früher!
Früher war die Welt viel kleiner!
Aufgewachsen bin ich in der Nachkriegszeit, ich denke die 50er Jahre kann man getrost dazu zählen. Zuerst wohnten wir, meine Eltern und ich, bei den Großeltern, in nur einem Zimmer.

Später bekamen wir dann eine drei Zimmer Wohnung in Essen-Werden. Wir waren schon gut dran, denn die Familie meiner Freundin unter uns besaß nur zwei Räume und oft kam noch die Großmutter zu Besuch und verbrachte dort einige Tage. Die Räume waren klein, 12 Quadratmeter jeweils. Mein Bett war die Schlafcouch im Wohnzimmer. Wenn meine Eltern am Abend Fernseh- schauten, musste ich mich herum drehen. Die Filme sah ich in der Scheibe des Wohnzimmerschrankes.

Essen-Werden. Wenigstens einmal im Jahr packt mich das Heimweh und ich muss wieder einmal dahin. Die alten Erinnerungsstätten besuchen, die alten Wege gehen. Auch wenn es sich sehr verändert hat.

Vor einiger Zeit nahm ich mir ein Herz und schellte bei der Tochter unserer damaligen Vermieter, der heute das Häuschen auf dem „Kaninchenberg“ gehört. Sie war sehr freundlich und bat mich hinein, in unsere alte Wohnung. Aus den drei Zimmerchen hat sie nun eines gemacht und ich war fassungslos, dass in diesem Raum einmal unsere ganze Familie gelebt hat. Das alte Plumpsklo im Garten wurde schon zu meiner Kindheit entfernt und durch eine Toilette auf dem Flur ersetzt.

Ein wenig packt mich die Wehmut, wenn ich an den Katzenkopfbelag in der Wigstrasse denke, die meiner Mutter machen Absatz kostete. Ebenso Kaffee Werntges, wo wir Samstags unsere Brötchen holten, was für uns das Wochenende einläutete und jedes mal ein Fest war. Die alte Markthalle in der oft frierend die alte Frau Melchert Obst verkaufte und daneben Unteregge, die Drogerie, in der es immer so gut roch. Auch an Haiti erinnere ich mich, hier gab es losen Kaffee und es roch herrlich dort. Die alte Frau Ophoff mit ihrem „Klümpkesladen“, die immer so großzügig zu uns Kindern war, lang lang ist es her. Die Eiergasse, in der später in den 60ern die ersten Gastarbeiter Familien wohnten. Unter unserer Heckerschule befand sich die öffentliche Badeanstalt, auch wenn sie heute lange geschlossen hat, es gibt sie noch. Der alte Hutladen, Kinzius Keuthen und der Milchladen in der kleinen Passage in dem es lose Milch gab.

Damals, ja damals seufz. Über ein halbes Jahrhundert ist es her und kaum einer vermag sich heute das Leben in so einem Dörfchen vorzustellen. Essen, die Großstadt zu der Werden gehört war so weit weg. Heute ist man in zehn Minutentakt mit der S Bahn zügig dort. Damals fuhr man allenfalls in der Vorweihnachtszeit dorthin und es war immer ein Abenteuer, wenn ich meine Großmutter zu den Einkäufen begleiten durfte. Werden war eben Heimat, dort war man und blieb man, isoliert, aber auch geborgen. Einige Fotos habe ich noch, die ich heute manchmal mit Wehmut betrachte. Nein, sicher war es nicht so komfortabel wie heute und ganz sicher möchte ich keine rußigen Ofen mehr heizen, aber dennoch.................

Autor:

Gitte Hedderich aus Herten

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