„Ich will malen“

Der menschlichen Figur widmet sich Künstler Eberhard Bitter. 
Foto: Bangert
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  • Der menschlichen Figur widmet sich Künstler Eberhard Bitter.
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Eberhard Bitter stellt Malerei und Zeichnung im Kulturverein „kunstwerden“ aus

Eine beeindruckende Tanz-Zeichen-Performance. Die Tänzer verschmelzen miteinander, reißen sich voneinander fort, „kleben“ am Partner, trennen sich und finden erneut zusammen.

Die Tänzer Jöelle Valterio und Rolf Schulz entdecken den Raum der kleinen Bühne des Werdener Kulturvereins „kunstwerden“. Jan Arlt begleitet sie am Piano, der Künstler Eberhard Bitter beobachtet genau und wirft fiebrige Tuschestriche aufs Blatt. Zur Eröffnung der Ausstellung „Malerei und Zeichnung“ hatte sich Bitter genau diesen Zugang zu seinem Werk gewünscht: „Bei der Tanz-Improvisation werden Normen von Körpersprache unorthodox und unkonventionell gebrochen. Tänzer bewegen sich im Raum aufeinander zu und distanzieren sich wieder. Damit kann man spielen. Tanz spielt eine wichtige Rolle. Ich interessiere mich sehr für Körpersprache. Mitunter drehe ich beim Tatort den Ton ab und beobachte nur. Höchst interessant.“

Die menschliche Figur

Der Künstler Eberhard Bitter setzt immer wieder die menschliche Figur in Szene. Für ihn ist Tanz mit seiner ganz eigenen Dynamik ein inspirierender Faktor für seine Bildwelten. Aber nie ist es „nur“ Tanz. Vielmehr geht es um Grundlegendes, um Halten und Loslassen, um den Kampf der Geschlechter, um Liebe und Gewalt. Tänzerisch verdrehte Figuren in höchster Dynamik, die durch nervösen Tuschestrich oder geradezu ekstatische Pinselführung widergespiegelt werden. Eberhard Bitter wagt und versteht es, den Moment einzufangen. Seine Köpfe sind fast schon verspielte Charakterstudien, ihm gelingt ein grandioser Hahnenkampf, der mit seinem Titel „Vorteil“ frei assoziieren lässt. Kleinformatige Editionen verhelfen zu einem Einstieg in das Bittersche Schaffen. Überhaupt werden bei kunstwerden seine Zeichnungen gleichberechtigt präsentiert zu den sehr farbintensiven Gemälden. Der gelernte Buchbinder und studierte Grafikdesigner hatte eine frühe Initialzündung: „Schon als Kind und später als Jugendlicher habe ich gerne gemalt. Aber ich wollte groß zur See fahren.“ Und wirklich hat Bitter Seeluft geschnuppert, doch das Wahre war es nicht. Auch das Grafikdesign ließ ihn zweifeln: „Das ist oft Akkordarbeit für schnelle Werbeergebnisse. Das war auch nicht mein Ding.“ Ein Film über naive Maler aus Jugoslawien ließ den Funken überspringen: „Ich will malen.“

Virtuos und kraftvoll

Bitter versteht es virtuos und höchst kraftvoll, die Ausdruckstärke menschlicher Bewegung festzuhalten. Deswegen hat er sich für das Künstlergespräch am 3. Dezember das Thema „Ist die Darstellung des Menschen in der Kunst heute noch zeitgemäß?“ auserkoren: „Anfangs dachte ich, ich müsse mich für mein Tun rechtfertigen.“ Die Darstellung des Menschen in unterschiedlichen Formen von Kommunikation ist das Grundthema: „Figürlich zu malen, das liegt mir. So möchte ich mich ausdrücken.“ Bitter nennt Vorbilder wie Willi Sitte, Bernhard Heisig, Otto Dix, fand aber seine ganz eigene Richtung: „Man muss aufpassen, dass man nicht bloß Kopien abliefert.“ Sein expressiver Malduktus könnte dazu verleiten, hier einen völlig entrückten Künstler zu vermuten. Doch Bitter will nicht so recht dem Klischee entsprechen und sieht sich eher bodenständig: „Ich stehe früh auf, wie ein Handwerker. Durch das Tun kommen mir die Ideen. Ich bin kein Künstler, der zwei Monate nichts tut und nur Rotwein säuft.“
Die Ausstellung ist bis zum 22. Dezember zu sehen, am Freitag von 18 bis 24 Uhr, am Sonntag von 15 bis 18 Uhr. Die Räume von „kunstwerden“ befinden sich in den Werdener Toren an der Ruhrtalstraße 19. Am Sonntag, 3. Dezember, gibt es ab 16 Uhr in der Ausstellung ein Künstlergespräch mit dem Thema „Ist die Darstellung des Menschen in der Kunst heute noch zeitgemäß?“.

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