„Das Schweigen der Hämmer“ von der Werdener Autorin Alexandra Peiper
Apokalypse Bau

In ihrem Buch „Das Schweigen der Hämmer“ schrieb Alexandra Peiper höchst amüsant Pleiten, Pech und Pannen auf. 
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  • In ihrem Buch „Das Schweigen der Hämmer“ schrieb Alexandra Peiper höchst amüsant Pleiten, Pech und Pannen auf.
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Es sollte ein Sachbuch werden. Es wurde eine hinreißend geschriebene amüsante Geschichte, die mit so manchem Missverständnis aufräumt. Nein, Architekten müssen nicht zwingend gute Menschen sein. Nicht einmal besonders gut organisiert. Und Bauunternehmer wollen auch nur an dein Geld.

Selten war die Anmerkung „diese Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit“ derart unglaublich. Denn was sich da höchst vergnüglich liest, gleicht einem diabolischen Kompendium aller auch nur irgendwie denkbaren und auch undenkbaren Pleiten, Pechattacken und Pannen der so ganz eigentümlichen Welt der Altbausanierung und ihrer „Fachleute“. Das kann nicht alles nur einer einzigen Familie passiert sein. Nicht. Nie. Never. Doch da schlägt Alexandra Peiper fast schon trotzig die Augen auf und gesteht: „Ist echt so gewesen. Ich musste mir wenig ausdenken. Leider. Würden wir jetzt auch besser machen. Zumindest vielleicht…“

Überforderte Bauherren

Ja klar, sagt der Leser und kichert. Wer ist schon dermaßen naiv? Wenn völlig baufachwissensfreie und daraufhin schnell überforderte Bauherren ihr Traumhaus kernsanieren und zur kuscheligen Familienhöhle umbauen wollen, warten jede Menge Fallstricke. Es droht der Verlust wertvoller Lebenszeit und der allerletzten Nerven. Es türmen sich unfassbare Katastrophen, die Alexandra Peiper volle Kanne mitgekriegt hat. Alles nur, weil ihr Göttergatte eines Abends plötzlich rief: „Das ist es! Ich habe unser Haus gefunden!“ Die Journalistin war mit Sack und Pack ins Ruhrgebiet gezogen, weil der Ehemann eine neue Stelle angenommen hatte. Nach Jahren zur Miete sollte ein Eigenheim her. Schwierig die Suche, unanständig die Preise, verzweifelt die Lage. Dann eben nicht, hatten sich die Eheleute eingestanden. Und dann drängelte sich dieses Haus in ihr Leben. Baujahr 1929, beste Lage, fast schon im Grünen, doch auch zentral, mit viel Platz für die gar nicht mal so kleine Familie und einem verwunschenen Lieblingsgarten. Verhältnismäßig günstig zu erwerben. Kurzum: Das Traumhaus. Wenig später kam jedoch ein „Alp“ dazu. Bis der extreme Dauerstress zu einer „Männer-Frauen-Baustelle“ führte. Vorsicht Spoileralarm: Die Peipers sind weiterhin glücklich verheiratet. Sogar miteinander.

10.000 Liter

Was die Autorin alles durchmachen musste? Lesen Sie selbst. Hier nur ein oder zwei oder drei Appetithäppchen: Natürlich war allen auf der Baustelle klar, dass die Sanitärleute im Dachgeschoss die Wasserleitungen abmontiert hatten: „Sie müssen jetzt wirklich nicht davon ausgehen, dass nur Idioten für Sie arbeiten.“ Übersetzt heißt das: „Gott, für wie blöd hält uns die Mutti eigentlich?“ Nach einer Dreiviertelstunde wurde dann bemerkt, dass bereits 10.000 Liter aus dem Dachgeschoss bis ins Erdgeschoss geflossen waren. Auch lustig, zumindest aus Sicht Außerstehender: ein WC-Anschluss wurde so verlegt, dass sich das Klo auf dem Flur befunden hätte. Wer’s mag. Lag wohl daran, dass die Grundriss-Zeichnungen des Hauses schlicht und einfach nicht stimmten und das auch keiner überprüft hatte. Warum aber der Elektriker den Sicherungskasten falsch herum eingebaut und angeschlossen hat? Vielleicht mieses Karma? Klar ist das alles pointiert und auch überspitzt geschrieben. Alexandra Peiper lacht über sich selbst und lässt uns netterweise mitlachen. Das befreit.

Leidensgenossen

Nach und nach kamen die Peipers mit immer mehr Leidensgenossen ins Gespräch, die sich gegenseitig übertrafen in Horrorgeschichten über ihren Hausbau. Ein Führer „Bauen für Dummies“ wäre doch schön, dachte sich Alexandra Peiper. Doch dann wurde es ein beschwingt und intelligent geschriebenes Buch für Tragödienliebhaber, Komödienfans, Katastrophenvoyeure und all‘ die anderen Bauopfer da draußen: „Man verzweifelt. Wirklich.“ Alexandra Peiper hat’s aber irgendwie überlebt und findet ihr Haus so richtig schön. Schmunzeln kann sie mittlerweile über ein paar verbliebene Relikte der konfusen Sanierung. Das Vordach fehlt bis heute, der Sicherungskasten ist immer noch kopfüber montiert, die Kabel für irgendwann anzubringende Außenlampen baumeln weiter herunter. Doch die Werdenerin ist zufrieden mit sich und ihrer nun wieder heilen Welt. Sie weiß ja jetzt, was die kryptischen Kürzel PAK und HOAI bedeuten. Und hält Tipps für zukünftige Bauherren bereit: Von „Bereitet euch auf alles vor“ über „mit mündlichen Vereinbarungen kommt du sowieso nicht weiter“ bis hin zu „gesunder Menschenverstand reicht da nicht“.

„Das Schweigen der Hämmer“ von Alexandra Peiper ist im Penguin-Verlag erschienen und für zehn Euro im Buchhandel erhältlich. Das Taschenbuch hat 352 Seiten und die ISBN: 978-3-328-10489-6.

In ihrem Buch „Das Schweigen der Hämmer“ schrieb Alexandra Peiper höchst amüsant Pleiten, Pech und Pannen auf. 
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Die Werdener Autorin Alexandra Peiper präsentiert ein Bleiglasfenster mit der Ansicht ihres Traumhauses. 
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Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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