Jugendbuchautor Rüdiger Bertram stellte im Gymnasium Werden sein Buch „Der Pfad“ vor
Ein leibhaftiger Schriftsteller

Kinder- und Jugendbuchautor Rüdiger Bertram stellt sein Werk „Der Pfad“ vor. 
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Sein Lieblingsbuch? Das wären dann wohl die Geschichten von Winnie der Pu im Hundertsechzig-Morgen-Wald. Was denkt er, wenn er seine Bücher in einer Bibliothek stehen sieht? Verblüffende Antwort: „Doof. Warum hat die keiner ausgeliehen?“

Das Gymnasium Werden hat zu einer Autorenlesung eingeladen. Der Kinder- und Jugendbuchautor Rüdiger Bertram stellt Werk „Der Pfad“ vor, welches die Flucht eines Kindes vor den Nazis thematisiert. Die Veranstaltung wendet sich an das 6. Schuljahr und ist Auftakt zum Vorlesewettbewerb, an dem die Sechstklässler selbst teilnehmen werden. Schulleiterin Felicitas Schönau dankt Buchhändler Thomas Schmitz, der diese Lesung ermöglichte, und ruft ihren Schülern zu: „Heute erlebt ihr etwas Besonderes. Wir haben hier leibhaftig jemanden vor uns, der Bücher schreibt. Ein wirklicher Schriftsteller.“

Als Autor reich werden?

Die Schüler fragen diesem ganz realen Schriftsteller Löcher in den Bauch: „Was verdient denn so ein Autor?“ Rüdiger Bertram nimmt ihnen gleich mal alle Illusionen: „Macht das bloß nicht nur deswegen, um reich zu werden. Das wird nix. Nicht Jeder ist Joanne K. Rowling.“ Nein, so eine lukrative Geschichte wie die um Harry Potter ist ihm nicht eingefallen. Aber so an die 70 Bücher sind schon seiner Feder entsprungen. Sein allererstes Buch handelte von einem Jungen, der Thelonious heißt. Was für ein Name. Die Mutter ist wohl Jazzfan und wollte dem großen Pianisten Thelonious Monk huldigen. Doch ob ihr Sohn mit diesem Namen glücklich wird? Auf jeden Fall war Rüdiger Bertram zu seinem ersten Werk inspiriert. Er reist gern und viel, schrieb so zum Beispiel aus erster Hand über Knastkinder auf den Philippinen. Macht Bücher zu schreiben eigentlich Spaß? „Nun ja, es ist wie in jedem Beruf. Es gibt Tage, da läuft es. Es gibt Tage, da fällt mir nix ein. Damit mir nicht langweilig wird, schreibe ich erst ein Buch für Fünfjährige und dann eines für Jugendliche.“ Für den Pfad bekommt Bertram übrigens 90 Cent ab vom Verkaufspreis. Das ist aber wenig, staunen die Schüler. Dennoch: „Seit sieben Jahren kann ich vom Schreiben leben. Ich werde davon nicht reich, aber ich führe ein gutes Leben.“

Spannender Abenteuerroman

Im Gepäck hat dieser Schriftsteller ein Buch: Der Pfad. Zwei Jungen, ein Hund namens Adi und ein verfolgter Schriftsteller sind die Zutaten zu einem spannenden Abenteuerroman, der auf anschauliche Weise die prekäre Lage deutscher Exilanten während der Flucht vor den Nazis schildert. Das Jugendbuch bietet einen tiefen Einblick in die verzweifelte Situation deutscher Flüchtlinge im südlichen Frankreich. Sie harren aus, zum Beispiel in Marseille. Ihr Ziel ist das Erreichen der iberischen Halbinsel, weil man von dort aus in die USA flüchten kann. Um die politische Lage von 1941 zu verdeutlichen, griff Bertram zu einem Kniff und ließ Heribert Schulmeyer auf zwei Doppelseiten eine kurze Einführung in die damalige Zeit in Form eines Comics zeichnen: Machtergreifung, Bücherverbrennungen, die Wehrmacht fällt in Frankreich ein. Ursprünglich als Drehbuch für eine Verfilmung angelegt, ist sein Werk inspiriert von Lisa Fittko, die als Widerstandskämpferin gegen die Nazis unter Lebensgefahr zur Fluchthelferin wurde. auf einem Weg, den Tausende Emigranten gingen, zum Beispiel der Schriftsteller Heinrich Mann. Über die Gebirgskette der Pyrenäen führt ein schmaler Ziegenpfad, den Schmuggler und Schleuser nutzen. Wer die Grenze nach Spanien überquert, ist wahrscheinlich gerettet. Gefahren drohen, der Hund verschwindet, Vater Ludwig wird verhaftet. Die beiden Knaben Rolf und Manuel kommen sich näher.

Der klügste Kopf Europas

Rüdiger Bertram ist ihn selbst gegangen, diesen „Chemin Walter Benjamin“. Diesen Weg im Gedenken an den Philosophen Walter Benjamin: „Der klügste Kopf seiner Zeit in ganz Europa. Aber Jude. Und herzkrank. Er ist diesen Weg auch gegangen.“ Die Flucht scheiterte jedoch und endete tragisch mit einem Selbstmord. Die Aktentasche mit Manuskripten verschwand spurlos. Walter Benjamin nahm also das Geheimnis seines letzten Buches mit ins Grab. Auch das Ende seiner Story möchte Bertram hier und heute nicht verraten. Nur so viel: „Ich hatte mir ein Happy Ending überlegt. Aber Millionen von Menschen sind damals gestorben, da kann ich kein rosarotes Zuckerwatten-Ende machen.“

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