In der Werdener Kita Pusteblume macht Simone Findt gute Miene zum bösen Virus
Kinder dürfen nicht die Verlierer werden

Simone Findt von der Werdener Kita Pusteblume hat das Lächeln nicht verlernt.
Foto: Henschke
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Der kleine Knirps klebt am Zaun und winkt ein wenig traurig seinen Freunden. Die sind zurzeit in der Notbetreuung der Werdener Kita Pusteblume und für ihn unerreichbar.

Einrichtungsleiterin Simone Findt sieht die Szene, ist berührt und lächelt. Glücklicherweise hat sie das noch nicht verlernt. Denn auch wenn sich am 2. Mai der Einzug ihrer Kita „Pusteblume“ in ihrem Neubau zum dritten Mal jährt, zu feiern gibt es gerade wenig an der Heckstraße. Findt muss gute Miene zum bösen Virus machen: „Ich arbeite gerne strukturiert und das geht aktuell überhaupt nicht. Wir schweben geradezu in einem unsicheren Zustand. Die Welt ist total gespannt und emotional. Wir alle spüren die Auswirkungen. Das gilt auch für unsere Kinder. Wir erklären ihnen, dass es da eine Krankheit Corona gibt. Und damit nicht mehr Leute krank werden, müssen wir alle vorsichtig sein und bestimmte Dinge nicht tun.“ Was sind die häufigsten Fragen der Kinder? „Wann ist Corona vorbei? Wann kommen meine Freunde wieder in die Kita?“

Notbetreuung

Ab dem 16. März ist die Kita geschlossen und nur Notbetreuung angesagt, anfangs mit vier Kindern. Deren Eltern waren Schlüsselberufen zugeordnet. Die Kriterien wurden nach und nach ausgeweitet, inzwischen werden 18 Kinder in drei Gruppen betreut. Das ist ein gutes Fünftel der insgesamt 98 Pusteblümchen. Wohlgemerkt nicht die gewohnten Gruppen, nicht die gewohnten Erzieherinnen. Die drei Notgruppen sind räumlich getrennt und dürfen sich nicht begegnen. Auch nicht auf dem glücklicherweise großen Außengelände, sagt Findt: „Wir sind eigentlich eine teiloffene Einrichtung. Diese Trennung kennen unsere Kinder nicht.“ Kinder brauchen Nähe, wollen getröstet, auf den Arm genommen werden: „In der Kita gibt es keinen Abstand. Kinder können nicht Distanz halten. Wir arbeiten auch ohne Mundschutz, da sehr viel über die Mimik läuft.“ Da stelle man sich schon Fragen: „Was wird hier von uns erwartet? Der Wunsch ist schon da, Kindern und Eltern zu helfen. Aber wer schützt uns?“ Von den 17 Mitarbeitern gehören drei zur sogenannten Risikogruppe und bleiben zuhause, die anderen arbeiten in 14-tägigen Schichten: „Wir setzen Putz- und Hygienepläne um, arbeiten in ständig wechselnden Dienstplänen. Das macht uns Stress und das spiegeln wir unwillentlich auch den Kindern wider.“

Gerüchte um Öffnung

Eine Sorge treibt die engagierte Kitaleiterin um: „Die Kinder dürfen nicht die Verlierer der Coronakrise werden.“ Simone Findt versorgt die Eltern per Mail mit einem regelmäßigen Newsletter, verschickt aber auch Bastelanregungen, Backrezepte, Lieder zum Singen daheim. Es gibt erfreute Rückmeldungen, manche Kinder senden mit viel Liebe gemalte Bilder zurück. In Corona-Zeiten fallen die Kitas als einer der „Erstmelder“ bei drohender Kindeswohlgefährdung aus. Das ist nun in Werden jetzt nicht so gravierend, in anderen Stadtteilen aber sehr wohl. Die ganz normalen Probleme einer Leitung sind natürlich geblieben. Zum Beispiel die Platzvergabe, die immer wieder Eltern zu exaltierten Reaktionen verführt. Zwischen Schmeicheln und Beschimpfen ist alles dabei: „Wir konnten 23 Zusagen geben, mussten aber gleichzeitig 120 Absagen erteilen. Das macht keinen Spaß.“ Der Elternabend für die Neuen fällt aber erst einmal aus: „Ich mache zurzeit auch keine neuen Termine. Es gibt zwar Gerüchte, dass Kitas demnächst wieder öffnen sollen, aber da bin ich inzwischen vorsichtig geworden.“

Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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