Junge Werdener lernen auch zuhause mit ganzer Leidenschaft
Schule zuhause klappt ganz gut

Auch so kann Schule funktionieren: Die 7c präsentiert ihre neue Lektüre im digitalen Unterricht.
  • Auch so kann Schule funktionieren: Die 7c präsentiert ihre neue Lektüre im digitalen Unterricht.
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Und plötzlich findet der Unterricht wieder im Kinderzimmer statt. Eine ungewohnte und zugleich leider auch schon vertraute Situation, die nun von Millionen Menschen erneut gemeistert werden muss. In Werden begegnen sowohl Lehrer als auch Schüler dem Homeschooling jedoch recht entspannt.

Felicitas Schönau, Schulleiterin des Werdener Gymnasiums, resümiert: „Wir haben aus dem letzten Jahr gelernt und uns technisch, methodisch und sozial so auf digitalen Unterricht vorbereitet, dass wir unsere Schülerinnen und Schüler gut abholen können. Natürlich ist Unterricht per Webcam nie so nah und persönlich wie die Begegnung in der Schule, aber inzwischen ein fast adäquater und vor allem sicherer Ersatz in diesen Zeiten geworden.“

Welcher Unterrichtsstil?

Statt die Tafel zu beschriften, teilen nun also die Lehrer ihren Bildschirm, statt zusammengeschobenen Tischen gibt es Gruppenarbeit in digitalen Einzelräumen. Insgesamt besteht die Herausforderung momentan darin, den jeweils passenden Unterrichtsstil zu finden. Lea Dropmann, Referendarin am Werdener Gymnasium, betreut derzeit die Klasse 7c im Fach Deutsch und leitete bereits vor den Weihnachtsferien ein Unterrichtsarrangement ein, welches sich nun als besonders fruchtbar erweist: „Die Klasse und ich lesen gemeinsam das Buch „Krabat“, das wir in Form einer betreuten Freiarbeit behandeln werden“, wie Dropmann erklärt. So legen die Schüler eine digitale Arbeitsmappe an und wählen eigenständig aus einer bunten Mischung an kreativen, kontextualisierenden und analytischen Aufgaben aus. Damit die Schülerinnen und Schüler während der Arbeit nie auf sich gestellt sind, beginnt und endet jede Stunde trotzdem mit einer Videokonferenz, in der Fragen geklärt werden können. „Zusätzlich haben wir auch individuelle Gesprächstermine per Videokonferenz mit allen Schülerinnen und Schülern ausgemacht, in denen wir den aktuellen Stand der Arbeiten einzeln besprechen können“, ergänzt Dropmann.

Klappt das auch mit Reli?

Während Fächer wie Deutsch oder Mathematik so gut umgesetzt werden können, stellt sich bei eher persönlich-emotionalen Fächern wie Religion oder gar physischem Unterricht wie Sport die Frage: wie soll das digital gehen? Auch der Religionsunterricht, der sonst vom sehr direkten und nahen Austausch über das (Innen)leben und gesellschaftliche Themen lebt, steht vor einer Herausforderung, da der vertraute und gewohnte Raum fehlt. Aber auch hier finden sich spannende neue Unterrichtsmöglichkeiten, wie Religionslehrer Christopher Wodopia erklärt: „Als ich mit meiner zehnten Klasse das neue Thema Ethik begonnen habe, war ich zunächst eher skeptisch, wie gut sich diese Einheit digital umsetzen lässt, da das Thema zum einen recht abstrakt sein kann und zum anderen von Diskussionen lebt. Tatsächlich funktioniert es nicht nur gut, sondern die Situation bietet sogar ungewohnte und bereichernde Möglichkeiten“. So können digitale Gestaltungsmöglichkeiten genutzt werden, die im regulären Unterricht gar nicht möglich wären. Um etwa den schwer fassbaren Begriff des Gewissens zu erfassen, teilen sich drei SchülerInnen nach der Lektüre von Kant und Jung einfach den Bildschirm und zeichnen zunächst den abstrakten Begriff gemeinsam und live im Zeichenprogramm des Computers. „Und auch die Coronapandemie selbst bietet sich als Thema an, wenn man z. B. ethische Fragen wie die Reihenfolge des Impfens diskutiert“, ergänzt Wodopia.

Sport im Kinderzimmer

Dass es Wege gibt, sogar den Sportunterricht ins Kinderzimmer zu holen, beweist Alexandra Claassen, Sportlehrerin am Werdener Gymnasium. Die Umstellung auf den Sportunterricht digital schien zunächst eine Herausforderung zu sein, erwies sich aber als gar nicht so komplex, wie Frau Claassen berichtet: „Mir war wichtig, auch die Bewegung in die Zimmer der Schülerinnen und Schüler zu holen und dies möglichst mit Bezug auf ihren momentanen Alltag zu gestalten. So beschäftigen wir uns nun mit den Faktoren Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit und versuchen dies mittels Übungen zu Hause umzusetzen. Dabei versuchen wir stets einen Bezug herzustellen, indem wir beispielsweise schauen, welche Muskulatur durch das Homeschooling besonders beeinträchtigt ist und wie wir diese durch gezielte Übungen entlasten oder stärken können. So kann auch die Rückenschule für jüngere Schülerinnen und Schüler plötzlich spannend werden. Gemeinsam erstellte Playlisten mit Songwünschen unterstützen dabei zusätzlich die Motivation. In der Oberstufe beschäftigen wir uns individuell zusätzlich mit Fitnessvideos (Youtube/ Apps) und versuchen, diese mittels gemeinsam erarbeiteter Prinzipien der richtigen Trainingsgestaltung zu beurteilen. Auch so entsteht plötzlich ein Lebensweltbezug und die Bewegung kommt nicht zu kurz.“

Blick in die Zukunft

Auch der Blick in die Zukunft ist positiv, denn mit zunehmender Auseinandersetzung mit dem digitalen Unterrichten werden die Lehrer auch immer weitere Wege finden, ihre Zöglinge noch besser zu erreichen. Auch wenn Homeschooling also nie die unmittelbare Wirkung und Wärme von „echtem“ Unterricht haben kann und viele soziale Faktoren fehlen, sind die Werdener SchülerInnen weiterhin so nah wie möglich in das klassische Unterrichtsgeschehen eingebunden.

Autor:

Lokalkompass Essen-Werden aus Essen-Werden

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