OB Thomas Kufen über Bauen, Verkehr und Zusammenhalt
"Daumen drauf, wenn's sein muss"

Rede und Antwort stand das politische Oberhaupt der Stadt beim Gespräch im Medienhaus.
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Thomas Kufen hat Lust, Oberbürgermeister zu bleiben. "Ich bin bis jetzt immer sehr gerne zur Arbeit gegangen, auch wenn die Themen des Tages herausfordernd sind", sagt der 47-jährige CDU-Politiker. Trotz Krankenhaus-Krise im Norden, Kaufhauskrise in der Stadtmitte und Corona in ganz Essen, möchte man hinzufügen. Wie wichtig ihm Werden, Fischlaken, Heidhausen und Kettwig sind, erklärte er im Gespräch mit unserer Redaktion.

 Die Herausforderungen, vor die der Virus das Gemeinwesen stellt, wiegen schwer. Und Kufen rechnet nicht mit baldiger Entwarnung. Die "Anderthalbmetergesellschaft" werde uns noch eine ganze Zeit lang beschäftigen. "Was ich in meinen Gesprächen mit der Universitätsmedizin Essen erfahren habe, ist sehr ernüchternd", gibt er zu bedenken. "Es ist bisher noch nie gelungen, einen wirksamen Impfstoff in weniger als zehn Jahren zu entwickeln."

Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Für AIDS gibt es nach weit über 30 Jahren intensiver Forschung noch immer keinen. "HIV ist hierzulande zwar heute durch teure Medikamente kein Todesurteil mehr, aber von Heilung kann keine Rede sein." Mut machen ihm die vielen Beispiele gesellschaftlichen Zusammenhalts in der Krise. Ihm nötigt Respekt ab, in welcher Geschwindigkeit und mit wie viel Ausdauer in Werden und Kettwig Nachbarschaftshilfe auf die Beine gestellt wurde.

Herausforderungen

"Ich denke, wir haben in der Krise lernen können, wie entscheidend Zusammenhalt ist. Das stimmt mich zuversichtlich im Hinblick auf andere Herausforderungen. Wir müssen der Vereinsamung im Alter und Egoismen einzelner entgegenwirken." Kufen gibt zu: "Wir brauchen gute Möglichkeiten für Menschen sich zu treffen. Das gilt insbesondere auch für Stadtteile mit einer ausgeprägten Vereinskultur. Räumlichkeiten zur Begegung sind Mangelware geworden. Aber das Potenzial ist da."
So entschieden Kufen derlei Entwicklungen begrüßt, so abwartend steht er Bewegungen im Immobiliensektor gegenüber. "Bebauung muss sich immer in die Landschaft einfügen", sagt der Oberbürgermeister mit Blick auf das Icktener Bachtal. Schließlich wurde das Gelände des ehemaligen Tennisplatzes aus dem Regionalen Flächennutzungsplan entlassen. Aber: "Die Prüfung von Bebauungsmöglichkeiten in Ickten liegt nicht ganz oben auf unserem Arbeitsprogramm. Da gibt es Projekte in Essen, die höhere Priorität haben."

Besondere Aufmerksamkeit

Auf großes Interesse stoße, was sich entlang der Heidhauser Straße tut. "Heidhausen sucht regelrecht nach einer Mitte. Hierbei werden wir gerne unterstützen." Filetgrundstücke wie der ehemalige Fußballplatz am Volkswald oder das Gelände, auf dem das Übergangswohnheim im Löwental stand, verdienten besondere Aufmerksamkeit.
"Das Gelände am Volkswald fordert die Planer besonders heraus.
Das müssen wir uns genau ansehen." Vieles war hier schon im Gespräch: Tennis, Jugendwerk, Mountenbiker, Bogenschützen. Letztendlich ist aus allen Plänen nichts geworden und das Gelände rottet vor sich hin...

Neue Kindertagesstätte

Dass sich viele mit einem Hotel im Löwental anfreunden konnten, kann Kufen nachvollziehen. Trotzdem hat er sich für den Bau einer neuen Kindertagesstätte durchgesetzt. "Für ein Hotel hätten wir das Grundstück an einen Investor verkaufen müssen. Und das hätte bedeutet, dass es nicht mehr öffentlich zugänglich wäre. Und da wir dringend mehr Kindergartenplätze brauchen, war das für mich eine logische Entscheidung."
Im Zweifel müsse eben die Kommune den Daumen drauf halten, so wie beispielsweise beim Park hinter der Villa Ruhnau in Kettwig. Zum Bau selbst meint er: "Wir brauchen identitätsstiftende Architektur. Und die sehe ich hier." Deshalb wurde vor geraumer Zeit eine erneute Denkmalschutzprüfung eingeleitet. Allerdings könne auch nicht immer alles bleiben wie es ist. "Essen ist wieder eine wachsende Stadt. Dementsprechend benötigen wir auch zusätzlichen Wohnraum", so Kufen.

Rücksichtsloses Verhalten

Ein großes Problem stellt für den Oberbürgermeister das rücksichtslose Verhalten einiger Zeitgenossen dar. "Wir haben festgestellt, dass sich Leute zunehmend an gemütlichen Plätzen beispielsweise zum Grillen treffen, aber anschließend ihren Müll nicht mitnehmen. Zudem verrichten sie ihre Notdurft vor Ort, so dass eine Belästigung entsteht, die wir so nicht mehr hinnehmen wollen. Daher haben wir den Ordnungsdienst personell verstärkt, um dieser Entwicklung Einhalt bieten zu können. Zudem werden wir im gesamten Stadtgebiet Grillzonen ausweisen, die dann auch entsprechend ausgestattet sind. Ich bin eher ein Angebots- als Verbots-Politiker."

Verkehrswende

Eine weitere große Aufgabe stellt die Verkehrswende dar. "Der öffentliche Personennahverkehr ist einer der großen Verlierer der Corona-Krise. Wenn es geht, meiden die Bürger derzeit Busse oder Bahnen", so Kufen. "Aber ohne einen starken ÖPNV gibt es keine Verkehrswende."
Als "Brot- und Buttergeschäft" sieht Thomas Kufen die Schulinfrastruktur in Essen, und auch hier besteht noch jede Menge Handlungsbedarf. "Viele Schulgebäude im gesamten Stadtgebiet sind in keinem guten Zustand. Das zu ändern, steht weiter auf unserer Agenda. Aber es kommen coronabedingt auch neue Herausforderungen auf uns zu, wenn die Schüler nicht mehr im Klassenraum unterrichtet werden, sondern zu Hause ihren Lernstoff erarbeiten müssen.
Das sind in manchen Familien die nötigen digitalen Voraussetzungen einfach nicht vorhanden. Auch damit müssen wir uns in der heutigen Zeit beschäftigen."

Autor:

Nina van Bevern aus Essen-Werden

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