Lernen durch Emphatie

Missio-Aids-Truck zu Besuch bei den Schülern des Mariengymnasiums

Weltweit leben 33,3 Millionen Menschen mit der Immunschwächekrankheit Aids. Besonders betroffen sind davon die Entwicklungsländer südlich der Sahara. „Je ärmer die Länder, um so mehr hat sich dort in der Regel auch die Krankheit ausgebreitet“, weiß Michaela Schneider-Körber, die als Referentin den Missio-Aids-Truck das ganze Jahr über auf seinem Weg durch die deutschen Städte begleitet. Heute hat der mit afrikanischen Szenen - buntgekleideten Kindern, Friedenssymbolen aber auch Gräbern gestaltete - Truck auf dem Platz der Feintuchwerke Station gemacht.
Geholt wurde er hierhin auf eine Initiative der Religionsfachschaft des Mariengymnasiums und dem Förderverein der Schule, der auch die Kosten von 130 Euro für den Besuch aufgebracht hat. „Diese Summe deckt natürlich nicht annähernd die tatsächlichen Kosten die unsere mobile Station verbraucht und soll eher symbolisch den Wert unseres Besuchs verdeutlichen“, gibt die Referentin zu Bedenken. Vor dem Truck hat sich bereits die Religionsklasse von Kaplan Vinzent Graw aufgebaut. Anders als die neunten Klassen der Schule, die sich Wochen vor Besuch des schwergewichtigen Lkws mit von Missio zur Verfügung gestellten Unterrichtsmaterialen auf den Besuch vorbereitet hat, hat er sich mit seiner achten Klasse spontan entschieden, hier vorbeizuschauen. „Natürlich nutze ich diese Gelegenheit, weil ich denke, dass das Thema wichtig ist und ich glaube, dass die Schüler durch ein solches außerschulisches Projekt noch mehr angesprochen werden.“
Die Schülerinnen seiner Klasse dürfen jetzt wählen, ob sie sich bei ihrem Rundgang durch den Wagen von der Geschichte der vierzehnjährigen Kajunga aus Uganda, deren Eltern durch Aids gestorben sind oder von Charles, 17 Jahre, aus Südafrika, der durch die Krankheit seinen besten Freund verloren hat, begleiten lassen wollen. Über Kopfhörer und MP3-Player können sie ihre Geschichten, die sie im Dialog mit deutschen, befreundeten Missionaren erzählen, miterleben, während sie durch ihre im Truck nachgestellte Lebenswelt wandern. So führt sie Charles auf den zentralen Mittelpunkt seines afrikanischen Lebens, den mit Frauen in bunten Gewändern bevölkerten Markt, auf dem sie ihre Waren wie Getreide in bunten Körben anpreisen. Für ihn wichtiger aber die Bar, wo er gemeinsam mit seinen Freunden feiert und Alkohol trinkt. Dabei erklärt er seinem deutschen Freund seine Lebenswelt: „Hier ist jeder in einer Gang, wir wissen, das wir uns nach der Schule keine große Hoffnung auf einen Job zu machen brauchen.“ Und auch darüber, dass die Frauen in seinem Land nichts wert sind, dass sie häufig vergewaltigt werden oder der Prostitution nachgehen müssen, um ihre Familie am Leben erhalten zu können, lässt er keine Zweifel. Auch sein Freund Archie hat – durch Alkohol enthemmt –ein zwölfjähriges Mädchen missbraucht und sich dabei mit dem für ihn todbringenden Virus angesteckt.
Weiter begleitet Archie die Schüler in eine Bretterbehausung, in ein "Shack", der typischen kärglich eingerichteten Wohnstätte, der in den Townships von Südafrika lebenden. In einer Memorybox verwahrt Charles dort Erinnerungsstücke wie eine Baseballcap an seinen toten Freund. Durch den Protagonisten erfahren die Marienschülerinnen aber auch, dass es Alternativen vom gewaltbestimmten Alltag gibt. So wurde Charles durch seinen deutschen Missionshelfer zum Beitritt in eine Theatergruppe, die Stücke gegen Gewalt und Drogenkonsum im ganzen Land aufführt, animiert. In zwei weiteren Räumen erleben die Schülerinnen hautnah durch die Gegenüberstellung einer deutschen Ärztepraxis und einer afrikanischen Gesundheitsstation die Unterschiede in der Gesundheitsversorgung. Im Entscheidungsraum werden ihnen verschiedene Möglichkeiten der Aidsvermeidung, der christliche Weg durch Enthaltsamkeit und der weltliche durch den Schutz durch Kondome aufgezeigt. Abschließend erfahren sie, wo sie sich weitere Informationen besorgen können oder erhalten Anregungen, wie sie sich selbst in den Kampf gegen Aids einbringen können. Nach der Rundtour verlassen die Mädchen ziemlich betroffen den Truck. Echt wütend über die schlechte Behandlung der Frauen in Afrika ist zum Beispiel die dreizehnjährige Sarina: „Wir sorgen doch mit dafür, dass die Welt weiter existieren kann, einfach erniedrigend wie die Mädchen in Afrika behandelt werden.“ Auch eine Menge Mitgefühl haben sie entwickelt: „Ist schon traurig zu sehen, wie die Leben müssen, das wusste ich so gar nicht“. sagt dann auch die dreizehnjährige Larrisa. Genug Anknüpfungspunkte, die anschließend - auch nach den Vorstellungen der Betreiber des Trucks - im Unterricht aufgegriffen werden sollten. „Ich werde auf jeden Fall in einer der nächsten Stunden die Informationen und Emotionen, die hier heute zu Tage kamen aufgreifen und bearbeiten“, ist sich dann auch Kaplan Graw sicher.

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