Santiago trifft Liudger

Auf dem Jakobsweg gibt es unzählige Pilgerherbergen 
Repro: Henschke
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Die Jahrestagung der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft besucht Werden

Nicht erst seit Hape Kerkeling in aller Munde: der Jakobsweg. Auch Ingrid Mohren ist ihn gegangen. Von Monheim aus durch die Schweiz und Frankreich, an die 3.500 Kilometer bis Santiago: „Allerdings in vier Etappen.“

Auf dem Weg unzählige Herbergen. Große, kleine, gut geführte, aber auch herunter gekommene. Ingrid Mohren erzählt von La Faba, das liegt auf dem Territorium des ehemaligen Königreiches León an der Grenze zu Galicien. Auf einer kleinen Anhöhe findet sich etwas abseits vom Dorf ein einzigartiges Ensemble aus Kirche, Pilgerherberge und mittelalterlicher Umfriedungsmauer.

Hospitaleros. So werden in Spanien diejenigen Personen genannt, die eine Pilgerherberge betreuen: Die helfenden Hände am Camino. Ingrid Mohren trägt in sich Erinnerungen an ihre Einsätze als Hospitalera. Rund 150 Kilometer vor Santiago de Compostela leistete sie ehrenamtliche Nächstenliebe. Die Pilgerherberge in La Faba wird von einem Stuttgarter Trägerverein betreut, der Betrieb, Pflege und Erhalt von Herberge und Kirche sichert. Morgens gibt’s Frühstück, spätestens um acht Uhr müssen die Pilger die Herberge verlassen: „Aber einige marschieren schon um Fünf los.“ Nun wird aufgeräumt und sauber gemacht, denn schon ab 14 Uhr klopfen die nächsten an die Tür. Das gemeinsame Abendessen führt die unterschiedlichsten Charaktere zusammen. Eine Geschichte erwärmte ihr Herz besonders: da waren diese Nonnen, die sich betont abseits hielten. Sehr reserviert blieben. Deren „harte Schale“ jedoch geknackt wurde: „Ein junger Mann hat für die beiden gekocht und sie mussten ihre Meinung von Männern zumindest teils revidieren. Das hat ihr Weltbild doch ganz schön erschüttert.“

Berührende Erlebnisse

Besonderes Erfahrungen die abendliche Fußwaschungen in der kleinen Kirche Sankt Andreas. Intime und berührende Erlebnisse. Ab 22 Uhr ist Hüttenruhe und am nächsten Tag beginnt wieder das gleiche Ritual. Zweimal fünf Wochen dauerten ihre Dienste dort. Zeit genug, um interessante Menschen kennen zu lernen. Zeit genug für gute Gespräche mit Pilgern. Die uralte Japanerin, die erstaunlich gut zu Fuß war. Oder die Oma mit der erst achtjährigen Enkelin: „Das fand ich allerdings grenzwertig.“
Ingrid Mohren ist eines von rund 3.000 Mitgliedern der 1987 in Aachen gegründeten Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft. Ziele der Gesellschaft ist die wissenschaftliche Erforschung des Jakobuskultes sowie die Dokumentation und Veröffentlichung ihrer Ergebnisse. Aber auch Erhaltung und Pflege des mit dem Jakobuskult zusammenhängenden Kulturguts, vor allem der Wege, Herbergen und Stätten der Pilgerschaft sowie die Ausbildung und Betreuung von Hospitaleros. Nicht zuletzt geben erfahrene Pilger Auskünfte und beraten Pilgerwillige. Zur Jahrestagung lud die Gesellschaft nach Werden ein ins Kardinal-Hengsbach-Haus. Dort reihen sich Vorträge aneinander, die den Jakobsweg unter den verschiedensten Aspekten beleuchten: „Die sieben Werke der Barmherzigkeit“ oder „Zur monastischen Gastfreundschaft bei den Benediktinern“. An den Wänden großformatige Fotos von Pilgerherbergen, von den Menschen, die dort zusammenfinden.

Zu Besuch bei St. Ludgerus

Zwei Gruppen besichtigen das Abteistädtchen. In der Basilika begrüßt der Hausherr. Propst Jürgen Schmidt heißt herzlich willkommen: „Wir freuen uns sehr, dass Sie für ihre Tagung Werden ausgesucht haben. Es fügt sich gut, dass Sie den Weg über die Ruhr gefunden haben. Wir schauen hier auf eine lange Tradition zurück.“ Auch heute noch finden immer wieder einzelne Pilger oder Gruppen von Wallfahrern den Weg nach Werden, um die Grablege des Heiligen Ludgerus zu besuchen. Der Propst teilt diese besonderen Erfahrungen des Pilgerns: „Auch ich habe mich bereits dreimal auf den Weg nach Santiago gemacht.“ Heinz-Josef Bresser ist Vorsitzender des Geschichts-und Kulturvereins und zeigt den Gästen nur zu gerne die staunenswerten Schönheiten des Städtchens Werden. Der Kräutergarten und der Abteihof sind erste Ziele. Von der Tradition des Abrahamgebäcks berichtet Bresser, von den Weberhäusern in der Grafenstraße. In der evangelischen Kirche weist er auf die wieder entdeckten Wandmalereien im Jugendstil hin und lenkt dann seine Schützlinge in der Luciuskirche. Auch dort begegnen die Jakospilger wieder dem Urwerdener Liudger. Gut gelaunt geht es die Heckstraße entlang zur Basilika. Dort endet die „Tour de Werden“ in der Krypta. Beeindruckt kehren die Jakobspilger zurück in ihre Herberge auf der anderen Ruhrseite.

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