Die Bundesliga steht Kopf: Lauft, meine rot-weißen Mainzer Freunde, lauft!

»Die Spieler von Ghana erkennen Sie an den gelben Stutzen«, hat Marcel Reif vor Jahren einmal ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen das afrikanische Team äußerst launig anmoderiert. Zugegeben eine ziemlich platte Pointe, aber irgendwie will mir der Spruch angesichts der momentanen Tabellensituation in der ersten Fußball-Bundesliga nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Klar, weiß ich, dass das Team in den rot-weißen Farben die Mannschaft aus Mainz ist und dass die Kickergemeinschaft mit dem grinsenden Sponsorensymbol eines Reiseunternehmens aus Hannover kommt, aber was zum Teufel machen die da in der Tabelle auf Platz 1 und 3?

Und dazwischen diese Truppe junger Chorknaben aus Dortmund, die abends noch von Mutti am Trainingsgelände abgeholt werden muss, weil unter 18 Jahren nur »begleitendes Fahren« erlaubt ist. Das ist doch Wahnsinn! Da bekomme ich mit 34 Jahren plötzlich Vatergefühle. Neulich ertappte ich mich sogar dabei, wie ich all meine Ex-Freundinnen aus den frühen Anfangstagen der sexuellen Erkundungsphase durchgegangen bin, nur um zu gucken, ob nicht einer der jungen schwarz-gelben Wilden mein Sohn sein könnte.

Und dann diese beiden atemberaubenden Trainer der Mainzer Kaderschmiede mit dem karnevalesken Humor eines närrischen Büttenredners. Der Kloppo und der Tuchel. Jürgen Klopp ist ja schon länger dafür bekannt, dass er mal einen schönen Gedanken beherzt raushaut und ganz in diesem Stile hat er unlängst mal wieder zugeschlagen, als er ein paar Journalisten mit dem folgenden Ausspruch freundlich, aber durchaus direkt in die Schranken verwies: »Freunde der Südsee: Geht mir nicht auf den Sack, mit Fragen nach neuen Zielsetzungen.«

Einfach herrlich. Doch nun tritt auch noch der kleine Lausejunge Thomas Tuchel eloquent in Klopps Fußstapfen. Ende Oktober wird er aller Voraussicht nach in Nürnberg die Wahl zum »Fußballspruch des Jahres 2010« mit folgender Sentenz - im Frühjahr vor einem Spiel beim großen FC Bayern geäußert - völlig zurecht gewinnen: »Helfen würde uns ein schnelles Tor und ein schneller Abpfiff, und vielleicht können wir ja den Mannschaftsbus vor unserem Tor parken.«

Und was macht Schalke? Rund um die Arena flüchten sich die Fans in Galgenhumor. »Felix… schmeiß den Magath raus!«, singen die königsblauen Anhänger (noch) heimlich, still und leise und hoffen inständig, dass der böse Traum baldmöglichst ein Ende hat.

Wenn es allerdings nach Marcel Reif ginge, so könnte man vermuten, dann wäre die aktuelle Situation nicht nur eine Momentaufnahme. Denn als sich bei der WM 1990 in Italien ein anderes afrikanisches Team, die tapferen Kicker aus Kamerun, anschickten, der großen Fußballnation Argentinien eine Niederlage im Eröffnungsspiel zuzufügen, vergaß das TV-Urgestein für einen Moment alle Kommentatoren-Regeln und fieberte eifrig mit dem Underdog: »Ich darf als Reporter ja nicht parteiisch sein...ich will auch nicht parteiisch sein - aber...lauft, meine kleinen schwarzen Freunde, lauft!«

Sympathisch, dieser emotionale Ausbruch. Und irgendwie – das kann man nicht verhehlen – steckt wohl in fast jedem Fußballfreund ein kleiner Reif. Also, lauft, meine rot-weißen Mainzer Freunde, lauft!

Autor:

Ben Redelings aus Bochum

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