Wie reagieren die Sportvereine auf den zweiten Lockdown?
Erneute Zwangspause

Der Spiel- und Trainingsbetrieb der Handballjugend ist ausgesetzt. 
Foto: Bangert
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Und wieder hat es die Amateurvereine erwischt. Nahezu der gesamte Freizeitsport wurde in eine erneute Corona-Zwangspause geschickt, auch in Kettwig, Mintard und Werden.

Der Deutsche Olympische Sportbund erinnerte die Politik daran, dass Sport für ein starkes und stabiles Immunsystem sorge. Das gelte besonders für die rund 14 Millionen Kinder und Jugendlichen in Deutschland. Elementar wichtig innerhalb und außerhalb der Schulen. Der organisierte Vereinssport sei aufgrund umfangreicher Infektionsschutz- und Hygienekonzepte kein Pandemie-Treiber. Schnellstmöglich solle wieder die Möglichkeit eröffnet werden, Sportangebote zu unterbreiten und zumindest zu den Regelungen vor dem 28. Oktober zurückzukehren: „Damit die Menschen über die Weihnachtszeit und den Jahreswechsel optimistisch und gesund ins kommende Frühjahr kommen.“ Nicht überall ist der Lockdown so hart wie in NRW. In Mecklenburg-Vorpommern ist zumindest der Trainingsbetrieb für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren weiterhin erlaubt. In Berlin ist Vereinssport für Kinder bis zwölf Jahren unter Auflagen gestattet.

Handballer halten sich fit

Wie gehen die Sportvereine im Ruhrtal mit den Einschränkungen um? Der Handballverband Niederrhein hat die Wettkampfpause bis zum 6. Januar verlängert. Seit die Hallen geschlossen wurden, pausieren Landesliga-Herren und Jugend des Kettwiger SV. Die ambitionierte Verbandsligamannschaft hält sich weiterhin fit. Trainer Marvin Leisen sorgt für eine Online-Betreuung seines Kaders. Er vergab spezielle Übungsaufgaben, die mithilfe einer App überprüft werden. Anreiz fürs Erreichen der gesteckten Ziele sind ausgelobte Präsente. Durch gemeinsame Online-Workouts des gesamten Teams wird der Zusammenhalt gefördert. So wollen die Kettwiger Handballer bei Wiederbeginn der Saison auf den Punkt bereit sein.
Die Kettwiger Rudergesellschaft musste schweren Herzens das 40. Jubiläum der beliebten Kettwiger Nikolausregatta absagen. Am Baldeneysee ist ebenfalls individuelles Training angesagt. Alfred Höltgen ist Vorsitzender des Essen-Werdener Ruderclubs: „Einer, Zweier oder Vierer mit einer Crew aus einem Hausstand sind erlaubt.“ Der Indoorsport liege zurzeit sowieso auf Eis, da Kraftraum und Gymnastikhalle gerade saniert würden. Die Ruder-Ergometer dürfen zwar nicht drinnen genutzt werden, man könne die Rudergeräte aber mit Abstand draußen auf dem Hof aufstellen. Oder gar auf dem Bootssteg, um noch mehr „Auf dem Wasser“-Gefühl zu bekommen.

Sportlich nehmen

Der Vorstand des Werdener Turnerbundes sprach von „verheerende Folgen für unseren Sportbetrieb“. Leider hätten die rasant steigenden Infektionszahlen der Politik wohl keine andere Wahl gelassen: „Das ist umso bedauerlicher, da wir durch unser verantwortungsvolles Handeln in den letzten Monaten gezeigt haben, dass mit Schutz- und Hygienekonzepten der Sport in Werden keinen Infektionsherd dargestellt hat.“ Der WTB setzt auf Sportsgeist: „Diese Maßnahmen mögen sich wie eine Niederlage anfühlen, doch gerade der Sport hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er Krisen überwinden kann und in der Lage ist, sich besonderen Herausforderungen zu stellen. Lasst uns alle auch diese Situation entsprechend sportlich nehmen.“
Auch bei der DJK Grün Weiß Werden / Heidhausen ruht der Sportbetrieb. Erst kürzlich wurde die Badminton-Abteilung vom Diözesanverband für ihre Nachwuchsarbeit ausgezeichnet. Gelobt wurden Engagement und Kreativität in Corona-Zeiten: Abteilungsleiter Daniel Schwarze und Bruder Tim hatten auf der Brehminsel das Projekt „Outdoortraining“ für Nachwuchsspieler durchgeführt. Sportlehrer Tim Schwarze hatte auf seinem Youtube-Kanal „teachandtrain“ täglich ein Fitnessprogramm für zuhause gestreamt.

Ungünstiger Zeitpunkt

Die Fußballer sind traurig, ausgerechnet jetzt pausieren zu müssen. Der Mintarder Coach Fabio Audia stellte fest, für seine Mannschaft komme die Saisonunterbrechung zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt. Seinen Spielern habe er Trainingspläne mitgegeben. Ob es für den Landesligisten bald weitergeht? Der innige Wunsch einer Saisonfortsetzung im Dezember ist jedenfalls da: „Gerade in der aktuellen Zeit würde Fußball uns einen guten Ausgleich geben. Ich glaube aber, dass wir in diesem Jahr kein Spiel mehr machen werden.“ Ähnlich sieht das beim SC Werden-Heidhausen der Vorsitzende Hans-Jürgen Koch: „Die Aussetzung von Training und Spiel im November kam für uns aus sportlicher Sicht zu einem sehr unglücklichen Zeitpunkt. Ob die Maßnahmen, die getroffen wurden, richtig und zielführend sind, kann ich nicht beurteilen. Sicher bin ich mir allerdings, dass kein Verantwortlicher in der Politik diese Entscheidungen aus persönlichem Vergnügen trifft, sondern vielmehr aus tiefer Besorgnis und mit hoher Verantwortung.“ Wenn man noch hoffe, im Dezember wieder spielen zu dürfen, sei da wohl eher der Wunsch der Vater des Gedankens.

Loch ein statt Lockdown

Beim Golfclub Essen-Heidhausen heißt es „Loch ein statt Lockdown“. Allein, zu zweit oder ausschließlich mit Personen des eigenen Hausstandes darf nämlich Golf getrieben werden. Abstände sind ohnehin aus Sicherheitsgründen vorgegeben, damit weiter voraus spielende Personen nicht durch abgeschlagene Golfbälle verletzt werden. Daher liegen zwischen den einzelnen Zweierteams ohnehin hunderte von Metern. Der Club nutzt dies zu einem Aufruf: „Starte heute Deine Golfkarriere und genieße die Freiheit.“
Vorsitzender Heinz Thiemann teilte für den TC Am Volkswald mit: „Uns allen ist bewusst, wie tiefgreifend die Eingriffe sind, die wir unseren Mitgliedern zumuten müssen. Dennoch hat sicher jeder dafür Verständnis, dass es anders nicht geht und wir uns an die Vorgaben halten müssen.“ Beide Tennishallen sowie das gesamte Clubhaus einschließlich der Gastronomie sind bis 30. November geschlossen. Zwei Allwetterplätze können von den Mitgliedern weiterhin genutzt werden. Allerdings dürfen nur Einzel oder Doppel mit Personen aus dem eigenen Hausstand gespielt werden.
Auch bei der Kettwiger Tennisgesellschaft ist die Halle gesperrt. Das Klubhaus ist ebenfalls geschlossen, aber die Klubgastronomie „The Serve“ bietet eine Wochenkarte für Essen to go an.

Der Spiel- und Trainingsbetrieb der Handballjugend ist ausgesetzt. 
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Wie hier am Volkswald darf Tennis weiterhin gespielt werden. 
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Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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