Der „Herr der Bienen“

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Für Martin Kontny ist der Sommer vorbei, er denkt jetzt an den Winter. Besser gesagt, er hilft seinen Bienenvölkern, damit sie die kalte Jahreszeit gut überstehen.

Von Uli Bangert

In den vergangenen Tagen hat der Imker die Süße des Sommer geerntet, auch wenn der Sommer in diesem Jahr nur selten seinem Namen Ehre machte.
Martin Kontny ist mit dem Honigertrag trotzdem zufrieden: „Die Frühjahrstracht im Mai war dagegen mäßig. Als alles blühte, war es zu kalt, die Bienen konnten nur selten ausfliegen“, so der Bienenzüchter aus Schuir.
In den vergangenen Tagen entnahm er den Völkern die vollen Honigwaben und platzierte sie in die Schleuder. Das ist ein Edelstahlkessel, die Waben stecken in einer Halterung, die ein Motor in Rotation versetzt. Durch die Zentrifugalkraft spritzt der Honig aus den Zellen gegen die Stahlwand, läuft durch ein Sieb und kann in Gläser abgefüllt werden. „Die Bienen haben hauptsächlich die Blüten von Linden und Brombeeren angeflogen“, weiß der kaufmännische Ausbilder bei einem katholischen Bildungswerk, den die Liebe zur Natur dazu bewog, vor 16 Jahren mit der Imkerei zu beginnen. Mittlerweile betreut er mehrere Jung-Imker und steht dem Imkerverein Werden-Heidhausen vor, der seit einigen Jahren einen enormen Mitgliederzuwachs erlebt. „Imkerei ist im Kommen“, stellt Martin Kontny erstaunt fest.
Galt die Bienenzucht lange als das Hobby alter Männer, finden sich nun immer mehr jüngere Menschen, die nicht nur einen ökologischen Garten haben wollen, sondern auch Bienen.
Denn die fleißigen schwarzbraunen Insekten verwandeln nicht nur Pflanzensaft in Honig, sondern sie sind ein wichtiger Teil des ökologischen Gleichgewichts: Sie bestäuben Obst und Gemüse, aber auch viele Wildpflanzen, deren Früchte die Nahrungsgrundlage vieler Tiere sind. Mittlerweile ist es sogar chic geworden, mitten in der Großstadt Bienen zu halten. „Urban beekeeping“, wird auch in Essen praktiziert: „Auf dem Dach des Sheraton-Hotel befinden sich Bienenvölker, deren Honig als eine besondere Spezialität gilt.“ Der Honig von Martin Kontny ist ebenfalls ein naturreiner Genuss, denn laut Verordnung darf dem Honig nichts hinzugefügt und nichts entzogen werden. Damit die Bienen im nächsten Frühling die Obstbäume und Rapsfelder in Schuir bestäuben können, trifft der umsichtige Bienenvater jetzt wichtige Vorbereitungen. Er träufelt Ameisensäure auf ein Schwammtuch, das er auf die Waben im Bienenstock legt. „Durch die Säuredämpfe werden weitgehend die Varroa-Milben abgetötet und die Bienen verschont.“ Der Parasit wurde vor über drei Jahrzehnten nach Mitteleuropa eingeschleppt, ohne Behandlung gegen die Bienenvölker spätestens im Frühjahr ein. Organische Säuren haben sich inzwischen bewährt, es bleiben keine Rückstände im Wachs oder gar dem Honig. Schließlich füttert der fürsorgliche Bienenzüchter seine Schützlinge mit Zuckerwasser, denn er hatte ihnen zuvor den Honig als Winternahrung „geklaut“. Wenn im April das große Blühen beginnt, ist das Ersatzfutter aufgebraucht und die Königin sorgt fleißig für Nachwuchs, damit frischer Nektar aus abermillionen Blüten getragen werden kann.

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