„Fariz soll hier bleiben“

Der Musiker Fariz Veliyev während eines Konzertes bei „kunstwerden“.
Foto: Archiv / Bangert
  • Der Musiker Fariz Veliyev während eines Konzertes bei „kunstwerden“.
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Dem 68-jährigen Musiker Fariz Veliyev droht die Abschiebung nach Aserbaidschan

Die politisch aktive Familie fiel beim neuen Regime in Ungnade, zerstreute sich in alle Winde. Fariz Veliyev floh im August 2015 aus Aserbaidschan nach Deutschland.

In der Hauptstadt Baku leitete Veliyev eine Musikschule, mit 320 Schülern und 95 Lehrern. Aber das Land ist durch Korruption unterminiert und der Musiker wurde regelmäßig erpresst. Jeden Monat sollte er Bakschisch an die Kulturverwaltung zahlen, umgerechnet 2 000 Euro. Der Druck nahm noch zu, plötzlich waren 10 000 Euro fällig: „Wenn Du nicht zahlst, stecken wir Dich ins Gefängnis.“ Das Geld hatte er nicht, dafür aber ständig Angst: „Ich war es so müde.“ Auch nahm die Sehnsucht zu nach der Familie in Deutschland: „Meine zwei Söhne leben mit ihren Frauen schon seit langem hier, ich habe Enkelkinder.“

Gut in Werden eingelebt

Fariz Veliyev lebte sich in Werden gut ein, doch nun droht ihm die Abschiebung. Denn nach fast drei Jahren kam Post: Sein Antrag auf Asylanerkennung wurde abgelehnt, selbst ein nur subsidiärer Schutz verweigert. Nach einer persönlichen Anhörung im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge beharrte die Behörde darauf, er habe da eine konstruierte Geschichte aufgetischt. Es sieht also nicht gut aus für ihn, trotzdem will der 68-Jährige nicht aufgeben. Er ist vom Schlimmsten überzeugt: „Wenn ich zurück muss, werde ich ins Gefängnis gesteckt. Das überlebe ich nicht.“ Das Bundesamt glaubt ihm das nicht: Warum er sich nicht gewehrt habe? Auch sei die Todesstrafe 1998 abgeschafft worden. In Aserbaidschan drohe ihm auch keine Folter. Seine Rechtsanwälte sehen das völlig anders und haben beim Verwaltungsgericht Gelsenkirchen Klage gegen den Bescheid eingereicht. Veliyev solle als Flüchtling anerkannt werden oder zumindest subsidiären Schutz erhalten, hilfsweise das Vorliegen eines Abschiebungshindernisses festgestellt werden. Wieder heißt es warten. Vermutlich wird es aber nicht mehr lange dauern mit dem Gerichtstermin. Doch wenn das Gericht ihm kein Recht gibt, müsste er Deutschland innerhalb von 30 Tagen verlassen, ansonsten würde er abgeschoben.

Für Lebensunterhalt selbst aufkommen

Viele Werdener kämpfen für ihn, denn der aserbaidschanische Flüchtling ist ihnen ans Herz gewachsen: „Fariz soll hier bleiben." Ernst-Joachim Müller fiel der stille Flüchtling im Zeltdorf am Volkswald auf: „Fariz besitzt einen hohen Integrationswillen. Anders als viele andere.“ So klingt auch sein Fischlaker Vermieter: „Er hat sich in unserer Hausgemeinschaft gut eingelebt, ist jederzeit hilfsbereit und freundlich.“ Oberbürgermeister Thomas Kufen war anlässlich eines Konzertes bei „kunstwerden“ Zeuge, wie anrührend Veliyev auf der Gitarre musizieren kann. Der Musiker besuchte Gottesdienste in der Jonakirche. Pfarrerin Carolina Baltes lieh ihm die Schlüssel, damit er in ihrer Kirche Gitarre üben konnte: „Er hat sich als absolut ehrlich und vertrauenswürdig erwiesen.“ Im Juli 2016 ließ sich Fariz Veliyev sogar taufen: „Wir freuen uns, ein interessiertes Gemeindemitglied gewonnen zu haben. Er hat sich außerordentlich aktiv und erfolgreich darum bemüht, in seiner neuen Heimat Fuß zu fassen.“ Veliyev belegte erfolgreich Deutschkurse, dolmetscht und hilft, wo er nur kann. Zwei Jahre lang arbeitete er für die Essener Tafel. Deren inzwischen bundesweit bekannte Vorsitzender Jörg Sartor schrieb: „Fariz Veliyev war stets freundlich, fleißig und zuverlässig.“ Der ihn betreuende Pate Klaus Preußler betont: „Fariz möchte unbedingt für seinen Lebensunterhalt selbst aufkommen, scheut keine Arbeit und keine Mühen.“ Das soll auch so bleiben, mittlerweile hat Fariz Veliyev eine Festanstellung im Altenheim St. Ludgeri auf Teilzeit-Basis, sagt Preußler: „Er fühlt sich da sehr wohl und auch die Leitung des Altenheimes ist mit ihm sehr zufrieden.“

Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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