„Hier ist ein Paradies entstanden“

Im Waldhaus feierte der ökumenische Arbeitskreis für Behinderte sein Sommerfest.
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Der ökumenische Arbeitskreis für Behinderte feierte im Fischlaker Waldhaus sein Sommerfest

Sommerfest im Waldhaus. Hannelore Bartsch ist entspannt, nimmt sich Zeit für ein Gespräch. Richtig nett kann man mit ihr plaudern.

Doch wehe…in der Sache bleibt sie hart. Körperlich Behinderte würden durchaus akzeptiert, da gäbe es entsprechende Gruppen, Sportvereine und vieles mehr. Doch diejenigen, die mit geistiger Behinderung geboren wurden? Fehlanzeige. Aber wenn diese höchst energische Frau etwas nicht vertragen kann, dann ist das Ungerechtigkeit. Also kämpft sie, möchte das ohnehin schon so schwere Leben ihrer Schützlinge ein wenig erträglicher gestalten.

„Wir brauchen Hilfe“

Auch Sohn Stefan wurde leider krank geboren. Es war eine schwere Zeit, die sie als Mutter forderte. Hannelore Bartsch war irgendwann überfordert, nahm ihren Sohn an die Hand und klingelte beim Pfarrer: „Hier sind wir, wir brauchen Hilfe!“ Pfarrer Maßner war auch wirklich bemüht, jedoch: „Wir haben dann eine Selbsthilfegruppe gegründet.“ Der ökumenische Arbeitskreis für Behinderte leistet nun schon seit 45 Jahren unersetzliche ehrenamtliche Arbeit. Ihre Gruppe, dieses Thema durchzieht das Leben der gelernten Krankenschwester wie ein roter Faden: „Wir machen alles selbst!“ Wobei, so ganz stimmt das nicht. Tatkräftige Unterstützung gab es immer und gibt es heute noch durch den Schirmherren des Arbeitskreises. Hanslothar Kranz besucht gemeinsam mit Bezirksvertreter Herbert Schermuly das Sommerfest, nimmt sich Zeit, strahlt: „Hier ist ein Paradies entstanden!“ In seiner Funktion beim Kommunalverband Ruhrgebiet war Kranz auf eine Ruine an der Straße Pörtingsiepen gestoßen. Das Dach musste neu gedeckt werden. Die Wände waren feucht, das Haus eigentlich abrissreif. Doch die Familie Bartsch griff zu. Ehemann Siegfried, selbstständiger Malermeister, seine fünf Gesellen, auch beide Söhne: Mit viel Muskelschmalz, Geduld und Spucke wurde vom Keller bis zum Dach renoviert, Sperrmüll-reife Möbel gesammelt und aufgefrischt. Dem „Waldhaus“ wurde neues Leben eingehaucht, nun gibt es eine gemütliche Küche, Werkräume, Schlafstätten, für die Behinderten Zuflucht und zweite Heimat.

Wenn der Akku leer ist

Hannelore Bartsch ist künstlerisch begabt, nutzt dies für ihre Arbeit mit den Behinderten: „Wir kochen aber auch gemeinsam, sitzen danach auf der Eckbank und quatschen.“ Viele Feiern im Garten, dazu auch sportliche Betätigung. Fahrradfahren, soweit möglich, oder auch Wandern. Diese Ausflüge liegen ihr besonders am Herzen: „Ich bin sowieso eine Springmaus!“ Hannelore Bartsch ist zwar eine Kämpferin, spürt aber doch die Jahre: „Wie oft wollte ich schon aufhören. Aber diese lieben Menschen hier lassen mich nicht gehen.“ Viele Helfer gibt es nicht, es ist schwer genug, die Wenigen bei der Stange zu halten. Sie weiß um ihre begrenzten Ressourcen, denn irgendwann ist selbst der unermüdlichste Akku leer. Bewusst nimmt sich Hannelore Bartsch dann kleine Auszeiten, bei ausgedehnten Spaziergängen durch die Wälder kommt ihr die Kindheit in Ostpreußen in den Sinn. Sie liebt Gartenarbeit oder auch ein gutes Buch mit einer schönen Geschichte. Gerne ein französisches, die englischen gefallen ihr nicht so. Unlängst habe sie „Das Lächeln der Frauen“ gelesen. Ihr Lächeln weiß zu begeistern, dazu diese flinken, wachen Augen.

Wünsche? So viele...

Kann man so jemandem einen Wunsch abschlagen? Es gibt doch immer Dinge, die verbessert werden können im und rund ums Waldhaus. Mittlerweile schützt ein Unterstand aus Metall und Plexiglas vor dem Regen, freundlicherweise finanziert von einer Stiftung. Gibt es denn noch weitere Wünsche? Ein fast kokettes Lächeln: „Ja, die gibt es. So viele Wünsche, die kann mir keiner erfüllen. Wir bekommen keine Gelder, von keiner Kirche, von keinem Staat. Also sind wir auf Spenden angewiesen, dann und wann stecken uns liebe Leute etwas zu.“ Denn es ist etliches geplant, demnächst geht es nach Havixbeck, Adventsfeier, Weihnachtsfeier in der Jonakirche, auch mal Essen gehen. Denkbare Ausflüge würden zum Abtskücher Teich oder ins Museum führen. Wer die Einrichtung „Waldhaus“ unterstützen oder beim Ökumenischen Arbeitskreis für Behinderte mitmachen möchte, sollte einfach mal versuchen, Hannelore Bartsch unter 0201-402616 zu erwischen. Allerdings könnte sie gerade im Waldhaus sein. Oder im Garten. Oder sie sitzt auf einer Bank im Wald und lässt die Welt an sich vorbeiziehen…

Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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