„Soll ich auf Lindenstraße umschalten?“

Die kunstwerdener verloren irgendwann die Geduld, nicht aber ihren Galgenhumor. 
Foto: Henschke
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Das etwas andere WM-Rudelgucken mit Kunstauktion und Galgenhumor

Der Raum füllt sich, die Stimmung ist weltmeisterlich. Bei kunstwerden gelingt der Spagat zwischen Fußball und Kunst. Die hängt an den Wänden.

In der ausstellungsfreien Zeit zeigt kunstwerden an der Ruhrtalstraße ausgesuchte WM-Spiele in HD auf der Großleinwand. Zeitgleich werden ein Teil der Kunstsammlung der Eheleute Dr. Horst und Frauke Pomp sowie weitere Kunstwerke präsentiert. Die Besitzer müssen sich aus Platzgründen von Stücken trennen, die nun käuflich erworben werden können. Ein Teil des Verkaufserlöses kommt dem Kunstverein zu Gute. Die Besucher stöbern beeindruckt in den Exponaten, da ist so manches interessante Stück dabei. Malerei, Zeichnung, Fotografie und Objektkunst aus verschiedenen Jahrzehnten. Teilweise haben die Vorbesitzer eine Mindestsumme genannt, auch hat der Kunstbeirat recherchiert und so einen Schätzpreis aufgerufen: „Der endgültige Kaufpreis darf natürlich höher ausfallen. Wir lassen uns überraschen, wie das Ganze ausgeht.“ Wer für sich was findet, kann ein Gebot abgeben. Bei den nächsten WM-Übertragungen und den regelmäßigen Treffs am Freitagabend ist die Sammlung zu sehen. Die Auktions-Präsentation endet am 22. Juli.

König Fußball

Doch nun regiert König Fußball. Das liebevoll angerichtete mexikanische Fingerfood schmeckt vorzüglich, dazu noch ein Pilsken, herrlich. Weniger herrlich sind die Darbietungen der Nationalelf. Irgendwie klappt da nix. Der Mexikaner wehrt sich. So was von unfair. Dann schießen die Mittelamerikaner sogar ein Tor und der Jogi lässt den Khedira immer noch drauf. Nun wird es den Kunstwerdenern aber endgültig zu bunt: „Der ist doch bekifft!“ Da fallen Frank Hoppensack die betont gemütlich kommentierenden Reporter vergangener Jahrzehnte ein: „Netzer zu Breitner. Der zurück zu Netzer. Zum Einpennen. Die hatten doch auch alle was geraucht.“ Es wird nicht besser und die Frage steht plötzlich im Raum: „Soll ich lieber auf Lindenstraße umschalten?“ Nur ein Scherz? Beim Frank weiß man das nicht immer so genau. Wenig später dröhnt seine Stimme durch kunstwerden: „Das machen die Mexikaner doch mit Absicht. Die stellen sich immer in den Weg.“ Soweit sind wir schon gekommen. Nur noch mit Galgenhumor ist das deutsche Gewürge zu ertragen. Derweil macht Frank Brügma das, was ein Kunstvereinsvorsitzender eben so macht: steht hinter der Theke, zapft eifrig Bierchen, spült Gläser und gibt doofe Kommentare ab. Der Frank hat 2016 sein Herz für die Isländer entdeckt. Da wäre er nicht der einzige, der im Falle eines frühen deutschen Ausscheidens zu den Nordmännern umschwenken würde. Deren „Hu“ hat aber auch Freude gemacht. Allerdings ist Brügma im Nebenberuf wohl WM-Historiker. Jedenfalls referiert er: „1974 haben wir auch 1:0 verloren gegen die DDR. Und, wo endete es? Mit dem Titel!“ Also blüht noch ein zartes Pflänzchen der Hoffnung. Am Samstag geht es gegen die Schweden.

Die kunstwerdener verloren irgendwann die Geduld, nicht aber ihren Galgenhumor. 
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Das schafft wohl nur kunstwerden: Kunst, Klavier und Fußball in trauter Eintracht.
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Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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