„Was habt Ihr Euch dabei gedacht?“

Der Blick fällt auf…eine Mauer. Vorbeifahrende Autos sind zu erahnen. 
Foto: Henschke
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Umstrittene Aussichtspunkte locken viele Schaulustige auf die Brehminsel

Ein unbestreitbarer Effekt ist da. Doch ist dieser verstärkte Andrang Schaulustiger ein gutes Zeichen? Sie pilgern auf den Brehm, um sich selbst ein Bild zu machen.

Viele suchen den grandiosen Weitblick, den sie irgendwie erwartet hatten. Andere schütteln nur den Kopf. Worüber? Zwei Aussichtsplattformen sollen thematisch festgelegte Aussichten vom Brehm ermöglichen. Reminiszenzen an die Industriegeschichte Werdens mit Ruhrschifffahrt und Tuchmacherfabriken. Im Nordosten wäre dies ein Blick auf den Schleusenkanal der Neukircher Mühle und im Südwesten auf die Villa Wiese. Joachim Jahn als zuständiger Bereichsleiter bei Grün und Gruga war noch im Juni fest überzeugt: „Das wertet den Brehm weiter auf.“

Steuerverschwendung?

Dafür wurden Fundamente ausgeschachtet, die rund zehn Quadratmeter großen Holzplattformen tragen. Die Kosten in Höhe von rund 15.000 Euro pro Aussichtspunkt gerieten aber nach Fertigstellung ins Kreuzfeuer. Die ihnen unangebracht hoch scheinenden Baukosten rufen Kritiker auf den Plan. Rita Boegershausen nimmt da kein Blatt vor den Mund: „Da errichtet die Stadt Essen mit den ihnen anvertrauten Steuergeldern zwei Aussichtsplattformen auf der Brehminsel, an der fast tiefsten Stelle von Essen.“ Aber vielleicht könne man von dieser neuen tiefen Sichtweise aus die maroden Schulen und Kindergärten in Essen als selbst ernannte „Stadt für Kinder“ besser erkennen? Die Werdener Bürgerin ist mächtig böse: „Die dafür Verantwortlichen sollten sich schämen. Das ist blanke Steuerverschwendung!“ Die kritischen Stimmen häufen sich. Das Ganze wurde bei Fernsehsendungen „Mario Barth deckt auf“ und „Extra 3“ als „Behörden-Wahnsinn“ gemeldet. Frank Bönnig fühlte sich durch einen Besuch der Aussichtsplattformen dazu inspiriert, ein kleines Gedicht zu verfassen. Dort heißt es unter anderem: „Gut gemacht, doch schlecht gemeint, und großes Wundern Werden eint. Was habt Ihr Euch dabei gedacht? Gar nichts wohl, und doch gemacht.“

Neue Sichtachsen

Doch was war nun wirklich der Plan? Zunächst einmal war nie die Rede von Aussichts-„Türmen“, die meterhoch über dem Brehm schweben. Die Brehminsel hat auch durch massive finanzielle Unterstützung der Bezirksvertretung in den letzten Jahren eine deutliche Aufwertung erfahren. Das dichte Unterholz an den Ufern wurde beseitigt, sodass neue Sichtachsen geschaffen wurden. Der beliebte Spielplatz wurde neu gestaltet, unter anderem mit einem Spielschiff, das an die Ruhraaken erinnern soll. Auch der Heimatverein bringt sich ein. Die exakte Kennzeichnung einiger recht stattlicher Stämme als „Baumlehrpfad“ wird gut angenommen. Für das Projekt „Neue Wege zum Wasser“ wurden vis-à-vis der Insel Treidelplatz und Biergarten geschaffen, eine Stufenanlage herunter zur Ruhr wurde als „Heino-Thiele-Treppe“ umgesetzt. Diese positiven Effekte dürften unbestritten sein. Im Rahmen der von der Bezirksvertretung beschlossenen Aufwertung der Brehminsel brachte Hans-Joachim Augustin als damaliger Fachbereichsleiter von Grün und Gruga eine weitere Idee ins Spiel.

Holz widersteht extremer Witterung

In der BV-Sitzung am 31. Mai 2016 wurden die Planungen vorgestellt. Bezirksbürgermeister Dr. Michael Bonmann dankte damals für die Vorstellung der Pläne, die er begrüße. Er freue sich, dass sich das Konzept „Brehminsel“ immer weiter entwickle. Fazit: Die 17 anwesenden Bezirksvertreter unterstützten die vorgestellten Pläne zur Aufwertung der Brehminsel. An vier markanten Punkten sollten besondere Sitzplätze errichtet werden: Holzterrassen mit Geländer und jeweils zwei Bänken aus Robinienholz. Dieses harte und zähe Holz hält auch naturbelassen extremer Witterung und dem Angriff unterschiedlichster Schädlinge stand. Durch seinen natürlichen Schutz benötigt es keine weitere Imprägnierung, wird daher auch gerne für Spielplatzgeräte verwendet. Bei Konstruktion und Lage der Plattformen etwas entfernt vom Ufer wurde das Hochwasser berücksichtigt, welches immer mal wieder Gebiete des Brehms überflutet. Allerdings wurden von den vier ursprünglich geplanten Standorten nur zwei realisiert: Der „Ausblick auf die Schleuse Neukircher Mühle“ und der „Ausblick Richtung Bahnhof“ hin zur Villa Wiese. Ein „Ausblick auf die historischen Villen am Hardenbergufer“ und „Ausblick zur Ruhr in Richtung Bredeney“ sollten zu einem späteren Zeitpunkt realisiert werden. Nach Einwänden der Unteren Landschaftsbehörde und Anwohnerprotesten entfielen sie jedoch.

Der Blick fällt auf…eine Mauer. Vorbeifahrende Autos sind zu erahnen. 
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Der Blick auf die Neukircher Schleuse ist gut. Doch eine nicht barrierefreie Stufe trübt das Gesamtbild. 
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