Bibliotheken: Verwaltung des Mangels

Öffentlicher Bücherschrank statt Bibliothek. Ist das die Zukunft?
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Die Stadtbibliothek demontiert sich selbst: Da wird auf der einen Seite über sinkende Ausleihzahlen in den verschiedenen Stadtteilen geklagt - was immer mal wieder zu Schließungs-Diskussionen führt -, gleichzeitig macht die Zentrale im Gildehofcenter vom 17. November bis 6. Januar komplett dicht.

Satte sieben Wochen werden dafür angesetzt, ein neues digitales Verbuchungssystem an den Start zu bringen. Oder anders: Alle Bücher mit neuen Etiketten auszustatten.
Hätte das nicht suk­zes­si­ve über die Bühne gehen können?
Besonders schlau: Gerade im Winter wird viel und gerne gelesen. Und in den Weihnachtsferien hätte das eine oder andere Buch aus der Stadtteilbibliothek verschlungen werden können.
Bereits ein Blick auf die Homepage treibt den Bücherfreunden die Tränen in die Augen: Lange Listen dokumentieren die Schließungen in den Ferien.
Obwohl gerade da Kinder Zeit hätten, sich mal ausgiebig in der Bücherei umzuschauen.
In Altendorf zum Beispiel ist vom 6. Oktober bis 17. Oktober sowie 22. Dezember bis 2. Januar geschlossen.
Da wird dann wirklich kein Ferientag ausgelassen. Wobei schon die regulären Öffnungszeiten (montags 13 bis 18.30 Uhr sowie donnerstags 13 bis 16.30 Uhr) nicht sonderlich üppig sind. Die Chance, vor verrammelter Tür zu stehen, sind also beachtlich...
Oder in Zahlen: An 9 Stunden der - regulären - Woche ist die Altendorfer Bibliothek geöffnet. An 159 Stunden geschlossen. In den Ferien sowieso.
Bis Ende des Jahres können auch Bereiche der Bibliothekswerkstätten für Schulen nicht angeboten werden. Auch hier müssen die neuen Etiketten als Begründung herhalten.
Und wegen Renovierungsarbeiten muss die Stadtteilbibliothek Kray vom 27. Oktober bis 10. November geschlossen bleiben.
Klingt irgendwie so als ob in den Bibliotheken der Stadt nur noch der Mangel verwaltet würde.
Und auch die vermeintlichen Vorteile des neuen Verbuchungssystems (Zitat: „Ausleihe und Rückgabe der Medien übernehmen Sie selbst. Größere Diskretion: Welche Medien Sie ausleihen, sehen nur Sie.“) lassen zwischen den Zeilen auf Personalabbau schließen.
Auch wenn es offiziell zu den Vorteilen heißt: „Intensivere Beratungsmöglichkeiten, da das Bibliothekspersonal von Verbuchungsarbeiten entlastet wird.“

Öffentlicher Bücherschrank statt Bibliothek. Ist das die Zukunft?
Autor:

Frank Blum aus Essen-West

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