Frohnhauser Robert Welzel präsentiert den Aufbruch zum Jugendstil
Heimatforscher auf Streifzügen

Unterwegs in Sachen Heimatgeschichte: Robert Welzel (49) aus Frohnhausen.
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  • Unterwegs in Sachen Heimatgeschichte: Robert Welzel (49) aus Frohnhausen.
  • Foto: Sunhild Welzel
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Aller guten Dinge sind drei: Der Frohnhauser Heimatforscher Robert Welzel (49) hat sich einmal mehr mit der Geschichte der Stadt Essen beschäftigt. Heraus gekommen ist der dritte Band der "Essener Streifzüge" mit dem Thema "Aufbruch zum Jugendstil", der am Donnerstag, 8. November, im Klartext-Verlag erscheint.

Am Beispiel von 100 Essener Highlights aus den Jahren 1894 bis 1918 zeigen die „Essener Streifzüge 3“ die ganze Bandbreite des künstlerischen Neubeginns und würdigen die lokalen Besonderheiten einer zukunftsgewandten Industriestadt. Robert Welzel: "Der sich laufend neu erfindende Jugendstil blieb für Zeitgenossen und Nachgeborene ein schwer fassbares Phänomen. Auf die bewegten Fassaden, geschwungenen Linien, wuchernden Pflanzenformen, Brezelfenster oder lasziven Frauengesichter reagierten die Menschen teils mit Begeisterung, teils mit Abscheu."
Beispiele aus vielen Essener Stadtteilen sind in das Buch eingeflossen, reich bebildert, auf Übersichtskarten, Lageplänen und einem Objektverzeichnis - nach Stadtteilen sortiert - leicht zu finden sowie in den wesentlichen Informationen sogar in englischer, niederländischer und türkischer Sprache enthalten.
Vertreten sind sowohl die großformatigen, floralen Stuckarbeiten am Haus Aachener Straße 24-30 in Frohnhausen, die als Motiv auch auf dem Titel des neu erschienenen Buches zu finden sind, als auch der Steeler Stadtgarten oder die Ausmalung der Altkatholischen Friedenskirche an der Bernestraße.
Robert Welzel: "Von ihrer Dynamik und provokanten Kraft haben diese großartigen Kunstschätze kaum etwas eingebüßt."

Beispiele aus vielen Stadtteilen

Nach dem ersten Band der Essener Streifzüge, der sich unter dem Titel "Wege durch Kultur und Geschichte" mit den Sehenswürdigkeiten in den 50 Stadtteilen beschäftigt hat und inzwischen vergriffen ist, und Band Nr. 2 "Von Haus zu Haus durch neun Jahrhunderte", in dem 58 Wohnhäuser und Wohnhausgruppen aus allen 50 Stadtteilen vorgestellt wurden, die einen Einblick geben in die Lebenswirklichkeit der Essener Bevölkerung, geht's nun also um die unterschiedlichen Facetten des Jugendstils und der aus ihm erwachsenen Reformarchitektur.
Robert Welzel: "Ich bin sehr dankbar, dass mir der Historische Verein für Stadt und Stift Essen in Kooperation mit der Stadt Essen und unterstützt von der GENO BANK ESSEN auch noch dieses dritte Buchprojekt ermöglicht. In diesem Buch steckt viel Herzblut. Es gibt hinreißend schöne Jugendstilkunstwerke in Essen, die man hier einmal gebündelt vor sich sieht. Zahlreiche historische Ansichten zeigen, dass es früher noch viel mehr Highlights des Jugendstils gab."
Hans Schippmann, 1. Vorsitzender des Historischen Vereins für Stadt und Stift Essen, im Vorwort: "Das Buch ist ein faszinierendes Kaleidoskop der späten wilhelminischen Kaiserzeit und ihrer Kunst im Ruhrgebiet. Die Frauen und Männer, die als Auftragsgebende oder Künstlerpersönlichkeiten mit ihrem Geld oder ihrer Kritik das rätselhafte Aufblühen, den Wandel und das ebenso rasche Vergehen des Phänomens Jugendstil begleiten, werden in 13 Aufbrüchen und einem Epilog gewürdigt."
Ein weiterer Anlass für das Buch ist auch das 100-jährige Jubiläum der Essener Volkshochschule, die 1919, im Gründungsjahr der Weimarer Republik, ihren Dienst aufnahm. Hans Schippmann: "Die ästhetische Revolution ging der politisch-gesellschaftlichen voraus. Sie ebnete den Weg für den Wandel der Gesellschaft zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung."
Und wie kam Autor Robert Welzel dazu, sich so intensiv mit der Geschichte seiner Heimatstadt zu beschäftigen?
Robert Welzel: "Meine Oma war da sicher nicht ganz unschuldig dran. Sie stammte aus Berlin und ist erst in den 1960er Jahren nach Essen gezogen, genauer nach Frohnhausen. Für ihre neue Heimatstadt hat sie sich sehr interessiert und ist mit mir kleinem Knirps zum Beispiel in der Domschatzkammer gewesen. Später habe ich von meinen Eltern Bücher mit historischen Ansichten von Essen zum Geburtstag geschenkt bekommen. Verfasser war der leider schon verstorbene Heimatforscher Hugo Rieth. Die alten Fotografien konnte ich mir stundenlang ansehen. Es war faszinierend sich vorzustellen, wie es in einer bestimmten Straße oder auf einem bestimmten Platz früher ausgesehen hat. Diese Neugierde ist mir in Fleisch und Blut übergegangen."
Besonders die Epoche des Jugendstils an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hat es dem Heimatforscher, der regelmäßig auch zu Stadtteilspaziergängen einlädt (Infos und Termine auf der Homepage www.robert.mwelzel.de) besonders angetan.
Robert Welzel: "Als Mitglied im VHS-Kurs Frohnhauser Geschichte wurden mir Frohnhausen, seine Geschichte und sein Ortsbild sehr vertraut. An den damals noch überwiegend rußgeschwärzten Stuckfassaden gab es Schätze zu entdecken, darunter sehr vieles, was dem Jugendstil zuzurechnen ist. Es lohnte sich, nach oben zu schauen und den provokanten Humor der Stuckarbeiten auf sich wirken zu lassen. Da tauchten Pflanzen, Frauengesichter oder hässliche Fratzen auf. Allein in Frohnhausen gibt es noch über 500 gut erhaltene Stuckfassaden der Gründerzeit und des Jugendstils. Im Laufe der Zeit habe ich auch alle anderen Stadtteile erwandert und mich intensiver mit den Motiven und der Baugeschichte der Häuser befasst."
Wer den Autor kennen lernen möchte, dem sei der Vortrag: "Essener Streifzüge. Aufbruch zum Jugendstil." empfohlen, der am Donnerstag, 8. November, 18 bis 20 Uhr, im Haus der Essener Geschichte, Ernst-Schmidt-Platz 1, stattfindet. Veranstalter ist der Historische Verein für Stadt und Stift Essen. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Ein ausführliches Portrait des Heimatforschers Robert Welzel finden Sie hier

Zur Person:

  • Robert Welzel lebt in Frohnhausen und arbeitet bei der Volkshochschule Essen. 
  • Diverse Veröffentlichungen zur Essener Architekturgeschichte (u. a. Essener Beiträge, Essener Streifzüge Bd. 1 und 2). 
  • Stadt- und architekturgeschichtliche Führungen (u. a. Kunstring Folkwang, Historischer Verein für Stadt und Stift Essen e. V.).

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