Kann die Frohnhauser Apostelkirche doch erhalten werden? - Presbyteriumswahl am 1. März
Planer mit Ideen gesucht

Das Ensemble der Apostelkirche mit dem Gäsereiterbrunnen (vorne) und dem Aposteljugendhaus (links) aus luftiger Höhe.
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  • Das Ensemble der Apostelkirche mit dem Gäsereiterbrunnen (vorne) und dem Aposteljugendhaus (links) aus luftiger Höhe.
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Der schlichte Aushang, mit dem das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Essen-Frohnhausen im letzten Jahr halbwegs beiläufig den Abriss von Markuskirche, Markusgemeindehaus, Apostelkirche und Aposteljugendhaus verkündet hatte, ist dem Presbyterium kräftig um die Ohren geflogen. Nun scheint Bewegung in die Angelegenheit zu kommen. Und: Auch ein Erhalt der Apostelkirche scheint nicht ausgeschlossen.

Lebhafte Gemeindeversammlungen und eine Menschenkette für den Erhalt der Apostelkirche und des Aposteljugendhauses fanden zum Ende des letzten Jahres statt, so leicht wollten sich die Frohnhauser doch nicht von ihrem Wahrzeichen, dem Turm der Apostelkirche, trennen.
Auch Bezirksbürgermeister Klaus Persch setzt sich für den Erhalt ein und äußerte gegenüber dem Stadtspiegel: Aus meiner Sicht ist die Verkündung der Entscheidung des Presbyteriums an die Gemeinde sehr unglücklich verlaufen. Einfach nur einen Aushang im Schaukasten mit so einer tiefgreifenden Entscheidung zu verkünden, ist nicht in Ordnung."
Und schon hat das wenig demokratische Handeln des Presbyteriums auch Kritiker in eigenen Reihen auf den Plan gerufen, wie zum Beispiel Bernd Dröse (65), pensionierter Studiendirektor des Alfred-Krupp-Gymnasium. Er kandidiert für das Presbyterium und sagt: "Der Fortbestand der Gemeinde liegt mir am Herzen. Sie darf an der Gebäudefrage nicht auseinanderbrechen. Ich kandidiere, da ich schwierige Situationen im Berufsleben kennengelernt habe und vom Typ her jemand bin, der gerne im Hintergrund arbeitet, Entscheidungen gründlich vorbereitet, sie durch transparente Kommunikation vermittelt und verantwortungsbewusst durchführt. Daher möchte ich mit allen Interessierten ein zukunftsweisendes Gesamtkonzept für die Gemeinde entwickeln, das für mich Voraussetzung für ein endgültiges Gebäudekonzept ist."
Die Presbyteriumswahl findet am 1. März statt. Vierzehn Vorschläge liegen zur Wahl der Presbyterinnen und Presbyter vor. Gewählt werden können zehn.
Das amtierende Presbyterium scheint - nennen wir's mal - Kreide gefressen zu haben. Nicht anders ist die jüngste Mitteilung zu werten, die erstmals auch als "Pressemitteilung" veröffentlicht wurde und über die aktuelle Beschlüsse des Presbyterium berichtet.
Auffällig dabei: Ausgewählte Architektenbüros sollen um die Vorlage von Kostenvoranschlägen für eine Machbarkeitsstudie gebeten werden.
Der Grund ist in Punkt 4 der Beschlüsse zu finden: "Dieser Machbarkeitsstudie sind nicht ein konkretes Modell oder mehrere konkrete Modelle vorgegeben. Ihr sind Rahmenbedingungen vorgegeben: Die Studie soll berücksichtigen, dass dem Jugendhaus für den Jugendkulturbereich sowie die offene Kinder- und Jugendarbeit ausreichende moderne und barrierefreie Räume zur Verfügung gestellt werden. Außerdem sollen entsprechende Räumlichkeiten für die Gemeindearbeit eingeplant werden.
Die Planer sollen sowohl Ideen für einen vollständigen Neubau sowie Umbauten der vorhandenen Gebäude vorlegen, jeweils mit Ausnahme der Notkirche. Zur Aufgabe der Planer gehört auch die Ermittlung der jeweiligen Kostenrahmen."
Was dann wohl auch bedeuten kann: Kreative Planer können den Erhalt der Apostelkirche verwirklichen und mit Umbauten die Ziele des Presbyteriums umsetzen. Sprich: Die Fans der Abriss-Bagger wurden offensichtlich erst einmal an die Leine gelegt.
Es bleibt allerdings bei dem Beschluss, die Immobilie des Apostelhauses, Mülheimer Straße 68, aufzugeben. Das Presbyterium: "Es bleibt auch dabei, dass die inhaltliche Arbeit des Aposteljugendhauses fortgesetzt wird, eben in anderen Räumen."
Gesichert ist der Bestand Der Notkirche. Alles andere wäre auch kaum durchsetzbar. Denn: Eine Initiative setzt sich für den Welterbe-Status für Notkirchen ein. Die Evangelischen Kirchen des Architekten Otto Bartning in Deutschland, den Niederlanden und Litauen sollen zum Unesco-Welterbe werden.
Es bleibt also spannend. Und: So einfach, wie sich das Presbyterium den Abriss durch Aushang machen wollte, wird's dann doch nicht.
Oder wie es Heimatforscher Robert Welzel aus Frohnhausen im Interview mit dem Stadtspiegel formulierte: "Die Apostelkirche ist eine anerkannte Sehenswürdigkeit, ein beliebter Konzertort und Treffpunkt. Mit ihrem fast 50 Meter hohen Turm ist sie eine Landmarke im Essener Westen. Man würde ja auch nicht auf die Idee kommen, das Schloß Borbeck abzureißen, nur weil es alt ist und das Dach mal neu gedeckt werden muss."

Das Ensemble der Apostelkirche mit dem Gäsereiterbrunnen (vorne) und dem Aposteljugendhaus (links) aus luftiger Höhe.
Der Gruppenbau der Apostelkirche im Jahr der Einweihung: 1913.
Autor:

Frank Blum aus Essen-West

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