Wie ist das Leben im Alter?
Zwei "Alte Damen" feiern Premiere

Posieren als "Alte Damen": Claudia Maurer und Mariela Rossi.
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Sie waren die heimlichen Stars des Gemeindefestes St. Elisabeth in Frohnhausen: Die alten Damen. Die alten Damen - weshalb das? Gemeint sind Claudia Maurer und Mariela Rossi vom Theater “Der leere Raum” an der Raumerstraße.

Wer die beiden kennt der weiß: Alt sind sie (noch) nicht. Doch der Titel ihrer neuen Inszenierung ist mit Bedacht gewählt. Bereits seit einiger Zeit recherchierten die beiden Künstlerinnen zum Thema Alter und stießen dabei auf positive wie negative Konnotationen. Daraus entstand der Gedanke schon heute das Morgen auszuprobieren und im Rahmen eines Inszenierung als Seniorinnen aufzutreten. Mit Masken, Hut, eleganten schwarzen Kleidern und schicken Handtaschen wagten die Damen sich als sogenannter “Walking Act” auf die Straßen der Gemeinde. Dabei konnten sie viele Eindrücke sammeln. “Es war wirklich aufregend, zum ersten Mal öffentlich in den Körper der Alten Damen zu schlüpfen. Ein wenig ist es vielleicht so, wie in einem fremden Körper aufzuwachen. Erst fühlt es sich fremd an, aber die Maske bietet Schutz und dadurch die Möglichkeit, auszuprobieren. Wir hatten uns während unserer Vorarbeit die Frage gestellt, was Zwei Alte Damen tun dürfen, wir aber aufgrund unserer jüngeren Jahre nicht. Nun hatten wir die Gelegenheit, uns vorsichtig an die Persönlichkeiten unserer Figuren heranzutasten und ihre eventuellen Möglichkeiten zu erforschen. Zu merken, dass und wie die Leute auf uns reagieren, hat uns großen Spaß und neugierig und Lust auf mehr gemacht” berichten Maurer und Rossi. Negative Erfahrungen hätten sie an diesem Tag nicht gemacht, eher im Gegenteil, so freuen sie sich. “Besonders begeistert hat uns, dass so viele Menschen auf uns zugekommen sind und den direkten Kontakt gesucht haben. Sie wollten Fotos mit den Damen machen, haben gelächelt, gegrüßt und die Damen ganz direkt angesprochen. Einige Leute waren im ersten Moment irritiert, ließen sich dann aber auf die Figuren ein und haben sich uns geöffnet. Das war besonders schön. Es gab ein paar Szenen, über die wir uns besonders gefreut haben.
Mit einer anderen Dame haben wir tolle Komplimente ausgetauscht, eine spontane Tanzeinlage eingelegt, wir (bzw. natürlich die Damen) durften uns zwei Roller ausleihen und ausprobieren und wurden eingeladen, Handball zu spielen. Haben wir natürlich gemacht. Es gab für uns eigentlich keine schockierenden Momente. Wenn wir merken, dass jemand keinen Kontakt möchte, respektieren wir das und halten natürlich Abstand”.
Ob es etwas gibt, was sie aus ihren Rollen in den Alltag übernehmen möchten? Ja tatsächlich, das gibt es: “Die Offenheit, fremden Menschen auf der Straße ganz direkt mit einem Gruß zu begegnen. Den Mut, ganz spontan Dinge auszuprobieren, auf die wir jetzt in diesem Moment Lust haben. Etwas ausprobieren, wozu wir uns zu alt fühlen. Oder zu jung. An diesem Punkt sind wir momentan noch ganz am Anfang. Da wird bestimmt noch einiges dazukommen.”
Die Zuschauer haben die Möglichkeit, die Erfahrungsreise von Maurer und Rossi selbst zu begleiten, denn die Alten Damen werden erneut auftreten. Am 20.9.2019 zwischen 16 und 21 Uhr auf dem „Miteinandertag“/“Shoppen und Schönes“ rund um den Gervinusplatz in Essen-Frohnhausen wird es die nächste Performance geben. Zu den Details äußern sich die Künstlerinnen, die in ihren Rollen übrigens nicht sprechen, aktuell noch nicht. Maurer sagt dazu: “Mit einer Maske darf eine Person vieles tun, was im echten Leben nicht erlaubt ist: wildfremden Menschen in die Augen gucken, einfach so mit ihnen Kontakt aufnehmen, ihnen direkt nahe kommen, sie vielleicht sogar auch mal vorsichtig berühren. Menschen kommen ganz anders auf die Person mit Maske zu. Sie wird schneller von anderen Menschen berührt. Wir wurden am Sonntag ganz direkt und offensiv angesprochen, auch angefasst, als Kunstfigur, als Alte Dame. Das würde niemals passieren, wenn wir privat unterwegs wären. Wenn die Stimme dazukommt, verliert die Maske ihre Kraft. Im Theater heißt das, dass die Figur gebrochen wird. Die Künstlichkeit der Maske passt nicht zu der realen Stimme, schafft eine Irritation, zwei Wirklichkeiten verschwimmen, die Identität der Person unter der Maske wird enthüllt. Alte Damen reden absolut gerne. Unsere auch. Das klappt aber auch ohne Stimme ganz wunderbar.”
Nach der Begeisterung der Gemeindemitglieder und Besucher in St. Elisabeth ist auch für die Zukunft mit spannenden Erlebnissen bei der Begegnung mit den Alten Damen zu rechnen - nicht nur für Rossi und Maurer.

Posieren als "Alte Damen": Claudia Maurer und Mariela Rossi.
Auch für die Künstlerinnen ist ihre neue Rolle ungewohnt und ein Erlebnis.
Autor:

Meike Coenders aus Essen-Süd

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